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Ein DJ mixt im Club einen Song nach dem anderen und erhält dafür meistens haufenweise Geld. Für viele ist das unverständlich, doch eigentlich macht es absolut Sinn.

Die meisten lokalen Discjockeys in Zürich bekommen für einen Auftritt mehrere hunderte Franken. Der Stundenlohn ist also auf den ersten Blick betrachtet ein unglaublich vielfaches eines normalen Lohnes, so wie wir ihn alle kriegen. Doch natürlich steckt einiges mehr an Arbeit dahinter.

Auch wenn es gewisse Festivals und Parties auf dieser Welt gibt, auf denen nur Spotify oder Beatport Top 20 Songs in Dauerschlaufe zu hören sind, so ist das in den meisten Fällen natürlich ziemlich anders. Nicht dutzende, nicht hunderte, sondern abertausende von Stunden verbringt ein DJ mit dem Durchstöbern sämtlicher auch nur erdenklichen Orten nach den perfekten Tracks. Hat er diese Stücke gefunden, dann muss er sie auch noch kaufen – natürlich aus eigener Tasche. Weil ernsthaft, DJs, die ihre Musik illegal herunterladen, sind nicht als DJs zu bezeichnen und werden deshalb von dieser Schilderung ausgeschlossen.


Platte für Platte für Platte – die Suche nach der richtigen Scheibe kann richtig lange dauern


Auch hier reden wir aber nur von einem Teil der DJs, nämlich jene, die mit digitalen Mitteln ihre Arbeit verrichten. Dazu gab es, gibt es und wird es auch immer jene Plattendreher geben, die eben genau mit der guten alten Schallplatte arbeiten. Jetzt sei dieser obenstehende Absatz einmal in den folgenden Kontext gesetzt: Statt im Internet zu suchen, muss jedes Mal der Weg in den Plattenladen auf sich genommen werden. Statt wenigen Franken für mehrere Tracks gibt’s mehrere Franken für wenige Tracks (von welchen im schlimmsten Fall auch nur einer gut ist). Aufwand und Kostenpunkt schiessen hier durch die Decke.

«Ich habe jetzt genug Musik, um aufzulegen» gibt’s nicht. Es ist ein laufender Prozess, der niemals endet. Denn Trends wandeln, ein Musikgeschmack ändert sich, die Szene verändert sich und es gibt immer wieder neue absolute Banger (was an dieser Stelle für einen unglaublich guten Track steht). Deshalb wächst die Mediathek oder das Plattenregal weiter und weiter und der Aufwand und die Kosten nehmen zu.

Doch neben der Musikbeschaffung gibt es wohl noch andere tragende Aspekte. So wäre dies auch die Vorbereitung auf die Sets. Dies kann mehrere Stunden beanspruchen. Denn, man stelle sich das vor, ein DJ nimmt nicht einfach die gleichen Platten oder die gleichen Sticks mit, egal wann, wie und wo er spielt. Nachdem er sich mit den vor und nach sich spielenden DJs beschäftigt, die Grösse der Location und die Playtime in Betracht gezogen und den Vibe des Publikums eingeschätzt hat, geht es an die Selektion der Tracks. Welche passen etwa zusammen, welcher kann in welchen Situationen gespielt werden, und noch viele weitere Gedanken, die sich wohl in jedem Kopf ein wenig anders abspielen.

Die Vorbereitung eines DJ-Sets kann oft länger dauern, als das Set selbst lang ist

Naja, wenn du gleich an der Langstrasse wohnst, dann hast du dieses Problem nicht. Sonst kommt auch noch eine Anreise (und das Mitschleppen des Plattenkoffers) dazu. Während sich nun alle schon längst irgendwo betrinken und sich langsam auf der Tanzfläche einfinden, so bleibt der DJ noch (einigermassen) nüchtern und beobachtet den Verlauf des Abends. Ein DJ mit langjähriger Erfahrung könnte an dieser Stelle sicherlich noch haufenweise weitere Punkte der Vorbereitung aufzählen, aber die essenziellsten sind wohl abgedeckt.

Wenn mal die Mutter der auflegenden Person spontan in den Club kommt und winkend in der vordersten Reihe stehen würde, dann bliebe das wohl lange unbemerkt. Denn DJs schauen generell nicht stundenlang nur auf ihre Geräte, weil es cool aussieht, sondern weil sie das müssen. Auch wenn hunderte Personen im Club ein riesiges Gaudi haben, so müssen gewisse Leute arbeiten.


Vier Augen und vier Ohren mit absolutem Fokus auf die Musikgerätschaften


Zwei oder mehrere Stunden voller Konzentration und Druck. Denn ein guter Übergang bleibt den meisten unbemerkt, ein schlechter belächelt jeder. Eine schlechte Trackselection führt zu einem leeren Club, eine gute wird oft als Standard betrachtet. Nur wenigen fällt ein gutes Set auf, doch mit einem schlechten kann man sich ziemlich schnell den Namen verderben.

«Alte, häsch die zweihundert Stutz jetzt eifach übercho, zum die beide Stunde chli uflegge? Verdammts Schoggilebe, ich wird glaub au DJ!»


Fotos: Manuel Fischer // Vintage Vinyl Events

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