Raphael, also known as SAAD, ist ein Zürich-Bern-Hybrid und seit einigen Jahren im Gaskessel in der Hauptstadt tätig. Dazu konnte er sich in den letzten Jahren auch immer wieder als hervorragender knöpfchendrehender Typ hinter den DJ-Gerätschaften beweisen. 

Für Unsere Beweggründe war Saad schon vor Wochen mit der ganzen Gaskessel-Crew im Club Dihei vertreten. Nun hat er uns einen 90-minütigen Podcast zusammengemischt und einen Haufen Fragen zu aktuell relevanten Themen beantwortet. 

Gaskessel Crowdfunding
SAAD auf Soundcloud

Viel Spass damit!


Tracklist des Sets

Hoi Raphi! Du wirkst wie ein sehr fröhlicher Mensch, und wer dich kennt, der/die weiss auch, dass du das bist. Dennoch ist dein Künstlername SAAD. Da dieser aber in keiner Weise mit «sad» resp. Traurigkeit verbunden ist, würden dich zuerst gerne fragen, wie du zu diesem Namen gekommen bist.

Warum Saad? Auf arabisch bedeutet Saad soviel wie „Der Fröhliche“ oder auch „Der Hoffnungsvolle“. Ich könnte jetzt erzählen wie unfassbar spannend ich den arabischen Raum finde und was mich damit verbindet. Aber ganz ehrlich? Ich finde den Namen schlichtweg schön. Ausserdem eignet er sich bestens für tausende Wortspiele. Oder genau eines. Sad!

Diese Begründung war jetzt so semi-zufriedenstellend. Vielleicht kannst du aber die zweite Frage genauer beantworten: Wie hat es einen Zürcher nach Bern verschlagen?

Des Finanzausgleichs wegen bin ich vor einigen Jahren von Zürich nach Bern gezogen, wo ich mich von Reitschule und Bundeshaus inspiriert, einem Politikstudium verschrieben habe. Überraschend musste ich feststellen, dass meine persönliche Erfüllung negativ mit der Anzahl abgeschlossener Semester zusammenhing. Suchend nach einem Herzensort, fand mich der Gaskessel resp. «Chessu».   

Das klingt schon fast so, als wäre der Chessu eine Persönlichkeit oder sogar ein guter Freund von dir. Möchtest du uns diesen Freund kurz vorstellen?

Seit vielen Jahrzehnten behauptet sich der Gaskessel Bern als Jugendverein und Kulturzentrum. Unweit der Aare gelegen, werden unter unseren Kuppeln Theateraufführungen geprobt, die nächsten Live-Sets verfeinert, am perfekten Cocktail getüftelt oder die nächste politische Revolution geschmiedet. Von den wenigen reklamierfreudigen Nachbaren mal abgesehen, könnte man schon fast von Idylle sprechen. Wahrlich ein guter Freund.


Das Gaskessel aus der Vogelperspektive

Mit diesem Chessu bist du aber nicht nur gut befreundet, sondern arbeitest auch für ihn. Inwiefern sieht deine Betätigung im Gaskessel aus? 

Im Verein tätig bin ich seit bald drei Jahren. Während ich anfangs eher noch hinter der Bar anzutreffen war, überlasse ich diese nun lieber sympathischeren Menschen. 

Mittlerweile bin ich Teil des Vorstandes, da versuchen wir in langen Sitzungen herauszufinden, wie eine perfekte Welt aussieht, warum der neoliberale Kapitalismus dabei hinderlich ist und was unsere Aktivmitglieder damit zu tun haben. 

Als Resident versuche ich es zudem immer wieder semi-erfolgreich den Tanzenden etwas Freude zu bereiten. «Bro kennsch Solomun?»

Was denkst du, wie wird die Corona-Krise euer Kulturzentrum beeinträchtigen wie versucht ihr damit umzugehen?

Dass die durch Corona bedingte Schliessung des öffentlichen Lebens die Kulturbranche arg trifft, ist offensichtlich. Man braucht die Situation nicht schönreden. Mit jeder eventfreien Woche mehr, wird die Krise für viele Betriebe und deren Angestellten existenzbedrohender. 

Die Solidarität, die in Form der finanziellen Unterstützung bei den Crowdfundings bislang an den Tag gelegt wurde, stimmt mich aber sehr zuversichtlich. 


Eine volle Tanzfläche im Gaskessel – bald wieder Realität?

Siehst du aber auch etwas Positives an der Situation?

Schon immer schufen Krisen auch kreative Energie frei. Ich bin überzeugt, analog zum Corona-Baby-Boom werden wir noch viel früher einen enormen musikalischen Output sehen. 

Da hast du wohl recht! Apropos musikalischer Output, hast du noch ein zwei Worte zu deinem Set zu sagen?

Klar! Emotional richtet sich der Podcast anfänglich diesem ganz eigenen Moment, am Ende des Tages die Skischuhe abzuziehen oder nach Stunden endlich dieses störende etwas aus dem Zahnzwischenraum zu klauben. Der Schluss des Sets ist eher so ein Kieselstein im Schuh. Seit Stunden. Barfuss. 

Tempomässig hielt ich mich an Alain Berset: So schnell wie möglich, aber so langsam wie nötig.

Geiles Zitat zum Schluss danke dir vielmals für das Interview!


Fotos: Zur Verfügung gestellt

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.