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Wenn man heutzutage Erstklässler nach ihrem Traumberuf fragt, darf man nicht erstaunt sein, wenn man neben Feuerwehrmann und Fussballer die Antwort DJ erhält. Vor 20 Jahren sah das noch anders aus. Damals hatten DJs nicht den Rockstarstatus von heute und auch die mediale Reichweite war äusserst beschränkt. Kein Wunder also, äusserte Jimi Jules schon als sieben jähriger Knirps keineswegs den Wunsch Plattenleger, sondern viel mehr Musiker zu werden. Inzwischen ist er beides, obwohl man unseren heutigen Gast vor allem als eines betiteln sollte, nämlich als Vollblutmusiker.

Der 27 jährige Produzent, Songwriter und DJ durchlief mehrere Stationen in seiner musikalischen Laufbahn, bevor er mit Pushing On seinen ersten Beatport Nummer Eins Hit feierte. Zudem mauserte sich der im Kanton Zürich lebende Berner mit weiteren Veröffentlichungen auf namhaften Labels wie Defected, Rebirth oder Play It Down zu einer festen Grösse im europäischen Musikzirkus und als wäre das noch nicht genug, ist er seit über einem Jahr Resident-DJ im Berliner Club Watergate.

Wir trafen Jimi Jules an einem herrlichen Frühlingstag am Zürcher Limmatquai zum Gespräch und plauderten mit ihm über seine unendliche Liebe zur Musik, seinen musikalischen Werdegang und was ihn an der Deutschschweizer Clubszene so aufregt.

Ach und bevor wir’s vergessen, selbstverständlich mixte Jimi Jules ein exklusives Set, welches ihr in unserem hauseigenen Podcast findet.

Viel Spass damit!

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Künstlername: Jimi Jules
Kanton: Zürich
Alter: 27
Homebase:
Watergate
Meine Releases:
Defected, Play It Down, Rebirth, Hive Audio, Rumpelmusig und mehr


Du bist einer jener Schweizer DJs, auf die der Begriff „Vollblutmusiker“ voll und ganz zutrifft. Was war deine erste Berührung mit Musik?

In meiner Familie machen alle Musik, ausser meine Mutter. Meine Grossmutter war zum Beispiel einmal Ländlerkönigin mit Jodeln und so (lacht), während mein Onkel Posaunist im Luzerner Symphonieorchester ist. Ich selber mache schon Musik seit ich mich erinnern kann. Angefangen hatte alles, als ich auf meinen 2. Geburtstag meine erste Trompete geschenkt bekam. Danach spielte ich in verschiedenen Brass Bands sowie Blasorchestern, was mir unheimlich viel Spass bereitete. Während dieser Zeit nahm ich auch an verschiedenen Wettbewerben teil, unteranderem auch Schweizermeisterschaften, welche ich meistens gewann. Mit etwa 14 Jahren hatte ich dann einen Turnunfall, bei welchem ich mir die vorderen Zähne raushaute, so dass ich nicht mehr Trompete spielen konnte. Zu dieser Zeit hatte ich aber sowieso meine etwas rebellische Phase und wollte ohnehin mehr Sport treiben als Musik zu machen. Also gab ich das Trompetenspielen auf, fing dann aber im Gegenzug spasseshalber an Tuba zu spielen. In dieser Zeit übte ich wie ein Besessener und konnte nach 3-4 Monaten intensivem Üben an den Schweizermeisterschaften teilnehmen, welche ich als erster Tubaspieler nach ca. 20 Jahren gewinnen konnte.

Das hört sich nach einem sehr talentierten Musiker an, bei welchem der Weg zum klassischen Musiker vorprogrammiert war. Wann wurde dir klar, dass dieser Weg nichts für dich ist?

Mit 16 Jahren bekam ich die Möglichkeit im Orchester in der Tonhalle Zürich zu spielen. Im Vorfeld meiner ersten Probe bekam ich die Noten und wie ich mir es gewohnt war, schaute ich sie durch, dachte mir „voll easy“ und konnte das Stück problemlos spielen. Leider machte ich einen wesentlichen Fehler und übersah, dass das Stück alla breve ist, also doppelt so schnell gespielt werden muss. Darauf ging ich in die Tonhalle zu meiner ersten Probe, bei welcher ich tierisch abkackte (lacht). Es kam so weit, dass der erste Geiger sich umdrehte und nach hinten schaute, worauf sich das gesamte Orchester umdrehte und mich, den Clown mit den sowieso schon zerzausten Haaren in der hintersten Reihe, anglotzte (lacht noch lauter). Ich habe mich selten so schlecht gefühlt. Zum Glück übte ich nach dieser Blamage bis spät in die Nacht mit meinem Onkel, so dass am darauf folgenden Tag am Konzert alles gut ging. Nach dieser im Nachhinein lustigen Anekdote merkte ich, dass ich mehr Freiheiten brauche. Ich liebe Musik über alles, aber wenn ich mich eingeschränkt fühle, wird es mir unwohl. So entschied ich mich Jazz zu machen und fing mein Musikstudium in Luzern an, welches ich vor einem Jahr in Zürich beendete.

Und wie bist Du bei der elektronischen Musik gelandet?

Dank meinem ehemaligen Lehrer Domenic Ferrari aka High Heels Breaker kam ich relativ schnell zur elektronischen Musik. Über ihn und ein paar weitere Leute kam ich zu diesem deepen, elektronischen Sound und Oli (Oliver $ Anm. d. Red.) war es schliesslich, der mich immer mehr in Richtung in Richtung Techno brachte.

Bleiben wir gleich bei Oliver $. Wie habt ihr euch kennengelernt und was hast Du für ein Verhältnis zu ihm?

Vor etwa sechs Jahren spielten Oli und ich gemeinsam im Hive. Als ich ihn am nächsten Tag zum Flughafen brachte, kaufte er mir kurzerhand ein Flugticket und nahm mich für zwei Wochen mit nach Berlin. Dort zeigte er mir alles. Wir hörten unzählige Platten durch, gingen an Montagen und Dienstagen an Afterhours in die Bar25 und ich zeigte ihm auch meine ersten Produktionen. Meine ersten Tracks fand er Scheisse (lacht), Oli ist nämlich der ehrlichste Mensch. Er war es, der mir als erste Person spezifisch Feedback gab und mir sagen konnte, was ich ändern musste. Zugleich machte er mir Mut und sagte, dass ich einfach weitermachen sollte und wenn ich 1000 Tracks produziert habe, auch bereit bin etwas zu veröffentlichen. Alles in allem öffnete mir der zweiwöchige Aufenthalt in Berlin meine Augen und ich begann zu verstehen und zu fühlen, für was diese Musik steht.


Jimi Jules

„Plötzlich denken auf einmal viele Idioten, dass ich ein besserer Musiker geworden bin.“


Oliver $ war es auch, mit welchem Du den einen oder anderen erfolgreichen Track und Remix feiern konntest. Besonders euer Track Pushing On konnte bis auf die Nummer 1 bei Beatport vordringen und schaffte sogar den Sprung in die Charts von Grossbritannien. Wie nahmst Du den ganzen Rummel wahr und was veränderte sich bei dir dadurch?

In letzter Zeit kommen viele solche Fragen und ehrlich gesagt weiss ich nie genau, was ich antworten sollte. Klar hat sich etwas verändert und zwar denken jetzt auf einmal viele Idioten, dass ich plötzlich ein besserer Musiker geworden bin. Ob das positiv oder negativ ist, weiss ich nicht. Pushing On ist sicher ein guter Song und ich stehe dahinter, aber irgendwie finde ich es schade, dass ich für die meisten Leute, die mich sonst nicht kennen und hören, nun einfach auf Pushing On reduziert werde.

Wie ist Pushing On entstanden?

Es gibt da eine lustige Story dazu. Letzten November wohnte ich in Berlin und weder ich noch Oli hatten Geld, also brauchten wir einen Hit (lacht). Nein jetzt ehrlich, es war wirklich bedrückend und es herrschte zu dieser Zeit beinahe Weltuntergangsstimmung. Irgendwie stiess ich dann per Zufall auf dieses Youtube Video mit diesem Pushing On Vocal und eines führte zum anderen. Fakt ist, dass Pushing On für uns, also Oli und mich, perfekt zu dieser Zeit passt, auch wenn der Song im Musikvideo und von vielen Leuten anders interpretiert wird.

Täuscht der Eindruck, dass Du im Vergleich zu früheren Produktionen heute mehr für den Dancefloor respektive die Peaktime produzierst?

Also zu Hause im Studio investiere ich am wenigsten Zeit in Clubmusik. Auf meiner Festplatte haben sich in den letzten Jahren über 500 fertige Tracks angesammelt, wobei ein Track nie wirklich „fertig“ ist. Die meisten davon sind aber wirklich ruhig und „komisch“. Diese Tracks habe ich vor allem für mich gemacht, damit ich wieder etwas gelernt habe und die werden auch nie veröffentlicht. So beschissen wie’s ist, werden Dancefloor Produktionen einfach schneller releast und Labels können etwas daran verdienen. Natürlich veröffentliche ich aber immer noch ruhigere Produktionen wie beispielsweise letztes Jahr Hello Asshole (erschien auf Rumpelmusig Anm. d. Red.).

Apropos deinem Track Hello Asshole. Wie kamst Du dazu auf Rumpelmusig zu veröffentlichen und was hast Du für einen Bezug zu Kalabrese?

Musik mit Kala zu machen, ist für mich wie anstatt zum Psychiater zu gehen (lacht). Wenn ich mit ihm musiziere, dann bin ich einfach überdurchschnittlich glücklich danach. Wir jammen einfach drauflos, ohne Samples. Mittlerweile ist er für mich auch eine Art Mentor geworden und in Zukunft werden wir wohl auch als Duo etwas kreieren.

Wir haben bis jetzt viel über deine Produktionen und deine Tätigkeit als Musiker gesprochen. Seit letztem Jahr bist Du aber auch noch Resident DJ im berühmten Watergate. Wie kamst Du zu dieser Ehre?

Im Sommer 2013 hatte ich die Möglichkeit gemeinsam mit anderen Jungs von Hive Audio auf dem unteren Floor zu spielen. Ich war so nervös, weil ich vor dem Gig noch nie ins Watergate reinkam, dann aber kam ich als letzter an die Reihe und obwohl es eine nicht so gute Nacht mit allzu vielen Leuten war, kamen bei meinem Set frühmorgens immer mehr Leute. Ich glaube, dass ich noch nie so gut gespielt habe wie an diesem Morgen. Schlussendlich dauerte mein Set bis um zwei Uhr nachmittags und als der Chef vom Watergate irgendwann auftauchte, teilte er mir mit, dass er sich melden werde. Und ja, seitdem bin ich Resident DJ und lege etwa einmal im Monat dort auf.


Jimi Jules

„Manchmal denke ich, dass in der Deutschschweiz viele Leute den Stock im Arsch haben.“


Was sind die grössten Unterschiede zwischen der Crowd im Ausland und in der Schweiz? Was denkst Du über die Schweizer Clubkultur?

Ich unterscheide zwischen der Deutschschweiz, dem französisch und italienisch sprechenden Teil in der Schweiz. Die Deutschschweiz ist manchmal zu fest auf sich fokussiert. Viele denken, dass es nur die Deutschschweiz gibt und in der Westschweiz oder im Tessin nichts stattfindet. Hier in Zürich gibt es sogar solche, die schauen nicht Mal auf Bern! Ich glaube Deetron hat zuerst am Detroit Movement Festival gespielt als in Zürich! Manchmal denke ich, dass in der Deutschschweiz viele Leute den Stock im Arsch haben und fast jeder denkt, er kann es besser. Ein Beispiel: Wenn ich in der Deutschschweiz ein Warm-Up Spiele, dann kommen die Leute rein, gehen zuerst einmal an die Bar, sitzen und plaudern ein wenig. Wenn ich im Ausland spiele, kommen die Leute rein, schmeissen die Jacke in die Ecke und beginnen zu tanzen. Dazu bekomme ich im Ausland mehr Feedback.

Vielen Dank an Jimi Jules.

Was beim sympathischen Musiker sonst so ansteht und was wir in diesem Jahr noch alles von ihm erwarten dürfen, erzählt er uns im zweiten Teil des Interviews in zwei Wochen.



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