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Er ist überall. Im Gesicht, an den Beinen und Armen – kaum eine Gliedmasse des menschlichen Körpers bleibt von ihm verschont. Im Sommer hat er Hochsaison, dann, wenn an Festivals und Partys mehr Haut als Stoff zu sehen ist: Der Glitzer. Und ich frage mich: WIESO? Lässt es sich damit besser Feiern? Dauert das Bemalen der Extremitäten länger als die Party selbst? Hat der Glitzer nebst seiner Deko-Funktion einen tieferen Sinn? Ist meine Skepsis gegenüber Glitzer überhaupt berechtigt? Oder bin ich einfach auf den falschen Partys? Eine Kurz-Auseinandersetzung mit mir selbst.

Neulich war ich Feiern und da gab es diesen einen Stand, an dem man sich mit bunten Farben bemalen lassen konnte. Zwischen den zahlreichen Essens- und Getränkeständen bildete sich vor ihm die längste Schlange. Während sich hinten neue Interessenten einreihten, kamen mir von vorne pastellfarben-bemalte Körper und mit Glitzer übersäte Gesichter entgegen. Ganze Ornamente zierten deren Backen und ich fragte mich, wie sie wohl die nächsten Stunden lachen werden, ohne dass die ganze Fassade abbröckelt. Und obwohl es mir hätte egal sein können, nervte es mich unglaublich. Warum zum Teufel macht Mann und vor allem Frau das? Was sollen diese ganzen Burning Man- und Coachella-Aufmachungen? Etwas Neues ist es ja grundsätzlich nicht, die Körperbemalung existiert in der menschlichen Geschichte bereits seit Urzeiten. Und trotzdem nervt es. Es sollte doch um die Musik gehen und der Umstand, dass dies an besagtem Tag bei so vielen Besucherinnen und Besuchern nicht der Fall zu sein schien, machte mich wütend.

Vielleicht muss ich mich mit der Tatsache anfreunden, dass Partys oder Festivals immer mehr als Rundherum-Erlebnis gestaltet werden. Und um dieses Erlebnis zu bieten, scheint die Musik – als elementarer Bestandteil einer Party – alleine nicht mehr auszureichen. Sehen und gesehen werden – am liebsten auch online und da ist es dann schon lässig, wenn das Instagram-Foti noch einen Glitzer-Touch hat. Ich will ja nichts dagegen sagen, dass man sich hübsch macht, schön anzieht und den Tempel Körper für den Party-Olymp auf Vordermann bringt. Das tue ich ja auch – sogar gerne. Aber für mich gibt es da einen elementaren Unterschied zwischen: Ich mache mich hübsch, damit ich mich wohl fühle und dann ist gut – Und zwischen: Ich mache mich hübsch, damit ich mit meiner (Glitzer-)Aufmachung auch ganz sicher ein tolles Foti kriege. Und Resultat dieser Schwarmdummheit ist ja dann: Alle sehen gleich aus. Und hier genau liegt der Punkt: Dieses ganze oberflächliche Getue killt doch den Vibe einer Party? Und während ich diese Zeilen nochmals lese merke ich, dass vielleicht ich diejenige bin, die oberflächlich ist oder etwas nicht verstanden hat. Vielleicht steht es mir gar nicht zu, mich darüber zu äussern und vor allem zu ärgern. Wir haben ständig das Gefühl, zu allem und jedem eine Meinung haben zu müssen, doch das können wir nicht.

Fakt ist, der elektronische Zirkus ist gross geworden und somit auch kommerziell. Es gibt verschiedene Intentionen Feiern zu gehen. Meine ist die Musik, des anderen das Rundherum, die Menschen. Und ja, vielleicht sind heute gewisse Dinge anders. Und ja, es gibt immer Ausweichmöglichkeiten – aber mit allem anfreunden muss und will ich mich nicht. Denn: Etwas Sorgen mache ich mir noch immer.


Fotos: Nicht vorhanden, weil nicht nice.


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