Vom 7. bis 11. Dezember 2017 fand das Polaris Festival 2017 statt. Im Rahmen unserer Medienpartnerschaft schickten wir unser Redakteur-Fotografin-Pärchen in die Walliser Berge, ins malerische Verbier. In bebilderten Worten fassen Dino Dragic-Dubois (Text) und Mahalia Aura Haberthür (Foto) die Geschehnisse der dritten, ausverkauften Polaris-Edition zusammen.

© für sämtliche Fotos: Mahalia Aura Haberthür (UBWG; Die Nomalie. Kreativbüro). Das vollständige Album der Polaris-Impressionen 2017 gibt’s hier.


Ein altüberliefertes chinesisches Sprichwort besagt, dass ein guter Festival-Review Zeit zum Reifen braucht. Ähnlich wie ein guter Wein, dessen Bouquet sich erst mit den Jahren, nach reiflich Nachreife in der Flasche, vollendet. Eine schöne Ausrede, obgleich ungeprüft. Doch seien wir ehrlich: der vergangene Dezember mit seinen ausschweifenden Festen und den darauffolgenden Mietze-Katern, machte es schier unmöglich, den Review dieses wiederholt bezaubernd schönen Festivals in lesbare Worte zu fassen. Nun, nach dem Dezember und überstandenem Neujahrs-Kater ist es aber soweit: Le voilà, der ungekürzte Review zum Polaris Festival 2017 in ganzer Pracht.

Für all diejenigen, die auch im neuen Jahr besseres zu tun haben, als sich diesem Review in voller Länge zu widmen, gibt’s die Management Summary in Fazitform vorweg:

„Alle guten Dinge sind drei. Obwohl das Polaris Festival sich schon bei den vorangehenden beiden Ausgaben über Ausverkauf freuen durfte, ging auch die dritte Ausgabe – wenn auch mit einer guten Portion Unvorhergesehenem – über die Bühne. Die Menschen hatten Freude und es zweifelt kaum einer daran, dass die Polaris-Macher es im nächsten Jahr gleich tun werden. Ein hochpotentes Line-Up, das nicht nur ticketverkaufende Big Names, sondern auch Szenegrössen, die so manch einem Cüpli-Raver unbekannt sein dürften, ins schmucke Verbier holt. Merci Polaris, bis Ende dieses Jahres.“

Bevor wir nun Tag für Tag in Bild und Prosa reviewen, gibt’s zur Auflockerung einige Stimmen aus dem Off. So haben wir wahllos eine Raverin nach ihrem Urteil zum Festival gefragt, ihr folgen die Rückmeldungen von Hierbas-Tizi und Princess P.-Muriel.

Nadine L. *: „Am Freitag war ich zu besoffen, da kann ich mich kaum noch an was erinnern. Die Musik fand ich super. Job Jobse hat mich begeistert – die einzig noch greifbare Erinnerung an den Freitag. Am Samstag oben im Zelt war Larry Hear mit dem singenden Typen hammergeil und dann Opuswerk an der „After“. Die Stimmung war mega, auch die Leute waren angenehm, nicht zu jung und gut gelaunt trotz Schweisswetter. Das wär’s wohl. Ach ja, man musste nirgends lange anstehen (Bars) – nicht selbstverständlich für ein ausverkauftes Festival.“ * Name der Redaktion wohl bekannt

Princess P.: Unglaublich gefreut habe ich mich endlich Larry Heard & Mr White live zu hören, der perfekte Einstieg in ein eingeschneites Wochenende in den Bergen. Mein Warmup für Young Marco, der auf sich warten liess, da auch er im Schnee steckenblieb, war wohl das einzige Vinyl-Only Dj Set am Festival. Obwohl die Nadel nicht immer in der Rille blieb, glückte das Set einigermassen. Fazit: Ein trotz schwierigen Wetterumständen gut organisiertes Festival, das sich eher an einem „Cüpli“ trinkenden Publikum orientiert.

Tiziano Donvito (Hierbas): Polaris rules! Selected line up, deep sound, no kids, enough Hierbas Ibicencas and different pre and after parties! Full package rating: ToOop!


Day o | Electronic Music Ride #EMR2017

EMR Polaris

Day 0 aka Electronic Music Ride. Für mich als notorischen Spätaufsteher beginnt das Polaris immer mit einem kleinen Opfer: Ich muss saufrüh aufstehen, um gegen 10.00 Uhr in Verbier anzukommen. Müde von der Reise bezogen wir unser riesiges Chalet. Wir fanden es, als bereits alle AirBNBs und Hotels ausgebucht waren zufällig: Ein Holländer, der auch noch drei Jahren Polaris das Gefühl hat Anfang Dezember sei OFF-Season, vermietet das schmucke Stück Wohnung gleich neben der Station Médran zu einem (für Verbier) lächerlichen Preis. In der Hauptsaison, die während dem Festival unbestritten herrscht, wäre das Chalet um den Faktor 5 teurer; aber bereits der doppelte Preis wäre unbezahlbar. Wohnungsglück! Endlich angekommen erfahren wir, dass die Lecture mit Bill Brewster aufgrund Krankheit ausfällt – uns wars grad‘ recht, denn so blieb ein bisschen Zeit zum Erholen vor dem Essen im Chalet d’Adrien. Dort erlebte ich erstmals Teller-Service in Sachen Raclette: Wife Kellner brachten wiederholt jeweils eine Runde Mini-Kartoffel mit einem Raclette-Chäsli. Dazu gab’s ein Walliser-Plättli. Wunderbar – obgleich es eine Weile dauerte, bis man satt wird. Die Aussicht war blendend, die Sonne strahlte und blendente ebenso. Musik gab es auch – wenn auch für einen sonnigen Dinner-Nachmittag zu gefühlslos in meinen Augen. Vorbildlich sparten wir uns am Day 0 die Kräfte und liessen die Partynacht schlafend an uns vorbeiziehen.


Day 1 | Seth Troxler, Luciano, Butch, César Merveille

Luciano Polaris   Butch Polaris

Freitag. Day 1. Name-Dropping auf 2200 m. ü. M.: Seth Troxler, Butch & Luciano zieren das Tagesline-Up im Mouton Noir. Zu Seths Set fallen mir nicht viele Worte ein ausser: ziemlich Standard. Butch überzeugte erwartungsgemäss und auch Luciano bewies – in einer rammelvollen DJ-Booth – dass er ein Händchen für die Gäste an „seinem“ Festival hat. Furore! Als ich nach dem Besuch der Hauptbühne wieder am Laptop sass, erhielt ich eine Einladung zu einem Jazz-Ambient-Set von César Merveille in einer edlen Cocktailbar – mit, wie sich später herausstellten sollte – sehr humanen Preisen (No Joke!): dort angelangt, traf man auf wenige, doch bekannte Gesichter. Spatz und Jules sowie der Herr Konsul waren anwesend. César spielte im Sitzen auf einer gemütlichen Couch. Wie ich kurz darauf erfuhr, spielte er in seinen Geburtstag herein. Wir stiessen an und Mali liess sich vom britischen Barkeeper eine Cocktail-Eigenkreation zusammenstellen. Aufgrund angeschlagener Gesundheit, liessen wir auch am zweiten Tag die wilden Partynächte in den Clubs Verbiers aus.


Day 2 | Larry Heard aka Mr. Fingers, Kalabrese & Jimi Jules

Mr Fingers Polaris Jimi Jules Kalabrese Polaris

Auf das Programm am Day 2 war die Vorfreude besonders gross. Wie am Vorabend den Herren Kala & Jimi versprochen, trafen wir fast pünktlich zum Start ihres Intro-Sets im Mouton Noir ein. Ein wunderbares Set, dass aufgrund der angesetzten Playtime leider viel zu wenige Ohren fand. Später übernahmen Larry Heard aka Mr. Fingers mit Sänger Mr. White die Booth. Eine unglaubliche, berührende Performance und generell ein seltenes und einzigartiges Erlebnis. Ich war gerührt! Weniger happy war ich über den darauffolgenden Abstieg ins Tal – aufgrund dringender Nahrungsaufnahme für meine bezaubernde Fotografin. Für ein Fast-Food-Essen verpassten wir das Set von Omar-S. Schade!

Traurigerweise fühlte ich mich gesundheitlich nach wie vor nicht prächtig, weswegen wir eine kleine Verschnaufpause „zu Hause“ einlegten. Leider fielen wir in einen mehrstündigen Tiefschlaf und wachten erst auf, als das Set von Muriel (Princess P.) bereits durch war. Shame on us! Muriels Warm-Up für den verspäteten Young Marco war aber wunderbar – diese Vorahnung bestätigt auf jeden Fall UBWG-Autor Dominik in seinem Review fürs Groove.


Day 3 | Praslesh, Nina Kraviz

Nina Kraviz Polaris Praslesh Polaris

Day 3. Der dritte und letzte Tag begann gut – nicht nur, weil ich mich endlich munter fühlte, sondern weil wir uns noch eine zusätzliche Nacht im Hotel gegönnt haben. So hatten wir einen schönen Festivaltag inklusive Party all night long vor uns. Früh an der Talstation angelangt und hungrig aufs Set von Leon Vynehall trafen wir an der Médran-Station auf Yannick, einen weiteren UBWG-Redakteur, der vor Ort war (btw: in löchrigen Jeans bei Minusgrad!). Er berichtete, dass der letzte Festivaltag auf der Hauptbühne – u. a. mit Nina Kraviz – wegen der massiven Schneefälle abgesagt wurde. Wir konnten es nicht fassen. Auch ein Anruf bei der Presseabteilung half nicht weiter – die Hauptbühne abgesagt und die Veranstalter händeringend am Lösungen suchen. Bevor wir uns richtig ärgern konnten, erfuhren wir, dass sogar Grossteile der Autobahn vom Schnee blockiert waren. Gäste, die für den letzten Festivaltag anreisten, schafften es nicht mehr nach Verbier. Andere versuchten am Sonntag nach Hause zu fahren und standen ein paar Stunden später wieder an der Gondelstation: keine Züge fahren, die Strassen sind gesperrt. Eine Berner-Kollegin meinte: „Ein Kindheitstraum geht in Erinnerung. Ich wollte schon immer mal irgendwo eingeschneit sein.“.

Also machten wir es uns verbierkonform mit einer Flasche Champagner im Hotel gemütlich, bis die Settime von Praslesh anbrach. Da wir wie so oft etwas spät dran waren, war es um die raren Garderobenplätze im überbewerteten Le Farinet bereits geschehen. Wir konnten zwar den Groove fühlen, einzelne Fotos knipsen und rasch mit unserer Berner-Kollegin aufs „Eingeschneit-sein“ anstossen, ehe wir uns den Weg aus der in Ravestimmung verfallende Hotel-Lounge bahnten. Etwa zeitgleich erfolgte die Meldung, dass Nina Kraviz heute trotzdem spielen wird. Und zwar gleich unten im „Keller“ unseres Hotels, das wir zufällig für die zusätzliche Nacht ausgewählt hatte. Glück im Unglück. So begaben wir uns zeitig ins Le Rouge, mit Presseausweisen wedelnd an einer Monsterschlange vorbei.  Der Loungeclub begrüsst einem mit abgeschlossenen Kühlschränken voller Kaviar und Dom Perignon-Flaschen . Mirko Loko spielte das Intro für Nina. Ich fragte mich, ob sich Nina musikalisch der Umgebung anpassen oder wie bereits kritisiert ihr Ding durchziehen wird. Ich hatte meine Zweifel! Doch die Dame servierte proper house vibes und schien tatsächlich ihren Spass zu haben. Ein schönes Erlebnis – auch wenn einem bei den Bierpreisen (15.-) und einem Gros der anwesenden Gäste eher zum Weinen als zum Feiern zu Mute war.

Im Verlauf des feuchtfröhlichen Abschlussabends trafen wir erneute auf unsere Polaris-Bekanntschaft Oktay, den wir seit der ersten Ausgabe jedes Jahr wieder in Verbier antreffen. Er stellte uns Raf vor – dem Mitgründer vom Festival – mit dem ich zwar seit drei Jahren Kontakt pflege, ihn aber noch nie persönlich traf. Es folgte eine ausgedehnte Session in unserem Hotelzimmer – doch von hier an sind die Geschichten nicht mehr für die Öffentlichkeit gedacht…

Es bleibt zu sagen: Merci Polaris, es ist immer wieder eine Freude! Bis im nächsten Jahr!



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