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Wenige Lichtkünstler können von ihrem Beruf leben – der überaus passionierte Thomas Steiner aus Zürich gehörte aber dazu. Doch Corona hat sein Leben absolut auf den Kopf gestellt, wie er im Interview erklärt.

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Hoi Thomas!  Wir haben schon vor ein paar Wochen mit dir über die grundlegende Arbeit der Lichtkunst geredet. Nun geht es aber um dich und deine persönliche Situation. Willst du dich kurz vorstellen?

Hallo, ich bin Thomas und ich arbeite als Lichtkünstler in der Club- und Festivalszene weltweit. – Ok, das war vor Corona so….

Wie genau war es denn genau vor Corona?

Zum Beispiel bin ich in Friedas Büxe anzutreffen, wo ich ein paar Nächte pro Monat das Licht mache. Die Schicht ist in der Rush Hour des Abends und dauert bis in den Morgen. 

Dazu arbeite ich für Specials, entwickle zusammen mit Veranstaltern, Stagedesigner und Dekorateuren Konzepte für Dancefloors und Stages an Festivals wie Garbicz, Origin, Lethargy, Theaterspektakel und viele mehr. 


Ein bestaunenswertes Projekt in Afrika

Das klingt ziemlich spassig – ist es das auch?

Yes! Jede Woche darf ich mit unfassbar kreativen Menschen zusammen ein einzigartiges Spiel erschaffen. Ich kriege die Ehre, das Spiel für ein Wochenende zu spielen, während dem tausende Menschen dazu tanzen, bevor es für immer verschwindet. Dann reise ich weiter, manchmal um die halbe Welt, wo es ein neues Spiel darauf wartet, erschaffen zu werden.

Also geht es letzendes hauptsächlich um die Abwechslung, was diesen Beruf so interessant mache?

Was ich an meinem Job liebe, ist, dass ich nie zweimal das gleiche mache, jedes Konzept ist einzigartig, jede Woche arbeite ich an einem anderen Ort mit einem anderen Team. Ich lerne unfassbar viele Künstler und ihre Ideen kennen und darf mit ihnen eine gemeinsame Vision erarbeiten und umsetzen. 

Aber auch dieser Job wird seine unschönen Seiten und Nachteile haben. Welche sind das?

Es ist ein ziemlich stressiger Job, da alles von Deadlines abhängt. Nicht selten fällt die Fehlersuche auf die letzte Nacht bevor der Event startet und die Gäste ankommen. Schlaf ist ein Luxus, der dem Erfolg des Projekts regelmässig geopfert werden muss. Die Arbeitstage sind lang: Lichtkünstler arbeiten nicht in der Nacht, sie arbeiten Tag und Nacht! 


Vom Grundgerüst bis zum letzten Schliff wird alles selbst aufgebaut

Nun zurück zum Hauptthema: Wie hat dich die Corona-Krise getroffen?

Als selbstständiger Lichtkünstler, ziemlich hart. Vor wenigen Wochen war ich noch in Südafrika und arbeitete an einer riesigen Installation, nun bin ich zurück in Zürich und habe keine Arbeit. Es kann ziemlich schnell gehen, und man kann sich vorstellen, dass es einem auch finanziell brutal treffen kann.

Hast du keine Alternative für die Ausübung deiner Beschäftigung in der Quarantäne-Zeit gefunden?

Für mich ist es schwieriger, als für alles DJs. Diese können endlos Live-Streams spielen, welche auch oft mit einem Spendenlink versehen sind. Doch ein Live-Stream für einen Lichtkünstler habe ich bis jetzt noch nicht gesehen, und bin auch nicht sicher, wie das funktionieren würde. Aber dann….

…aber dann was?

Schlussendlich habe ich mich doch mit einem Musiker und einem Video-Menschen zusammengetan und eine 40-minütige Lichtinstallation in den Wäldern von Zürich konzeptioniert, durchgeführt, gefilmt, vertont und geschnitten. Nun ist diese parat für eine öffentliche Präsentation, sehet hier;


Wir danken Thomas für das interessante Interview und das atemberaubende Lichtspektakel. Wie im «Club Dihei» haben wir auch unter diesem Video einen Spendenbutton, um Thomas in seiner Lage finanziell zu unterstützen. Support local Art!

Bleibt gesund und bis bald im Club!


Fotos: Thomas Steiner auf Facebook

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