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Der nächste Podcast mitsamt Interview kommt heute von Kalabrese – einer Zürcher Legende mit Kultfaktor in der Schweiz und auch im Ausland.

Die Quarantänezeit bedeutet für Kulturschaffende, insbesondere Musiker, DJs und Clubbetreiber, eine ganz besondere Zeit. Während aber sämtliche Club-Gigs und Konzerte wegfallen, bleibt reichlich Zeit für Musik. Anlässlich dieser aussergewöhnlichen Situation baten wir Sacha Winkler alias Kalabrese zum Interview.



Hoi lieber Sacha! Wie geht es dir und wie siehst du die aktuelle Quarantänephase?

Danke, gut. Es freut mich, dass ich für euch einen Job machen kann, den ich gern mache!

Es ist wahrlich eine interessante Zeit, von bedrohlich bis befreiend. Endlich kams mal zum Stillstand. Endlich nehmen wir das Tempo raus. Endlich verpass ich nichts. Muss ich nichts. Wir in der Schweiz haben grosses Glück, hats uns bisher nicht mehr getroffen und wir sind staatlich sehr gut umsorgt. Ich genoss anfänglich die Ruhe, die sich über die Stadt gelegt hat und ich geniess genauso jetzt das Aufblühen wieder. Der Lockdown hat eine neue Dringlichkeit hervorgebracht. Was ist denn schon nötig? Warum immer Konsumieren und Flüchen? Lieber Freunden helfen und selber Solidarität erleben, als immer noch höher hinaus, noch mehr Optimum noch mehr Kohle. Klar plagen einen auch existenzielle Sorgen. Das ist auch eine Chance, sich neu zu orientieren, sich neu zu erfinden.

Nutzt du diese Gelegenheit eher, um neue Ideen umzusetzen oder um an angefangenen Projekten weiterzuarbeiten, für die du bisher keine Zeit gefunden hat?

Anfänglich, hab ich nichts zustande gebracht. Ich war geschockt und paranoid, nicht mal meine gute Freundin konnte mich lockern. Irgendwann hab ich angefangen wieder aufzublühen. Inzwischen sind einige schöne Aktionen mit anderen lieben Menschen zustande gekommen. Ein Pasta-Film und einige tolle Studiotage alleine und zu zweit. Diverse schöne Podcast-Streamings u.a. das tolle Solidarity is now Zukunfts-Weekend. Die Menschen haben auf einmal spontan Zeit und solidarisieren sich. 


Ein stolzer Kalabrese am „Solidarity Is Now“-Weekender in der Zukunft (Bild: Evan Ruetsch)

Darf man darauf genauer eingehen; was für musikalische Erzeugnisse wird man als nächstes von dir zu hören kriegen?

Ich durfte mit dem talentierten Produzenten Kay Schmid alias Kayyak für ein paar Tage ins Studio. Er ist zwar nur halb so alt wie ich, aber schon richtig reif für deepe Musik. Rausgekommen sind zwei wunderbar groovige Nummern. Gesungen und gespielt haben wir alles gemeinsam, rauskommen wird’s auf der nächsten Rumpelmusig.

Ich bin etwas intensiver am neuen Album dran und es wäre wunderbar, wenn ich dies auch so weit auf den Punkt krieg. Ich denk die Wehmut führt eine starke Kraft in sich und ich versuche daraus zu schöpfen und eine Perspektive aufzuzeigen. Musik wird die Krise überleben, sie wird zu einem noch kostbareren Gut.

Wie das Beispiel von Kayyak zeigt, bemühst du dich immer wieder, junge Musiker*innen und Produzent*innen zu pushen. Wieso ist das so wichtig für dich?

Ich sehe es als meine Aufgabe, die jungen Produzenten zu fördern und mit ihnen einen Weg zu gehen. Das versuchen wir auch in der Zukunft mit den DJs und Veranstaltern. Ihr Hunger, ihr Durst nach Input und Output ist immens und macht uns alte Säcke auch jünger. Und wir können auch viel zurückgeben. Aber man muss auf Augenhöhe arbeiten, sonst wird das nix.


Kalabrese im Studio mit Kayyak

Welchen Stellenwert haben solche Kollaborationen für dich?

Es berührt mich, wenn man sich musikalisch so nah kommt und sich was zu sagen hat. Das schafft Nähe und Vertrauen und Perspektiven.

Bringt die Quarantänezeit, ungewiss wie lange sie noch andauern wird, eher Vor- oder Nachteile mit sich, wenn es um die Veröffentlichung von Musik geht?

Ich mache mir darüber keine Gedanken. Musik erreicht die Menschen immer. Wenn sie dazu noch gut ist, umso einfacher.

Denkst du, dass wir während oder nach dieser Zeit von einer Welle von neuen Releases überflutet werden, da sich nun viele Künstler voll und ganz der Musik widmen können?

Das kann schon sein, aber es wird uns ja eingepredigt, dass nichts mehr so sein wird wie zuvor. Ich finde die Ausgangslage enorm spannend und ich wünsche mir sowieso weniger Output, mehr Nachdenken, mehr Zeit sich zu widmen, statt irgendwelchen Maximen nachzurennen. 

Was hältst du vom aktuellen Streaming-Angebot und der dazu entstandenen Debatte? 

Es ist ein Weg, sich mitzuteilen, der umso besser ankommt, wenn alle zuhause hocken. Macht deshalb absolut Sinn für mich. Über Qualität und Notwendigkeit will ich nicht debattieren. Selektion findet automatisch bei jedem statt.

Was denkst du, wie wird sich diese Krise im Nachhinein auf das Clubleben auswirken?

Wohin die Krise uns Klubbetreiber führt, ist ungewiss. Grosse Fragezeichen, aber auch grosse Chancen. Ich denke, wenn wir weniger Partys machen, uns weniger zerstreuen, dann wird’s einmaliger und irgendwie bedeutungsvoller. Ich möchte das für mich umsetzen. Mich lieber auch mit anderen Dingen beschäftigen. Sich mit Menschen abzugeben, die einem ganz neue Impulse geben können. Ich werde mein Leben lang Musik machen und möchte sie dringend weiterhin teilen dürfen. 

Danke für deine spannenden Antworten! Zu guter Letzt, hast du noch etwas zu deinem Mix zu sagen, was du damit ausdrücken oder erzählen willst?

Eigentlich wollte ich sehr funky bleiben, viel neues Eigenes spielen. Hab mich dann aber doch für eine Grundfarbe entschieden, schwebend verträumt melancholisch, mit Auf und Abs und doch mit einer gewissen Dringlichkeit, so hoff ich zumindest! 


Fotos: zur Verfügung gestellt // Evan Ruetsch

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