Mit einem weinenden Auge haben wir (schon länger) akzeptiert, dass die Street Parade 2020 nicht stattfindet. Deshalb haben wir uns in der Redaktion gefragt: Was fehlt uns am meisten daran?

Ausnahmezustand

Mit der jährlichen Street Parade und dem alle drei Jahren stattfindenden Züri Fäscht sind wir es uns eigentlich schon fast gewohnt und dennoch ist es immer wieder gewaltig. Das ganze Seebecken einer kleinen Weltstadt ist gefüllt mit feierwütigen Menschenmassen, die alle friedlich und harmonisch miteinander feiern. Denn dazu gibt es auch genügend Gründe. Neben Dutzenden Love Mobiles spielen die grössten Techno-Acts auf riesigen Bühnen, und das alles gratis. Fast schon normal für uns, aber eigentlich schon ziemlich aussergewöhnlich.

Von solchen riesigen Bühnen ist die Rede. Hier die Main Stage 2019. (Foto: streetparade.com)

Die komischen Love Mobiles

Kennst du es? Man steht in der Mitte der Quaibrücke und hört den vorbeifahrenden Love Mobiles zu. Ein paar davon kennt man, ein paar überraschen einen sehr positiv und ein paar sind nicht unbedingt spannend. Doch dann passiert es immer wieder, dass gewisse Trucks an einem vorbeiziehen, die uns wirklich nichts anderes als „Altä was zum Tüüfel isch denn das komisches??“ fragen lassen. Eine Antwort dafür gibt’s meistens nicht, aber diese machen die Street Parade aus.

Dutzende Love Mobiles bahnen sich ihren Weg durch die Meute. (Foto: streetparade.com)

Fragwürdige Tänzer*innen

Gleich wie bei den Love Mobiles ist es auch bei den Besucherinnen und Besuchern. Während es gewissen Leuten absolut egal ist, wie sie sich kleiden, so gibt es auch immer die Freundesgruppen mit ihren abgestimmten Kostümen: die Polizistinnen und Polizisten, Supermans, Kätzchen und andere Klischees. Doch dann gibt es auch immer wieder diese einzelnen verdammten Legenden – meist allein unterwegs und über 50 Jahre alt – die mit Ihren Kostümen brutal aus der Menge herausstechen. Wir lieben euch!

Off-Parties

An der Street Parade raven nicht nur rund eine Million(!) Menschen rund ums Zürcher Seebecken, sondern es finden in der Stadt verteilt auch gefühlt gleich viele Off-Parties statt. Diverse Clubs feiern ihre Raves abseits des Getümmels, kaum eine Dachterrasse bleibt von Bierflecken verschont und auch in allen Innenhöfen knallen die Korken. Meistens, so möchten viele behaupten, sind diese Off-Parties fast schon das wahre Highlight der Street Parade. Jedem das seine.

Italien-Urlaub

Nicht alle können es sich leisten, nach Italien in den Urlaub zu fahren. Doch einmal im Jahr ist es umgekehrt: da kommt ganz Italien, abgefüllt in tausenden Cars und Autos, nach Zürich und übernehmen die Innenstadt. Campen am Seebecken, Herumspringen wie in der Hüpfburg, „Schololololooo“ bei jedem Beat und alle Hände in die Luft. Wenn dann noch Marco Carola spielt, guet Nacht am Sächsi.

Lethargy-Sunntig

Die Street Parade dauert halt nur einen Tag, doch natürlich wird das ganze Wochenende in allen Ecken und Winkeln gefeiert. Die legendäre Lethargy-Feier bei der Roten Fabrik gehört natürlich dazu. Und wer weiss, wie Street Parade richtig geht, weiss auch, dass man am Sonntag (oder auch schon ab Samstag) direkt am See in Wollishofen noch einmal den Kater auskontert. Gekonnt!

Die Afterhour am Sonntag in der Roten Fabrik ist legendär. (Foto: Lethargy)

Nörgler

Wie zu Beginn schon angetönt, so ist dieser Riesen-Rave schon so eine Gewohnheit für die Zürcherinnen und Zürcher, dass viele zu cool sind. Von „Hei nei all die Mainstream-DJs, mussimer voll nöd geh“ über „Spinnsch, ich zwäng mich doch nöd i die Menschemasse!“ bis zu „Street Parade söttmer gfälligscht abschaffe“, es gibt sie alle und wir kennen alle welche. Antwort gibts darauf eine ganz eifache: „Musch ja nöd cho, ich finds trotzdem geil“.


In diesem Sinne: Hoffentlich bis im 2021, liebe Strassenparade!

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