Am 19. Mai erscheint das erste Album des Zürcher Künstlers Philipp Stolberg. Wir haben mit dem jungen Nachwuchstalent gesprochen und freuen uns sehr, einen der Tracks bereits heute präsentieren zu dürfen.

Die Zürcher Musikszene brodelt: Neue Kollektive spriessen wie Pilze aus dem Boden und die Studiodichte erinnert zunehmend an einen Dschungel. Irgendwo in diesem Dickicht findet sich auch Futur8000, eine relativ neue Gruppierung mit Epizentrum in Altstetten und Herdfläche bis nach Deutschland. Das Kollektiv möchte jungen Musiker*innen aus Zürich eine niederschwellige Gelegenheit zur Vernetzung und zum Ausprobieren ermöglichen. Nun wird Futur8000 auch zum Label, indem es am Dienstag das Album «Sparks» aus der Feder des 23-jährigen Zürchers Philipp Stolberg veröffentlicht. Ein kurzes Vorhören der blumigen Tracks hat uns sofort begeistert – was für eine unerwartete Abwechslung zu Zürichs sonst so dunklen Beats. Unverzüglich haben wir deshalb mit Philipp, der mittlerweile in Berlin lebt, videotelefonischen Kontakt aufgenommen und ihn gefragt, was ihn inspiriert und ob er Zürichs Musikszene vermisst. Das daraus entstandene Interview findest du unten.

Zuerst aber die Premiere von «Grimm»:



UBWG: Hallo Philipp, danke für die Premiere von «Grimm»! Wie ist das Stück denn entstanden?

Philipp: Hoi Simon. Das ist eine lustige Geschichte, ich war in der Grimm-Bibliothek in Berlin und habe gerade meine Bachelorarbeit fertig geschrieben. Beim Drucken der 50 Seiten ist mir dann aufgefallen, dass der Drucker ein ganz interessantes Geräusch macht. Das habe ich dann spontan aufgenommen und zuhause etwas zugeschnitten und entdeckt, dass man damit einen ganz guten Groove erzeugen kann. Der Rest kam dann irgendwie von allein (lacht).

Während andere Künster*innen EP nach EP veröffentlichen, bringst du gleich ein ganzes Album raus. Wie kommt das?

Gute Frage. Nach meinem Bachelor wollte ich mir unbedingt mal Zeit für meine Musik nehmen. Vor einem Jahr habe ich mir dann gesagt: Diesen Sommer mache ich nichts anderes als produzieren. Wieder in Zürich habe ich mich dann sogleich für drei Wochen in das Futur 8000 Studio in Altstetten gesetzt und dort wie ein Wilder gejammt. In dieser Zeit kamen immer mal wieder Leute vom Futur 8000 Kollektiv vorbei und haben mir Feedback zu den Tracks gegeben, sodass diese Zeit sehr produktiv war. Und ja, am Ende stand dann irgendwie plötzlich ein ganzes Album da.

Wieso kommt das Album erst jetzt raus?

Die Ideen für die Stücke zu entwickeln, war der kürzeste Teil. Die grösste Zeit habe ich anschliessend mit dem Arrangement und Mixing der Tracks verbracht. Zum Glück machte ich in Berlin eine tolle Bekanntschaft mit einem erfahrenen Mixing-Ingenieur, der mir bei dieser anstrengenden Arbeit geholfen hat. Später habe ich mich dann gefragt, ob ich das Album auf einem grossen Label veröffentlichen soll. Aber ich habe mich dann dagegen entschieden, weil es heute eh keine Rolle mehr spielt, wo du veröffentlichst. Jeder kann ja sein Zeug selber mit nur wenigen Klicks überall hochladen. Das Wichtigste ist die Promo, und die kannst du auch selbst organisieren.

Was inspiriert dich beim Produzieren? Was findest du schwierig?

Ich glaube, was mich am meisten inspiriert, sind Alltagsgeräusche. Die kommen irgendwie so daher, wie du sie mit einer Software kaum hinbekommst; viel natürlicher und nicht so statisch. Viele meiner Tracks starten mit einer solchen Aufnahme, manchmal mit professionellem Equipment, und manchmal auch nur mit meinem iPhone aufgenommen. Das Schwierigste finde ich das Löschen. Beim Produzieren kommst du manchmal in einen Rausch, wo du immer noch mehr und noch mehr Elemente zu einem Track hinzufügst, wenn du nicht ganz zufrieden damit bist. Dann muss ich manchmal einen Schritt zurücktreten und mir überlegen, was die Essenz des Tracks ist, und wie ich diese Elemente spannender machen kann. Und den Rest lösche ich dann, auch wenn ich bereits fünf Stunden dafür investiert habe. Das finde ich schon schwierig.

Wie erlebst du die Musikszene Berlins im Vergleich zu derjenigen Zürichs?

Ganz ehrlich: Ich finde Zürich mindestens genau so gut. Es passiert dort so unglaublich viel auf kleinem Raum und die Leute sind supergut vernetzt. Nimm als Beispiel das Futur8000 Kollektiv, das ist super! Das sind alles junge und motivierte Leute, die sich gegenseitig pushen und Tipps austauschen. Wir sind übrigens auch offen für alle Neuinteressierten, das musst du in deinem Artikel auch schreiben (lacht). Hier in Berlin passiert zwar deutlich mehr, aber die Stadt ist halt viel grösser und anonymer, und es wimmelt von Leuten, die den Einstieg ins Musikbusiness suchen. Ich lege ja auch sehr gerne auf, aber hier in Berlin hat ja mal wirklich niemand auf einen weiteren DJ gewartet. Und wenn ich in einen Club gehe, mag ich auch nicht die ganze Nacht lang networken und versuchen, an irgendeiner Afterhour die richtigen Leute zu treffen, damit ich mal an einen Gig komme. Wir organisieren manchmal selber Partys und da lege ich dann auch gerne auf, aber mehr muss es grad nicht sein.

Wir sind gespannt, aus welcher Richtung wir als nächstes von dir hören werden. Danke und alles Gute!

Philipp Stolberg’s Album Sparks erscheint am 19. Mai auf Futur8000

Philipp Stolberg auf Spotify

Artikelbild: Zur Verfügung gestellt

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