Tanja Valente, besser bekannt als Antja, steuert für UBWG die knackig groovende Episode Nr. 135 unseres Podcasts bei. Inklusive einem kleinen Pläuschchen über dieses und jenes rund um unsere geliebte elektronische Musik, versteht sich.

Die Welt steht Kopf, und mit ihr das Nachtleben. Aber den Handstand zu machen, liegt uns Nachteulen doch allen im Blut. Von dem her lassen wir uns mal überraschen, was das Jahr 2020 sonst noch für Tumult um sich werfen wird. Allein deswegen, und weil uns der Radau rund um das Coronavirus langsam, aber sicher wie eine lästige, nie enden wollende Schulaufführung aus der Primarschule vorkommt, wollen wir nicht mehr lange um den heissen Brei reden und die Bühne frei machen von Hygienemasken und Desinfektionsmittel für Turntabledreherin Antja.

Tanja sorgt seit Handgelenk mal Pi über vier Jahren für gute Laune hinter und vor den Decks. Mehr reingestolpert als mit Absicht hat sich das Ganze eben ergeben. Erste, bleibende Impressionen vom Auflegen erhielt sie von ihrem Bruder, der anno dazumal noch hin und wieder an den Reglern in verschiedenen Klubs stand. Sein Equipment war in aller Geschwisterliebe für sie tabu, trotzdem hinterliess es in gewisser Weise einen bleibenden Eindruck – nicht das Tabu, sondern die Kunst des Mixens. Wie sich dieser Eindruck Jahre später zum Ausdruck bringen lässt, hört ihr in diesem knackigen Set:



Wir erleben gerade turbulente Zeiten. Lass uns doch ein wenig Nostalgie aufkommen lassen und an die unbeschwerten Tage und Nächte denken. Wie würdest du den Zauber einer durchtanzten Klubnacht in eigene Worte fassen?

Schwierig zu sagen… aber ich würde es mit einer schönen, fluffigen rosa Bubble vergleichen, die dich wohl aufgehoben durch die Nacht schweben lässt und beim Verlassen des Klubs am Morgen fein säuberlich auf den Boden der Tatsachen zurückbringt. Manchmal mit viel Elan, manchmal ein wenig ungraziöser. So oder so aber mit ordentlich Schwung, Gesprächen mit allerlei lustigen Leuten und Bässen, die das Herzchen höherschlagen lässt.

Das bringt es doch ziemlich auf den Punkt! Von diesem Zauber wurde die Klublandschaft der Schweiz zwangsweise knapp 3 Monate beraubt. Wie hast du diesen Lockdown so miterlebt?

Allen voran glaube ich, dass es für den einen oder anderen in mancher Hinsicht Balsam war, ein Clubbing-Detox hinzulegen. Zumindest war es für mich so. Den Kreislauf von der immer wiederholenden Arbeitswoche-zum-Party-Wochenende ein wenig zu durchbrechen, und anderen Sachen im Leben mehr Hingabe widmen und auch schätzen zu lernen. Eine kleine Selbstfindungsphase, wenn man so will. Klar hat das Nachtleben gefehlt, aber Dinge wie beispielsweise das Wandern in unserer schönen kleinen Schweiz haben da wohltuenden Ersatz geliefert. Glaubt es oder nicht, aber Tantchen Tanja hat auch ihren grünen Daumen entdeckt, und schampar Freude am Gärtnern gefunden.

So ganze ohne die elektronische Musik dürfte diese Zeit wohl doch nicht an dir vorbeigezogen sein. Viele DJs und Soundfanatiker haben sich ziemlich sicher noch mehr mit Diggen und Studiozeit beschäftigt als üblich. Das war bei dir wahrscheinlich auch nicht anders?

Logo! 😉 Ein kleines Zückerchen der Früchte von der vielen Studiozeit wurde vor rund einem Monat auf MEOKE veröffentlicht. Eine Kollaboration mit meinem guten Freund Akyra aus Rom. Da wird noch mehr kommen, denn wir sind fort zu dran. Es dauert ein wenig länger, da wir die Tracks à la Fernbeziehung Stück für Stück zusammenbasteln. Aber gut Ding will ja bekanntlich Weile haben. Natürlich sind zudem auch schon eigene Nummern mit mir alleine in der Federführung in der Mache.



Das freut uns wortwörtlich zu hören! Wie siehst du der musikalischen Entwicklung im Grossdschungel der Schweizer elektronischen Nachtkultur entgegen? Jetzt mal rein auf die Musik bezogen, fernab von der ganzen Pandemie, die uns allen zu schaffen macht…

An Vielfalt, Potential und Talenten mangelt es uns allemal nicht in den eigenen Landesgrenzen. Und für diese Talente sollte man unbedingt Tür und Tor weiterhin offen halten auf unseren Plattformen. Denn für mich zumindest ist es essenziell wichtig, dass man es der Musik und nicht der Sache wegen macht. Hört man allerdings aber ziemlich schnell raus, ob es jemand wirklich ernst meint hinter dem DJ-Booth, oder eben auch nicht.

Dürfte wahrscheinlich ein bisschen an das Thema «Signature-Sound» angelehnt sein. Sprich, dass es wichtig ist seinen eigenen Stil zu finden und diesen mit der eigenen Handschrift zu verfeinern?

Zum Beispiel, ja. Logisch ist das ein stetiger Prozess, und DJ XYZ spielt auch nicht mehr genau wie vor 2-3 Jahren. Aber seine eigene Handschrift und Musikvorlieben mit einzubinden verleiht dem ganzen doch auch eine persönliche Essenz. Beispielsweise erkennt der versiertere Clubber vereinzelte Artists nur schon am Gehör, ohne zum DJ-Pult oder auf das Line-Up an der Garderobe spähen zu müssen. Solche Nuancen und Eigenheiten des jeweiligen Artists, finde ich, geben der Sache eine schöne, herzhafte Note! Obendrauf sind diese Eigenschaften geradezu ein perfekter Nährboden zur Entstehung von neuem Sound, der die Bewegung weiter nach vorne treibt.


Im Händchen und dem Herzchen liegen die Würze beim Auflegen – ein Lächeln schadet aber auch nie.

Bestimmt gibt es auch etwas, abgesehen von den vielen Einbussen dieser -entschuldigung- verfickten Pandemie, dass dir hier bei uns in der Szene ein bisschen fehlt oder auch verloren gegangen ist?

Ich denke, das Coronavirus und das fortlaufende Club-Bashing, welches unsere Medien und Politiker mit Hochdruck betreiben, werden etwas wiederbeleben, was mir die letzten Jahre immer mehr gefehlt hat: illegale Partys. Damit meine ich keine Hundsverlocheten im hinterletzten Ecken, sondern gut organisierte und qualitative illegale Raves. Aber die werden so oder so kommen, wenn Herr und Frau Bünzli weiterhin auf den Clubs rumhacken wollen, bis auch der letzte Tropfen Nachtkultur durch bürokratischen Unsinn verdunstet ist…

Wir danken Antja für den kleinen Schwatz und das wirklich gelungene Set, welches die eine oder andere Perle mit sich trägt!

Wer sie dieses Wochenende sehen möchte, falls der Kanton uns bis dahin nicht vollends schon den Stecker gezogen hat, kann das diesen Samstag 29. August in der Friedas Büxe!

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Bilder zur Verfügung gestellt von: Tanja Valente

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