Auf ein Bier mit James Mc Hale…
…oder eben doch nicht!

Auf die wunderbaren Mixes von Princess P. (110) und Patrischa (111) folgt heute ein weiterer Hochkaräter: James Mc Hale gibt sein Debüt bei Unsere Beweggründe und liefert mit seinem Podcast den perfekten Soundtrack für die anstehende Woche. Wir trafen ihn an einem Donnerstagabend in Bern zum Gespräch.


James Mc Hale


James Mc Hale und ich kennen und schon ein Weilchen – wie es eben so ist in Bern. An einem vermeintlich gemütlichen Donnerstagabend treffe ich ihn vor dem Studio Sounds in Bern – dem einzigen Laden, der den hiesigen Produzenten und DJs in Sachen Material und Expertise etwas liefern kann. Über einen kleinen Umweg in sein Studio, für Bilder seiner Gear-Schätzchen, erreichen wir seine Wohnung im Berner Stadtzentrum. Zu Dosenbier (aus dem Glas!) beginnen wir das Interview. „Auf ein Bier mit James Mc Hale“, hätte ein möglicher Titel für den vorliegenden Text ursprünglich heissen können. Es kam anders. Doch dazu später mehr.

James Mc Hale ist ein bekannter Name im elektronischen Kosmos der Hauptstadt. Vor gut sechs Jahren gab er sein Debüt im Berner Gaskessel und ziert seit daher regelmässig Line-Ups in der Hauptstadt und ihrer Peripherie. Seit geraumer Zeit wurden aus seinen lokalen Bookings nationale. Mittlerweile wird der gebürtige Thuner bereits international gehandelt , ist Resident bei Sunday Breakfast Zurich, bei Modernity und dem ROK in Luzern. Mittlerweile kriegt man sogar schon Mails von der renommierten Booking-Agentur AMG, die den aufstrebenden Künstler seit rund einem halben Jahr auf ihrem Rooster führen.

In Berührung kam der in Bern wohnhafte Mc Hale, wie er tatsächlich mit bürgerlichem Namen heisst, vor rund 10 Jahren. Damals, als er mit seinen Kumpels selbst regelmässig Gast an Festen mit elektronischer Musik war, ging es zum „Einwärmen“ jeweils in James Wohnung. Dort gab es nebst Bier und Drinks Musik aus der Dose. Dafür war stets James verantwortlich und es dauerte nicht lange bis seine Kollegen meinten: „Du hast so geilen Sound, du solltest DJ werden.“ James nahm sich des Vorschlags an, legte sich zwei Plattenspieler zu und beobachtete fortan die talentierten DJs, die in der stadtbekannten Formbar ein und ausgingen.


James Mc Hale


„Learning by doing“, wie es im Bilderbuch steht. Dank einer Prise Glück wurde Veranstalter Christian Birrer auf ihn aufmerksam, als er dabei war ein neues Label für elektronische Tanzmusik ins Leben zu rufen. James fühlte sich geehrt und wurde an der Seite von Luca de Grandis zu einem der ersten beiden Residents vom damals jungen Eventlabel Tanzkarussell. Nach der Gründung erreichte das Imprint bald seine Blütezeit, in der es mit grossen, mehrtätigen Festivals, wie dem „Osterkarussell“ und Acts wie Sonja Moonear, Stephan Bodzin in weiten Kreisen von sich reden machte und in der Szene gut verankert war. Auch Lorenz Misteli, bekannt als Veranstalter von Abflug Berlin, wurde als einer der ersten auf das junge Talent aufmerksam und buchte ihn u. a. regelmässig an seine Feste in der Via Felsenau. Bereits lange vor der ersten Kritik an Tanzkaurssell verliess James seine Berner Labelheimat, um 2014 in die Sunday Breakfast-Familie aufgenommen zu werden. Bald darauf folgte eine Residency im ROK sowie die ersten Auslandbookings auf Ibiza, an einer Point-Afterhour in London oder im Club der Visionäre im elektronischen Mekka Berlin.

Heute darf das Berner Talent freudig auf die ersten sechs Monate mit einer professionellen Agentur an der Seite zurückblicken. Aminata Kaba herself holte James damals ins AMG-Boot und kümmert sich persönlich um seine Bookings. So wird James in den kommenden Wochen erstmalig in Moskau auflegen, in Paris zu sehen sein und mit seiner Zürcher Crew Turin unsicher machen. Der Erfolg des Berners kommt aber nicht von ungefähr, sondern fand seinen Weg über sechs Jahre kontinuierliches Auflegen und Weiterentwickeln. Den Namen James Mc Hale verschwand seit dem ersten offiziellen Booking 2011 nie mehr von der Bildfläche – einzig vor ein paar Jahren, schien die Karriere kurz zu stagnieren: „Das war in der Tat so und hat auch einen ziemlich einfachen Grund. Ich holte die Berufsmaturitätsschule nach und musste in dieser Zeit etwas kürzer treten. Nach erfolgreichem Abschluss stand ich vor der Wahl mit dem Studium an der Pädagogischen Hochschule zu beginnen oder alternativ alles auf die Karte Musik zu setzen. Die Wahl fiel mir leicht und nach gefällter Entscheidung ging es auch ziemlich nahtlos wieder bergauf mit der Karriere, was für mich mit der Entscheidung zu tun hatte, alles auf die Musik zu setzen.“ Im Nachhinein sei er froh, nicht mit einem Track über Nacht bekannt geworden zu sein: „Ich war gute sechs Jahre in Bern unterwegs und habe mir über die Zeit einen Namen gemacht. Heute kommen und gehen Künstler fast täglich – da besteht gar nicht die Möglichkeit eine Bindung aufzubauen. In Bern spüre ich durch meine Vergangenheit einen starken Rückhalt, der mir viel gibt“.

Zu einem erfolgreichen DJ gehören (erfolgreiche) Produktionen heute fast zwangsläufig dazu. Umso bemerkenswerte konnte James Mc Hale auf Produktionen in seiner bisherigen Laufbahn verzichten. Auch wenn es noch keine Releases gibt und James bisweilen nicht von seiner Producer-Tätigkeit Reden machte, passierten die ersten Schritte im Bereich der Produktion bereits vor knapp fünf Jahren. „Ich wollte Musik produzieren, doch ich kam nie in die Materie rein. Das liegt zu einem grossen Teil daran, dass ich damals kein Studio hatte.“ Mittlerweile ist er fündig geworden; keine drei Gehminuten von seiner Wohnung hat er im 3. UG ein belüftetes Studio, wo er tagtäglich bis zu 14 Stunden verbringt. Das Studio hat er sich von Grund auf selbst aufgebaut: Parkettboden verlegt, Akustikelemente montiert etc. Wer eine Affinität für Gear hat, kann dies bei Betrachtung seines schmucken Studios natürlich nachvollziehen, anderen mag es – besonders im Sommer – komisch erscheinen. Eine Vielzahl spannender Geräte steht zum Klimpern bereit. „Es macht Spass täglich eigene Fortschritte feststellen zu können. Mittlerweile arbeite ich seit einem guten Jahr auch an konkreten Tracks und habe einen Vinyl-Only-Release bei Sunday Breakfast in der Pipeline“.


James Mc Hale


Während James als DJ dem Vinyl nach seinen Anfängen eine Zeit lang untreu wurde, läuft im Studio fast alles analog. „Ich liebe den analogen Sound und die Geräte. Ich arbeite mit Drum Machines, analogen Geräten und natürlich dem Modular-Rack. Das Modular ist mein Baby und bereitet mir sehr viel Freude. Besonders wenn ein neues Teil dazukommt. Man hat dann nicht nur „etwas Neues“ sondern kann das neue Teil mit den bestehenden Elementen verbinden, patchen und verkabeln. Eine exponentiell steigende Anzahl neuer Möglichkeiten und Sounds“.

James ging seinen Weg und geht ihn weiter. Mit Erfolg. Die Zukunft für den Berner scheint rosig – das mag auch an seinem Talent liegen, sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Auf die Frage nach einem eigenen Label sagt er: „Ein eigenes Label ist sicherlich irgendwann mal ein Thema – genauso wie anderweitig neue Projekte. Für den Moment will ich mich aber auf die Musik fokussieren, sprich DJing und Produzieren.“

Pünktlich zum Interviewende klingelt es auch schon an der WG-Tür. Die ersten Gäste für eine spontane Poker-Runde treffen auf Einladung von James und seinem Mitbewohner Bfly Steiner ein. Ich entscheide mich spontan mitzuspielen und werde Zeuge eines seltenen Pokermoments: James holt sich einen Pot mit einem Straight Flush zum König – haarscharf am Royal Flush vorbei. Denkwürdig. Durch den Straigh Flush und Bier motiviert begeben wir uns noch rasch ins Kapitel Bollwerk, wo dr. habakuk vor vollem Haus ein tolles Set abliefert und wir einen schönen Abschluss des Abends finden.


James Mc Hale



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