Seit vielen Jahren organisiert DJ und Promoter Zig Zach Partys in Singapur. Mit Roman Flügel brachte er Anfang November einen der ganz Grossen nach Südostasien.

Auch bekannt als die sauberste Stadt der Welt, in der sogar Kaugummi kauen illegal ist, hat Singapur nicht gerade den Ruf als Technohochburg. Verirrt man sich doch mal in den ein oder anderen Club läuft da David Guetta, für Frauen gibt’s Open Bar und beim Kauf von zwei Flaschen Wodka für 220 Franken sogar einen Tisch mit Kühler. Natürlich nur insofern man sich passend kleidet und am Eingang nicht aufgrund seiner Birkenstocks abgewiesen wird. Eine „Underground“-Szene gibt es in Singapur aber trotzdem. The Council zum Beispiel bucht international bekannte DJs wie Noir, Rey & Kjavik oder Charlotte de Witte. Doch leider ist das einer der einzigen Clubs, nachdem viele Locations in Singapur schliessen mussten.

Eine Partyreihe für mehr Abwechslung

Dieser Partymonotonie wollte der lokal bekannte DJ Zig Zach etwas entgegensetzen und organisiert seit drei Jahren House und Techno Events in Singapur. Die Locations dafür sind immer einzigartig: gefeiert wurde zum Beispiel auf einem chinesischen Segelboot, in einem stillgelegten Elektrizitätswerk oder auf einem alten Gefängnisgelände. Vor mehr als einem Jahr startete Zach dann die Partyreihe Escape 56. Für das zweite Event unter diesem Namen buchte er keine geringeren als Kristian Beyer, auch besser bekannt als Âme (Innvervisions/Berlin). Mit einem DJ Duo, welches zu den Top 10 DJs ihres Genres zählen, war die Party ein voller Erfolg. Für die nächste Ausgabe im März diesen Jahres lud Zach Dori Sadovnik und Niv Arzi als Red Axes ein. Die zwei Jungs aus Tel Aviv spielten bereits in vielen Clubs weltweit, hatten durch Escape 56 jedoch endlich ihr Debut in Südostasien. Für die dritte Party Anfang November wurde Roman Flügel eingeflogen. Der 47-Jährige ist einer der Grössten der deutschen elektronischen Musikszene. Seit den 1990ern ist er als DJ und Produzent aktiv. Grosse Erfolge verbuchte Roman Flügel zusammen mit Jörn Elling Wuttke, mit welchem er seit 1990 unter anderem als Alter Ego auftritt. Ihr Track „Rocker“ von 2004 ist Techno-Geschichte. Flügel trat mit vielen Pseudonymen in Erscheinung, seit 2009 bevorzugt er es jedoch unter seinem Geburtsnamen aufzutreten.


03112017_Escape56_Colossal107_Watermarked


Jägermeister und Red Bull-Shots

Für die Party organisierte Veranstalter Zach eine Lagerhalle als Location. Die machte schon von aussen gut was her, das Gebäude betrat man über eine Rampe und einen Warenaufzug. Innen unterschied sich die Einrichtung jedoch etwas von unserer Vorstellung von „Underground-Party“. Im Aufzug und am Eingang gab es eine Ausstellung von Colossal Photos, welche Fotografien von kommerziellen Festivals und Konzerten zeigte. Leider ging das Ganze etwas unter auf dem Weg zur Kasse, an welcher man sein schwarz-orangenes-VIP-Jägermeister-Bändchen abholen konnte; einen Redbullshot gab’s gratis dazu.


03112017_Escape56_Colossal060_Watermarked


Viele Laser und ein Buddha-DJ

Der Dancefloor wurde dominiert von leuchtenden orangenen Jägermeisterköpfen, einem Buddha-DJ in Neonfarben an der Wand und unzähligen grünen Lasern, die die Halle durchfluteten. Getränke bekam man nur über eine App, ergo wer kein Smartphone hatte, konnte auch nichts trinken. Auch die Preise waren nicht gerade underground, ein kleines Bier gab’s für 10 Franken, einen Shot für 6, aber das ist Durchschnitt in Singapur.


03112017_Escape56_Colossal007_Watermarked


Local DJ Yahin Moda spielte das Opening-Set


03112017_Escape56_Colossal011_Watermarked


Grosses Finale

Trotzdem anfänglichen Clubkulturschock mit hüpfenden, klatschenden und pfeifenden Menschen ging’s dann doch noch recht ab. Zu verdanken war das Roman Flügels beeindruckendem Dreistunden Set, mit welchem er seinem Singapur Debut alle Ehre machte. Treue Fans kamen mit bewährten Klassikern aus seiner Musikkarriere ebenso auf ihre Kosten wie Anhänger neuer Acid-Tracks. Mit seiner musikalischen Vielfalt brachte der Frankfurter auch die Skeptiker unter uns zum Tanzen. Getrübt wurde die Stimmung allein dadurch, dass hin und wieder plötzlich das Licht anging, die Securitys auf den Dancefloor erschienen, um die Gäste, die aus der Reihe tanzten, hinauszubegleiten. Naja was soll’s, kurze Pause und weiter ging’s. Immerhin gab’s danach weniger Angehüpfe.


Roman Flugel sick shot 2


Facebook: Escape 56


Anzeige

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.