Das erste Polaris Festival im Walliser Luxus-Skiort Verbier ist Mitte Dezember über die Bühne gegangen. Das zweitätige Festival, das am Freitag und Samstag stattfand, wurde am Donnerstag mit einem Pre-Event für geladene Gäste eröffnet – wir waren von Anfang an mit dabei und möchten nun einen exklusiven On-Site-Review, direkt aus Verbier, veröffentlichen.

Der Pre-Event des Polaris-Festivals mit dem Namen „Electronic Music Ride“ fand bereits früh morgens statt. So mussten wir und die weiteren Gäste bereits um 10.00 Uhr in Verbier in den Walliser Bergen eintreffen – ziemliche Strapazen von Bern aus und wenn man selten vor 10.00 Uhr aufsteht… Egal, von dort ging es nach einer kurzen Aufwärmphase im Hotel direkt auf den rund einstündigen Weg auf den Mont-Fort. Ein Weg den ich früher auf Skiern antrat und als Belohnung dann kilometerweit weit den Berg runterfahren durfte – egal, denn auch uns erwartete ja eine tolle „Belohnung“: ein 3-stündiges Vinyl-Only-Set von Luciano an dem rekordverdächtigen Boiler Room auf der kleinen Plattform auf der Bergspitze.

Boiler Room - Luciano

Der ganze Event war top organisiert, ohne langes Warten auf eine Gondel oder Weiterfahrt kam man oben auf dem Berg an. Einmal oben – bamm – ein unglaubliches Bergpanorama, das sich rund um den Austragungsort erstreckt und einem bei der persönlichen Erstbesteigung wohl noch mehr umhaut als mich. Nachdem wir uns langsam an die dünne Bergluft und die Eiseskälte gewöhnt haben, stellten wir mit Schrecken fest: Kein Hierbas (auch nicht on ice) – egal; es war dann soweit: Der zweite Boiler Room Switzerland wurde anmoderiert und Luciano begann – mit einer Walliser Mütze auf dem Kopf – die Platten zu drehen. Obwohl bei der eisigen Kälte viele etwas eingefroren waren, ging es nicht lange und eine tolle Stimmung kam auf: Lauter Gleichgesinnter, teils mit Skiausrüstung, teils ohne, teils im T-Shirt (für mich nicht nachvollziehbar) auf dem Walliser Berg am Tanzen und Feiern…

Leider waren die drei Stunden, als die Kälte langsam nicht mehr gefühlt wurde und die Stimmung schon Richtung Clubatmosphäre  ging, dann rasch vorbei – während der langen Abfahrt zum zweiten Teil in der Bar Le Rouge in Verbier ging die Partylaune wieder etwas zurück. Dafür blieb genügend Zeit sich mit den anderen Gästen zu connecten, sodass man am nächsten Standort schon mit einer ganzen Gruppe Leute zusammen unterwegs war und sich ziemlich schnell jeder kannte, der sich nicht schon lange vorher in irgendeinem Schweizer Club, in Berlin oder Ibiza über den Weg gelaufen ist.

Im Le Rouge hatten nach Luciano, als es langsam dunkler wurde, Mirko Loko und Cesar Merveille die Ehre und verzückten die randvolle Bar bis zur Abendessen-Zeit mit einem grandiosen Set. Zurück im wunderbaren Hotel (Club & Bar) La Farinet gab es im Anschluss nach einer warmen Dusche ein Flying-Dinner begleitet von gemütlichen Sounds einer lokalen DJane – An der Stelle sollte man allenfalls erwähnen, dass es langsam 20.00 Uhr ist und seit 11.00 Uhr morgens non-stop getrunken wurde – das Ende des Hotel-Raves verantworteten die Berner Jungs von Round Table Knights und liessen die Meute bis in die frühen Morgenstunden tanzen. Ende Tag 1 / kleiner Filmriss.

Le Rouge

Tag 2 begann mit einem der übelsten Kater ever und so wurde der Festivalbeginn etwas verschlafen – zu spät, aber noch rechtzeitig zum Set von Carl Craig schafften wir es auf den Berg – die Auffahrt zum Austragungsort des Festivals, Le Mouton Noir, auf 2200m war aber deutlich einfacher als am Tag zuvor auf den Mont-Fort und auch nur eine Gondelfahrt von Verbier aus entfernt.

Oben angekommen fand man sich leicht zurecht und konnte bald in die grosse Festhalle eintreten. Ein unglaubliches Ambiente in einem verglasten Tanztempel mitten in den Bergen und eine unglaubliche Stimmung erwarteten einem zu einem tollen Set von Carl Craig, dem ein dreistündiges „Intro“ von den Mountain People vorausging.

Polaris Festival

Es gibt viele Kriterien, die ich persönlich an ein Festival stelle und die selten alle zufriedenstellend befriedigt werden: Soundqualität, Ambiente, Location, Stimmung / Leute, Line-Up, Licht / Deko sind dabei sicherlich die wichtigsten. Die Soundqualität war top, das Ambiente war schon alleine durch die tolle Location mitten in den Bergen gegeben. Übers Line-Up braucht man nicht weiter reden und was wirklich fantastisch war, ist die Stimmung. Sehr familiär, man hatte das Gefühl jeden der über 1000 Gäste zu kennen, ausgelassen, ausufernd und wohl-beschwipst. Man merkte, dass viele Leute aus „der Branche“ anwesend waren und man sich einfach sehr wohl und gut aufgehoben fühlte…

Nach zweistunden Carl Craig musste dieser sich auf den Weg nach Zug machen, wo er am darauffolgenden Tag den Club Galvanik bespielte – es übernahm Luciano für die letzten dreistunden des ersten Festivaltages auf der Hauptbühne. Nach dem Erlebnis am Vortag war es schön, Luciano’s Set bei angenehmer Tanztemparatur zu geniessen – so erschien es auch vielen anderen ergangen zu sein denn die Stimmung kochte rasch über – erneut drei Stunden Luciano non-stop, in denen es auch in den Breaks nicht ruhig wurde sondern die Crowd weitertobte. Toll.

Polaris Festival

Nach Abschluss von Luciano’s Set ging es in drei Locations, unten in Verbier weiter – zum einen auf der 20 Minuten Stage, direkt an der Talstation bis 01.00 Uhr morgens, sowie in den beiden Clubs „Etoile Rouge“ und „Carve Club“ in denen unter anderem Andrea Oliva, Mr Mike und Disco Channel an den Decks standen – davon bekamen wir aber ehrlich gesagt nur noch mittelmässig viel mit – liessen uns aber sagen, dass auch diese Side-Events sehr gut waren.

Nach den freudigen Strapazen entschieden wir uns spontan eine weitere Nacht in Verbier zu verbringen – ein teurer Spass, auch in einem spartanisch aber hübsch eingerichteten 3*** Hotel. Leider riefen am nächsten Tag Verpflichtungen in Bern, so dass Laurent Garnier & Seth Troxler ungehört blieben. Feedbacks von Kollegen aus erster Hand bestätigen aber, dass es Garnier erneut gelungen sei, das Publikum auf eine für ihn typische „Set-Reise“ mitzunehmen und mit einem Feuerwerk im ausverkauften Mouton Noir abzuschliessen – Der Vollständigkeit halber ist hier noch zu erwähnen, dass der offizielle letzte Event des Festivals der Brunch am Sonntag war, wo ein letztes Mal vor dem Bergpanorama im Le Rouge in Verbier gefeiert und gegessen werden konnte.

Zum Abschluss dieses Reviews über den zweiten Schweizer Boiler Room am „Electronic Music Ride“ und dem ersten Polaris Festival in Verbier lässt sich ein Fazit ziehen: Das Polaris ist ein toporganisiertes Festival mit Liebe zum Detail und viel Spirit und sehr professionellen Machern im Hinter- und Vordergrund. Es wird eine Fortsetzung geben – psst, bereits im Sommer – und dieses Review wird auch noch um einen letzten Teil ergänzt und zwar mit einem Interview mit Mirko Loko, Mitglied von Lucianos Cadenza-Familie sowie einer von drei Mitgründern des Polaris Festivals.

See you there!

www.polarisfestival.ch

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