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Zum Jahresende beglückt der Luzerner «Stiglitz» unseren hauseigenen Podcast mit Mix Nummero 124. Im Interview verrät der passionierte DJ mehr über seine Person und die Musik, die uns das ganze Jahr hindurch über bewegt hat.

Mit dem Erreichen der Volljährigkeit neigt sich das 18. Jahr dieses noch so jungen Jahrhunderts dem Ende zu. Viel ist geschehen und man merkt die Pubertätsphase unseres Millenniums ist noch in vollem Gange. Stetige Neuerfindung, politisches Tohuwabohu, Sexuelle Selbstfindung mit allen neuen kurlig-kunterbunten Facetten sowie Temperatur- und Stimmungsschwankungen – Langweile und Einseitigkeit scheinen weitestgehend kein Thema zu sein. Eine schöne Anlehnung an unsere noch so junge elektronische Musik – wenn man so will – denn die beiden noch so un-familiären Begriffe prägen diese genau so wenig.

Stiglitz, der mit bürgerlichem Namen Roman Hodel heisst, ist vor kurzem in die Limmatstadt gezogen. Geboren und aufgewachsen ist er in Luzern. Seinen viel nachgesagten jüdischen Wurzeln wird er nicht gerecht. Soweit es ihm bekannt ist, fliesst doch nur Fondue in seinen Adern und kein Hummus. Aber gut lassen wir das mal mit den Stereotypen. Roman ist im Filmemachen zuhause. Selbständig, mit Regie und Kamera. Zwischen all dem Filmen und Musizieren hat er Zeit gefunden, uns einen knackigen Podcast zusammenzustellen und bei einem kleinen Kühlen ein wenig über sich und seine Person zu plaudern.



Vorweg denke ich mal dürfte ein wenig Schulterklopfen angebracht sein, da du nun ja definitiv ein Teil der «Tal der Verwirrung» Familie aus Berlin geworden bist. Wie ist es dazu gekommen?

Wir haben für unsere Partys hie und da Bookings über Tal der Verwirrung getätigt. Eine der ersten Acts waren Billy Caso und RLHBSLCN. Ich habe dann auch ein paarmal mit ihnen in Basel und Berlin gespielt. So führte eins zum anderen. Natürlich ist es fraglich, ob ein DJ wie ich es bin überhaupt ein Musiklabel braucht. Doch über die Jahre hat sich mit den Jungs eine Freundschaft entwickelt, wodurch sich die Frage dann doch erübrigt. Das letzte Mal durfte ich an der «Kater Kaos» Party des Labels im Kater Blau spielen, das war einmalig!

Du stehst seit rund zehn Jahren hinter den Decks und hast viele Zeit davon auch mit deinem Jugendfreund «Bernstein», der aktuell in Berlin wohnt, zusammen gespielt. Es ist anzunehmen das in dieser Dekade doch so mancher musikalische Wandel stattgefunden hat.

Ja, wir haben einiges durchgemacht seit wir auflegen. Von Elektro mit Sachen von Justice, bis hin zu Ben Klock. Es gibt immer wiedermal Einflüsse, die kommen und gehen, wie beispielsweise live Instrumente wie Saxophon, Geige oder in den letzten Jahren die orientalische Musik. Das geht immer so lange bis der Trend in sich zusammenfällt, weil er verbraucht wurde und ihn niemand mehr hören kann. Das Schöne daran ist, dass immer etwas davon die Zeit überdauert und daraus Neues entsteht. So wächst die Bandbreite der elektronischen Musik stetig. Sprich, elektronische Musik wird immer interessanter! Der gemeinsame Nenner bei den meisten neuen Trends ist der Wunsch nach dem Analogen, Menschlichen in der elektronischen Musik. Das zeigt sich schlussendlich nicht nur in der Musik, sondern auch in der Renaissance der Vinylplatte. Unter anderem daraus erklärt sich für mich der Erfolg von Produzenten wie Red Axes oder Chaim. Sie sind dreckig, arrhythmisch und damit nur schwer einzuordnen, also alles was Techno normalerweise eigentlich nicht ist. In diesem Stil hab auch ich meinen Reiz gefunden.

Kommen wir zu deinem Jahr 2018. Das Bucht der Träumer Festival durfte wohl eine grosse Nummer in deinem diesjährigen Kalender dargestellt haben. Wie waren so deine Impressionen?

Es ist ein sehr friedliches Festival, organisiert hauptsächlich von der Rummelsbucht und anderen Crews wie Heimlich aus Wien oder Ram Shakl aus Berlin. Die Bucht ist weniger crazy wie das Garbicz, mit einem Ambiente das restlos überzeugen kann. Vor so vielen Leuten mal spielen zu dürfen war eine unheimlich schöne Erfahrung, insbesondere wenn auch gute Freunde, die mitgereist sind, Teil davon sind.



Könnte mir gut vorstellen das da auch einiges an Vorbereitung in ein solches Set investiert worden ist – wie läuft das so bei dir ab, wie stehst du zu dem Thema?

Ich frag mich immer: um welche Zeit spiele ich, in welchem Klub, wer spielt vor oder nach mir und vor allem was die Erwartungshaltung vom Publikum sein wird. Auflegen ist für mich immer ein Spagat zwischen den Erwartungen und mir dabei treu zu bleiben. Natürlich kann man einfach seine Linie durchziehen und spielen, was einem gefällt. Viel spannender finde ich jedoch, die Leute im Klub an eine Musik heranzuführen, die sie vielleicht am Anfang abgelehnt hätten.

Die Vielfalt unserer Musik lässt viel Spielraum für Neues und Frisches, aber auch sehr Experimentelles. Deine Sets könnte man auch in dieser Richtung einordnen, oder?

Die Inspiration finde ich im Ausgang, an Festivals, beim Austausch mit anderen Menschen und natürlich beim Musikhören. Auch beim Auflegen lernt man stetig dazu. Deshalb ist es wichtig ab und zu die Leute zu beobachten. Gewisse Musik funktioniert in kleinen Klubs, andere wiederum brauchen Raum. Alle paar Monate beginnt mich meine Musik zu langweilen und ich orientiere mich neu. Das ist zum Teil richtig anstrengend, aber sehr spannend und wichtig!

«Alle paar Monate beginnt mich meine Musik zu langweilen und ich orientiere mich neu. Das ist zum Teil richtig anstrengend, aber sehr spannend und wichtig!»

Dein Buddie Bernstein ist ja mit seinen Live-Sets und eigenen Produktionen unterwegs. Wie sieht’s bei dir beim Thema Produzieren aus?

In meinen Augen hat das Produzieren mit dem Auflegen nur wenig am Hut. Es gab eine Zeit um 2011, da erlebte Techno in Luzern einen neuen Aufschwung. Immer wieder haben da auch wir Produzenten gebucht, deren Musik uns gefiel. Es kam nicht selten vor, dass deren DJ-Sets gar nicht speziell waren. Wer gute Musik produziert, spielt nicht automatisch gute Sets und umgekehrt. Heute sieht man das viel differenzierter. Deshalb werden heutzutage oft DJs gebucht, die hauptsächlich für den Sound, den sie spielen, stehen. Zum Beispiel Manfredas, Dixon oder Heimlich Knüller.

Ich vergleiche DJs und Produzenten gerne mit dem/der FilmwissenschaftlerIn und dem/der FilmemacherIn. Der/die eine hat ein breites Wissen der Szene, kennt viele neue und alte Filme, dafür muss er/sie aber nicht zwingend wissen, wie man eine Kamera bedient. Der andere hat vielleicht keine Ahnung, was gerade so in den Kinos läuft, muss er aber auch nicht, denn seine Aufgabe ist es Geschichten zu erzählen.

Vielen Dank an dieser Stelle an Roman Hodel (Stiglitz)! Frohes Neues und «en guäte» Rutsch!

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Bildquelle: zur Verfügung gestellt von Stiglitz

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