Impressionen Format Store (Bild via UBWG/Aline Fürer)

Drei Jahre «Format»: Vom Feuerwehrwagen zum Zürcher Treffpunkt für Vinyl und Bücher

Max und Klaus gehen aus

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Was einst auf vier Rädern durch Zürich rollte, ist längst sesshaft geworden – und trotzdem in Bewegung geblieben. Vor drei Jahren eröffneten Lena Schwarz und Matteo Scalas ihren ersten Concept Store im Kreis 3. Ihre Idee: ein Ort, an dem Vinyl, Bücher, Kunst, Naturwein und Musik nicht einfach nebeneinander existieren, sondern miteinander in Dialog treten. Heute, drei Jahre später, ist «Format» an der Geroldstrasse 11 zu Hause und hat sich längst zu einem festen Bestandteil der Zürcher Kultur- und Musikszene entwickelt.

Angefangen hat die Geschichte von Format allerdings etwas weniger sesshaft. Noch bevor das Projekt eine Adresse hatte, waren die beiden ambitionierten Initianten Lena Schwarz und Matteo Scalas mit einem umgebauten Feuerwehrfahrzeug unterwegs. Der mobile Record- und Book-Store war Verkaufsfläche, fahrende Schatzkammer und Begegnungsort zugleich. Während Scalas sich um die musikalische Auswahl kümmerte, widmete sich Schwarz Büchern und Magazinen. Im Sortiment: handverlesene Vinyls zwischen Funk, Soul, Jazz, Disco und Electronica, dazu Zines und Bücher, die mindestens so viel Neugier weckten wie die Plattenkisten.

Mit dem ersten eigenen Laden kam 2023 der nächste Schritt. An der Zentralstrasse entstand ein Concept Store, der das ursprüngliche Format erweiterte. Neben Records und Büchern fanden Kleidung, Schmuck, Home-Accessoires, Naturwein und Kaffee ihren Platz. Vor allem aber wurde der Laden zu einem Ort, an dem etwas passiert: Instore-Sessions, Konzerte und Ausstellungen brachten Menschen zusammen. Aus dem mobilen Shop war ein Treffpunkt geworden.

Impressionen «Format»-Store an der Geroldstrasse 11 – im Bild Marco Alfieri (links) und Matteo Scalas (Bilder via UBWG/Aline Fürer)

Drei Jahre später ist «Format» nun an der Geroldstrasse angekommen. Vinyl, Bücher, Naturwein und Events stehen heute auf dem Programm – und damit im Grunde noch immer jene vier Zutaten, die das Projekt von Anfang an geprägt haben: sorgfältige Auswahl, Musik, Kultur und die Lust daran, Menschen zusammenzubringen.

Doch was bedeutet es, eine solche Idee über drei Jahre hinweg weiterzuentwickeln? Was ist vom ursprünglichen Konzept geblieben, was hat sich verändert – und wann merkt man eigentlich, dass aus einem kleinen Projekt ein etablierter Ort geworden ist? Anlässlich des 3-jährigen Bestehens haben wir Lena Schwarz und Matteo Scalas zum Gespräch getroffen und mit ihnen über die Anfänge im Feuerwehrwagen, den Wandel von «Format», die Zürcher Musik- und Kulturszene, kuratierte Plattenregale und die Frage gesprochen, wohin die Reise als Nächstes geht.


Lena und Matteo, ihr seid ursprünglich mit einem umgebauten Feuerwehrfahrzeug als mobiler Platten- und Buchladen gestartet. Wenn ihr «Format» von damals mit heute vergleicht: Was hat sich verändert? Was ist der Kern von «Format»?

Lena & Matteo: Die grösste Veränderung ist sicherlich, dass wir unseren Kund:innen heute einen festen Ort bieten können. Einen Ort, von dem sie wissen, dass es ihn gibt, auf den sie zählen können und an dem sie Teil unserer Community sein können. Aus einer anfänglich etwas verrückten Idee haben die Dinge ihren eigenen Lauf genommen. Mit der Zeit haben wir immer besser herausgefunden, was die Menschen mögen, weshalb sie wiederkommen und was «Format» für sie bedeutet. Was geblieben ist, ist eigentlich ganz einfach: Wir geben weiter, was wir selbst lieben – die Liebe zur Musik, zur Gemeinschaft und zu einem Ort, an dem Neues entstehen kann. Neue Freundschaften, neue Musik, neue Begegnungen. Und wir möchten unseren Teil dazu beitragen, die Zürcher Kulturszene kennenzulernen, mitzugestalten und weiterzutragen.

Wir geben weiter, was wir selbst lieben – die Liebe zur Musik, zur Gemeinschaft und zu einem Ort, an dem Neues entstehen kann.

Lena Schwarz & Matteo Scalas
«Format» ist Begegnungsort für Musik- und Kulturliebhaber:innen. Welche Rolle spielt ein kleiner unabhängiger Laden wie «Format» heute in einer Zeit, in der man Musik, Bücher und eigentlich fast alles online findet?

Lena & Matteo: Für uns ist das eine der grössten Herausforderungen und zugleich einer der wichtigsten Gründe, warum wir «Format» machen. Natürlich ist niemand auf uns angewiesen. Musik, Bücher und eigentlich alles andere kann man heute online kaufen – oder, gerade bei jungen Leuten, oft überhaupt nur noch digital konsumieren. Aber genau darum geht es uns. Vinyl ist für uns eine Leidenschaft. Das erste Mal eine Plattenhülle in der Hand zu halten, zufällig ein Cover zu entdecken, die Nadel auf die Platte zu setzen, Kopfhörer aufzusetzen und einfach aus dem Fenster zu schauen. Im Laden alte Freund:innen zu treffen oder neue Menschen kennenzulernen. Sich Zeit zu nehmen. Und natürlich auch, lokale Unternehmen und eine lokale Kultur zu unterstützen. Das alles kann ein Online-Shop nicht ersetzen. «Format» soll ein Ort sein, an dem Musik nicht einfach konsumiert, sondern erlebt wird. Und wir glauben, dass genau das auch unseren Kund:innen wichtig ist.

Impressionen «Format»-Store an der Geroldstrasse 11 (Bild via UBWG/Aline Fürer)
Wie hat sich Zürich aus eurer Sicht in den letzten drei Jahren als Kulturstadt verändert – insbesondere im Hinblick auf Musik, Clubkultur und unabhängige Kulturorte?

Lena & Matteo: Wir haben in den letzten Jahren leider auch im wahrsten Sinne des Wortes ein Stück Zukunft verloren. Mit dem Wegfall des Clubs ist ein wichtiger Referenzpunkt für elektronische Musik, der die Stadt über rund 20 Jahre geprägt hat, verschwunden. Das hat uns persönlich sehr getroffen. Auch um Orte wie die Zentralwäscherei wurde und wird dafür gekämpft, Räume für junge Musiker:innen und Künstler:innen zu erhalten. Und selbst unser erster Standort mit dem Feuerwehrfahrzeug, der «PARKI», musste um sein Fortbestehen kämpfen. Irgendwie fühlt es sich leider immer wieder nach einem Kampf an. Gleichzeitig spüren wir dadurch umso stärker, dass es in Zürich eine grosse Gruppe von Menschen gibt, die genau solche Orte sucht, sie braucht und an ihnen hängt. Auch viele Off-Locations, Labels und unabhängige Veranstalter:innen kämpfen ums Überleben. Wir möchten mit unserem Laden deshalb auch eine Stimme sein und zeigen, dass Zürich solche Orte braucht und dass diese Orte am Leben bleiben müssen. Clubs und unabhängige Kulturorte sind ein wichtiger Teil einer lebendigen Stadt.

Mit euren Events und Instore-Sessions habt ihr immer wieder Menschen aus der lokalen und internationalen Musikszene nach Zürich geholt. Welche Begegnungen der letzten Jahre sind euch besonders in Erinnerung geblieben und haben euch geprägt?

Lena & Matteo: Es gab unglaublich viele Momente, die uns in Erinnerung bleiben werden. Einer der unvergesslichsten war sicherlich das Set von Nicola Mazzetti im alten Pajama. Und dann das spontane Opening-Set von Kalabrese am 1. Mai letzten Jahres, das unseren Laden buchstäblich zum Beben gebracht hat. Genau solche Momente kann man nicht planen – und gerade deshalb bleiben sie einem besonders in Erinnerung. Ein weiterer Höhepunkt war unser erstes Terrassenfest im Juli. Musikalisch war es einfach Weltklasse und die Stimmung unglaublich: friedlich, fröhlich und gleichzeitig irgendwie magisch. An dieser Stelle möchten wir allen danken, die solche Momente immer wieder möglich machen! In den letzten drei Jahren haben wir vor allem sehr viel von der lokalen Szene gelernt und unglaublich viele Menschen kennengelernt. Wir durften selbst am Closing-Festival der Zukunft spielen und einen Abend hosten. Wir hatten ausserdem bereits die Möglichkeit, im Kauz, im Roland und in der Zentralwäscherei zu hosten und zu spielen. Für uns gibt es eigentlich nichts Schöneres, als Teil dieser Szene sein zu dürfen – sie mitzuerleben, Menschen miteinander zu verbinden und gleichzeitig auch selbst etwas dazu beitragen zu können.

Hinzu kommen natürlich auch die persönlichen Begegnungen, die aus der Musik entstanden sind. Das Kennenlernen von Leo Mas und seiner «Ricerca Musicale» gehört definitiv dazu. Für uns verkörpert er fast eine Enzyklopädie des Vinyls – mit einem unglaublichen Wissen, einer grossartigen Sammlung und einer riesigen Leidenschaft für Musik. Auch die Freundschaft mit Sacha Mambo ist etwas ganz Besonderes. Wir haben ihn zum ersten Mal nach Zürich gebracht und daraus ist eine wunderbare Freundschaft entstanden. Sein Musikgeschmack und die Art, wie er Musik vermittelt, sind einzigartig. Dass wir später sogar nach Belgrad eingeladen wurden, um dort zu spielen, war natürlich ein unglaubliches Erlebnis. Und dann gibt es noch die ganz persönlichen Momente: Unsere Töchter, die mit DJ Marcelle bei uns im Wohnzimmer getanzt haben. Wir sind einfach unglaublich dankbar und auch stolz, in diesen drei Jahren so viele tolle Menschen kennengelernt zu haben. Wir haben zusammen gelacht, getanzt, gekocht und Musik gehört. Es waren drei unglaubliche Jahre – und wir freuen uns auf alles, was noch kommt.

Was sind Projekte oder Ideen, die bisher noch in der Schublade liegen?

Lena & Matteo: Eine Idee, die uns besonders reizt, ist ein eigenes «Format»-Label zu gründen und Vinyl zu veröffentlichen – mit Musik von lokalen Künstler:innen oder von Freund:innen, die bereits bei uns gespielt haben. Und natürlich gibt es eine ziemlich lange Liste von DJs und Künstler:innen, die wir noch gerne bei uns im Laden spielen lassen möchten. Die Schublade ist also noch ziemlich voll.

Wenn ihr heute drei Jahre in die Zukunft schauen könntet: Wo steht «Format» dann?

Lena & Matteo: Let’s see! 🙂

Im Interview für UBWG: Aline Fürer (Chefredaktion)

Impressionen «Format»-Store an der Geroldstrasse 11 (Bild via UBWG/Aline Fürer)

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Quellen: Format, Bilder im Beitrag & Beitragsbild via UBWG/Aline Fürer