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Where the magic happens: In unserer neuen Serie «Zu Besuch im Studio» machen wir uns auf in die Klangtüftler:innen-Stuben von Schweizer Artists. Den Auftakt unserer Serie macht der Zürcher DJ, Produzent, Labelinhaber und Unternehmer Yves Bonjour. Er öffnet uns nicht nur die Türen zu seinem Studio, sondern gewährt uns auch Einblick in sein Vinyl-Cutting und Distributionsunternehmen «Rotary Wax».

Es ist durchaus eine intime Angelegenheit, wenn ein:e Künstler:in Einblick in das eigene Musik-Studio gewährt. Yves Bonjour ist da aber ziemlich gelassen, denn der Zürcher DJ, Produzent, Labelinhaber und Unternehmer weiss um die Kraft des kollektiven Wissens. Yves betreibt seit 2019 das Vinyl-Only Label RELIKT, seit 2021 das Imprint STAR BLAZER RECORDS und ist seit geraumer Zeit als DJ und Produzent aktiv. Ebenfalls seit 2021 führt er sein eigenes Vinyl-Cutting und Distributionsunternehmen namens Rotary Wax. Für Letzteres brennt Yves Tüftler-Herz besonders, denn in Zeiten des digitalen Musikvertriebs hat er sich bewusst und einmal mehr für den analogen Weg entschieden. Wir haben Yves in seinem Studio (Titelbild), das zugleich Gschäftssitz von Rotary Wax ist, im Grossraum Zürich besucht und Einblick in sein umtriebiges Tun erhalten.

Dem warmen Klang einer Schallplatte war der 36-jährige Zürcher schon immer zugetan – doch eine Vinyl zu hören und zu spielen ist das eine – sich dem aufwendigen Verfahren der Herstellung anzunehmen, das andere. Und genau das hat Yves Bonjour getan. Er hat mit «Rotary Wax» sein eigenes Vinyl-Cutting und Distributionsunternehmen gegründet. Ein mutiges Unterfangen, denn die Schallplatten-Branche ist ein schwieriges und unbeständiges Geschäftsfeld. Zwar erlebt Vinyl seit Jahren ein Comeback, dennoch gibt es weltweit wenige Presswerke und Unternehmen, die sich dem zeit- und kostenintensiven Herstellungsprozess annehmen. So hat sich Yves zwar zum einen einer Marktlücke angenommen, andererseits aber auch einer grossen Herausforderung.

Dass sein Unterfangen anfänglich mit vielen Hürden verbunden war, hat der begeisterte Musikenthusiast ziemlich schnell erfahren müssen: «Die ersten Schritte waren sehr anstrengend, wir sprechen hier von Fachwissen, das sorgsam geschützt wird und nicht einfach online abgreifbar ist – teilweise dauerte es Monate, bis ich in Foren Antworten auf meine Fragen bekommen habe», so Bonjour. Unzählige Stunden verbrachte er mit dem Durchstöbern von Plattformen und Websites, las sich tagelang in Manuals ein und suchte nach hilfreichen Kontakten in der Branche. So tüftelte Yves nach Feierabend, an den Wochenenden und in den Ferien und entwickelte Schritt für Schritt die für das Vinyl-Cutting benötigten Maschinen.

«Die ersten Schritte waren sehr anstrengend, wir sprechen hier von Fachwissen, das sorgsam geschützt wird und nicht einfach online abgreifbar ist – teilweise dauerte es Monate, bis ich in Foren Antworten auf meine Fragen bekommen haben.»

Yves Bonjour

Yves hat wahrhaftig viel Ausdauer an den Tag gelegt. Und das hat sich gelohnt, denn heute beherrscht er das seltene Handwerk aus dem Effeff – stets mit einem Lächeln im Gesicht. Nun drängt sich die Frage auf, wie sich der Prozess des Vinyl-Cuttings letztendlich gestaltet. Welche Schritte in ebendiesem Herstellungsprozess finden im Rotary Wax-Studio statt? Welche extern? Ein kurzer Exkurs schafft Abhilfe.


Das Vinyl-Cutting-Verfahren

Grundsätzlich gilt: Im Cutting-Verfahren wird die noch leere Schallplatte, also das Rohmaterial, mit Musik bespielt. Dafür wird der sogenannte ‘Rohling’ auf der von Yves eigens gebauten Maschine (siehe nachfolgende Bilder), die sowohl Dreh- und Schneidevorrichtung ist, montiert. Die Oberfläche der Schallplatte muss nun gerillt werden, um digitale Dateien einzuritzen. Wer schon mal eine Vinyl in der Hand hatte, weiss um das Vorhandensein dieser Rillen.

Im Studio von Yves befinden sich aktuell vier Maschinen, welche das Cutting-Verfahren ermöglichen – diese werden laufend weiterentwickelt (Bild: Aline Fürer)

Die Drehschneidevorrichtung an Yves Maschine verfügt über einen kräftigen Stift mit einer Saphirspitze, also einem Edelstein, und einem Mikroskop. Nach einem Probeschnitt werden die Rillen dann vorsichtig geschnitten. Eine Rille beginnt am Rand der Platte und bewegt sich auf das zentrale Loch zu. Ist das Schneiden der Rillen abgeschlossen, wird die Vinyl nach Fehlern untersucht. Für eine einwandfreie Abhandlung müssen viele Faktoren stimmen: So wird der Rohling unter anderem auf eine bestimmte Temperatur erhitzt und vor Erschütterungen geschützt. Eine Arbeit, die viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung abverlangt.

Der Prozess des Vinyl-Cuttings benötigt viel Fingerspitzengefühl (Bild: Aline Fürer)

In einem nächsten Schritt wird die Vinyl gereinigt, mit einer Silberlösung besprüht und in einen Zinnchlorid-Tank getaucht. Bei der Galvanisierung werden Zinnmoleküle von der Silberlösung angezogen, sodass eine Metallschicht zurückbleibt. Dabei handelt es sich um ein Spiegelbild, bzw. Negativ der Master-Platte, die zum Pressen der eigentlichen Platten verwendet wird. Die Metallversion, die auch als ‘Mutter-Platte’ oder ‘Stamper’ bezeichnet wird, wird von der Platte abgenommen und als Form für die Vinylpressung verwendet. Dieser Prozessschritt findet extern statt.

Bei hohen Temperaturen und enormen Druck wird im Presswerk – ebenfalls extern – dann der Stempel (Stamper) auf das erhitzte Vinyl gedrückt, wobei die Rillen in die Platte gebrannt werden. Schließlich werden die gepressten Schallplatten abgekühlt und auf einen Schneidetisch gelegt, um die Kanten zu glätten. Die Distribution erfolgt in einem letzten Schritt über ein Distributionsunternehmen – in unserem Beispiel «Rotary Wax» von Yves.

Ein spannender und vielschichtiger Prozess, dessen Endresultat trotz der hohen Fehleranfälligkeit in der Herstellung noch heute Musikliebhaber:innen begeistert.


Auch Yves’ Leidenschaft ist ansteckend. Sei es an den Turns, bei der Studio- und Labelarbeit oder beim Tüfteln für «Rotary Wax»: Hier geschieht alles mit viel Herzblut, Kreativität und Geduld. «Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen, als das, was ich mir hier geschaffen habe», so Bonjour. Und doch gibt sich der versierte Musikschaffende nie ganz zufrieden – im positiven Sinne, denn: Die stetige Weiterentwicklung hat sich Yves gross auf die Fahne geschrieben. Aktuell arbeitet er an weiteren Dienstleistungen, die er mit «Rotary Wax» zukünftig anbieten möchte. «Vielleicht kommt irgendwann der Zeitpunkt, an welchem ich hiervon leben kann», träumt Bonjour. Ein Ziel, dessen Erreichung wir Yves definitiv wünschen und mit Zuversicht entgegensehen.

«Vielleicht kommt irgendwann der Zeitpunkt, an welchem ich hiervon leben kann»

Yves Bonjour
Wenn Yves gerade nicht für «Rotary Wax» zugange ist, produziert er in seinem heimeligen Studio Musik oder feilt an seinen Mastering-Skills (Bild: Aline Fürer)

Studio-Steckbrief Yves Bonjour

Wer: Yves Bonjour
Wo: Zürich
Genre(s): Minimal House, House, Dub Techno
Software: Logic
Lieblings-Gear: Roland TR909, Roland SH-101, JUNO
Labels: Rotary Wax (Inhaber)

Yves Bonjour auf Instagram I RELIKT auf Soundcloud I Rotary Wax auf Instagram


Quellen: Yves Bonjour, Rotary Wax

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