Heute ist es so weit. An dem Ort, an dem sich bis an hin das Acapulco befand, eröffnet ein neues Kasheme. Ein Ort zum Wohlfühlen, Diggen und Musikhören.

Als das Kasheme an der Schöneggstrasse in Zürich schliessen musste, war das kein schöner Moment. Der Ort stand wie kein anderer für gemütliches Beisammensein, familiäre Atmosphäre und Musik. Das grosse Wohnzimmer von Nick Mazrekaj war Treffpunkt für die Musikliebhaber dieser Stadt. Musikgenuss wurde zelebriert mit Vinyl, lokalen und internationalen DJs, die ihre Lieblingsmusik präsentierten. Zur Freude vieler machten bald Gerüchte die Runde, dass es an einem neuen – besseren – Ort weitergeht.

Mit der Neugasse 56 hat man nun ein neues Zuhause gefunden. Mit gleichem Konzept, aber mit viel mehr Möglichkeiten, um sich zu entfalten. Durch die Woche ist das Kasheme ein Café mit Lounge, eine Bar und ein Plattenladen. Der Plattenladen Mono Records findet jetzt seinen eigenen Platz im Lokal und nicht mehr zwischen Nicks Vinyl-Sammlung.

Für das Wochenende sind Listening-Sessions und Konzerte geplant, wie man es bereits vom Kasheme kennt. Internationale Namen werden weiterhin via Video-Stream in die Welt getragen. Im Keller eröffnet zu einem etwas späteren Zeitpunkt das „Studio“. Ein Raum für Kunstinstallationen, Multimedia-Projekte, Partys und Konzerte. Im Kontrast zum Kasheme im Erdgeschoss darf es hier auch mal elektronischer, schneller und härter werden. Was Nick alles mit dem neuen Ort plant und was seine Visionen sind, hat er uns erzählt.

Wie würdest du deine Philosophie für das Kasheme in Worte fassen?

Nick: Wir starten da, wo wir aufgehört haben. Der Vibe und die Musik stehen im Zentrum. Es soll ein Ort für gute Musik bleiben. Dazu braucht es sicher ein gutes Sound-System und es braucht die richtigen Leute. Mein Anspruch an einen Musik-Spot ist, dass man alles gut und klar hört, auch wenn die Musik leise ist. Das Kasheme wird ein Ort an dem Musik gespielt wird, die man sonst nirgends hört. Vielfalt ist das Stichwort. Jede Sparte der Musik wird gespielt. Was man aber sagen muss, musikalisch wird es bestimmt weniger poppig. Man wird im Kasheme seinen Frieden anhand der Musik finden. Ein Ort, an dem man sich verlieren kann.

Wollt ihr das Konzept der alten Location eins zu eins auf die neue übernehmen?

Nick: Von der Musikrichtung und dem allgemeinen Stil, ja. Das heisst eher gemütliche „Listening“-Musik. Neu kommt dazu, dass wir mit dem Studio im Keller auch die elektronische Musik abdecken werden. Grundsätzlich bleibt das Konzept dasselbe. Wir haben in erster Linie die Absicht Musikliebhaber zu erreichen. Sicher wollen wir wieder grosse internationale Acts bei uns haben. Musiker und DJs wollen wir aber dazu animieren nicht dasselbe zu spielen, was sie auch im Club spielen. Es soll um den Track und nicht ums Mixing gehen.

Mit den Live-Sets konnten wir bereits im alten Kasheme ein breites Publikum erreichen. Wir wollen das natürlich auch weiterhin so machen. Positives Feedback erhielten wir gerade auch von den Artists und DJs. Bei uns konnten sie das spielen, was sie auch Zuhause hören. Gleichzeitig hat das Publikum die Möglichkeit die Person hinter dem Alias auf eine neue Arte kennenzulernen.

Das Kasheme wird also nicht zu einer Konkurrenz für Clubs an der Langstrasse?

Nick: Nein, Clubs schon gar nicht. Wir sind eine Bar mit Lounge und einem Plattenladen.

Was waren die Schwierigkeiten bei der alten Location?

Nick: Bei der alten Location war es so, dass ich zum Teil in Acts viel investiert habe. Da es aber eine inoffizielle Location war, wussten nur Eingeweihte davon. Diese Leute wiederum konnten sich nie sicher sein, ob gerade geöffnet ist. Hätte ich das allerdings nicht gemacht, hätte sich die Chance hier an diesem Ort nicht ergeben.

Jetzt müssen wir das einfach möglichst gut handeln. Wir sind jetzt öffentlich, wodurch ganz neue Herausforderungen auf uns zukommen. Jeder erfährt von jedem, dass es uns gibt, wo wir sind und was passiert. Es steht allen offen vorbeizukommen. Jetzt können wir aber auch Einnahmen generieren, um den Betrieb sicherzustellen.

Du sprichst damit an, dass sich das Publikum nun ändern könnte. Es war ja sehr familiär im Kasheme…

Nick: Der Wechsel von inoffiziell zu offiziell ist sicher die grösste Veränderung. Wir werden teilweise wahrscheinlich nicht um ein Selektionieren herumkommen. Am Wochenende ist jemand an der Tür, allerdings in erster Linie für die Sicherheit und wegen dem Lärm vor dem Lokal. Wenn gewisse Acts spielen, dann fragen wir das Publikum auch danach, ob sie wissen, wer gerade spielt. Wir wollen schon musikaffine und interessierte Leute bei uns haben. Auch aus Respekt gegenüber den Artists.



Du sagst, die Live-Video-Streams funktionierten sehr gut. Was sagst du zur Kritik, dass DJ-Sets nichts mehr besonderes sind, wenn sie ständig übertragen werden?

Nick: Es ist einfach der Zeitgeist. Da mir aber vornehmlich die internationalen Gäste Streamen, die zumeist elektronisch angehaucht sind, und sie bei uns nicht das spielen, was man von ihnen kennt. Bei uns spielen sie die Musik, die sie auch Zuhause hören würden. Dadurch macht es den Stream, den wir machen, viel spannender. Als Beispiel: Wenn du Sven Väth streamst und er dann ein Jazz-Set spielt, dann hast du das noch nirgends gehört. Wenn du über einen Live-Stream etwas von einem DJ hörst, dass du nicht kennst oder nicht erwartest, dann ist es eine Bereicherung – meiner Meinung nach.

Mit der neuen Location habt ihr nun täglich geöffnet. Was macht ihr unter der Woche, wird es auch Listening-Sessions geben?

Nick: Unter der Woche werden grundsätzlich eher unsere Podcasts laufen. DJs, Live-Acts und Bands spielen am Wochenende. Wir wollen Kollaborationen mit umliegenden Clubs anpeilen. Wenn zum Beispiel ein DJ bereits am Nachmittag in der Stadt ankommt, spielt er bei uns eine Session, bevor er später im Club spielt. Wir haben noch viele weitere Ideen. Ein eigenes Radio soll es geben, wir bauen unsere Video- und Stream-Plattform aus und irgendwann wird ein Plattenlabel dazukommen.


Kasheme – Official Opening, Neugasse 56, 8005 Zürich, 2. März – 4. März, ab 18 Uhr

Line-up:

Freitag 2. März, ab 18 bis 04h:
FRAME live, Lexx, DJ Soulsonic, Melodiesinfonie / Delakeyz

Samstag 3. März, ab 14 bis 04h:
Gomorrha live, Gallo, Freej Rumi, Max Bunt & Geno, Flashfunk

Sonntag 4. März, ab 15 bis 24h:
Schoolbell, David Suivez, Pablo Color, Fabré & Santi


Foto: Nick Mazrekaj by Dominik André


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