Mit unserer Serie «Zu Besuch im Studio» tauchen wir erneut in die kreativen Rückzugsorte der Schweizer Musikszene ein. In Episode 6 besuchen wir Dominik André und Marc Feldmann – zwei Künstler, die sich seit Jahren abseits des Mainstreams bewegen und die Szene mit ihrer Arbeit massgebend prägen. Anlass unseres Besuchs ist ihr gemeinsames Vinyl-Release «White Series #4», das am 24. April 2026 auf Subject To Restrictions Discs erscheint.
Die Schweizer Musiklandschaft ist voller lebendiger Nischen, die jenseits der grossen Festivals und Clubs pulsieren – in privaten Studios, kreativen Spaces sowie in Off-Locations und Clubs abseits der gängigen Pfade. Und an genau letzteren Orten sind Dominik André und Marc Feldmann zu Hause. Dominik André ist nicht nur als DJ aktiv, sondern auch Gründer und Inhaber des Zürcher Labels Subject To Restrictions Discs (STRD), das seit Jahren eine erstklassige Plattform für elektronische Musik fernab des Mainstreams bietet. Das Imprint hat sich als gefragte Anlaufstelle für internationale und nationale Acts etabliert und arbeitet regelmässig mit Festivals, Radiosendungen und Clubs zusammen. Nicht weniger interessant zeigt sich der Blick auf die Arbeit von Marc Feldmann. Als DJ, Live-Act und Produzent schafft der Künstler seit vielen Jahren seine ganz eigene Interpretation von elektronischer Musik – sei es im Alleingang oder als Teil des Trios Trinidad. Sein künstlerisches Schaffen ist vielseitig, kreativ und innovativ.
Dass sich die Wege von Dominik André und Marc Feldmann gekreuzt haben, scheint daher kaum überraschend. Mit der anstehenden Vinyl-Veröffentlichung von «White Series #4» am 24. April 2026 auf Subject To Restrictions Discs fangen die beiden die Essenz ihres gemeinsamen Schaffens ein. Das Release ist eine intime Momentaufnahme ihrer musikalischen Vision – roh, hypnotisch und voller Überraschungen.
Im Rahmen unserer Serie «Zu Besuch im Studio» haben wir Dominik André und Marc Feldmann an jenem Ort besucht, wo «White Series #4» entstanden ist, und uns mit den beiden über ihre Zusammenarbeit, kreative Prozesse und die Bedeutung von Vinyl als Medium unterhalten.
Marc und Dominik – ihr veröffentlicht gemeinsam «White Series #4» – wie ist dieses Projekt entstanden, bzw. wie kam es zu eurer Zusammenarbeit?
Marc: Wir verstehen uns schon länger gut und haben immer mal wieder bei einem Kafi oder Bier über dies, das und besonders über Musikalisches philosophiert. Dominik wollte irgendwann besser verstehen, wie Tracks entstehen und so landeten wir zusammen im Studio. Kurz zuvor kam die Remix-EP «The Reptiles & Arthropods» von Los Pashminas auf Subject To Restrictions Discs heraus und so spielten wir etwas mit den Stems von «Lobster Symbiotic Dialoge» herum – eigentlich nur, um technische Grundlagen in Ableton anzuschauen. Das ist dann etwas eskaliert: Nach einer explorativen Reise durch meine Lieblings-Plugins war da plötzlich das Grundgerüst von «A Breeze of Mistral». Über einige Sessions und diverse Experimente entstanden weitere Tracks und schliesslich reifte die Idee, zusammen eine EP daraus zu machen.


Wie dürfen wir uns eure Zusammenarbeit – im Studio aber auch konzeptionell – am Werk vorstellen? Wer hat welchen Part übernommen? Wo lagen die Herausforderungen und wo konntet ihr als Künstler wachsen?
Marc: Alles ist sehr organisch gewachsen, manchmal inspiriert von Dominiks Fragen und Inputs, zusammen mit meinem Versuch, sie zu beantworten. Das war eine extrem spannende Dynamik, insgesamt viel kreatives Chaos und häufig recht zufällig. Meine Studio-Routine mit neuen Ohren aufzubrechen, war für mich besonders spannend.
Dominik: Für mich war das natürlich alles super spannend. Vieles war neu und die Lernkurve steil. Marc ist im Übrigen ein super Senpai und hat mich in meinen Produktionsanläufen immer bestärkt, auch wenn sie zu Beginn oft in einer Sackgasse endeten. Ich glaube, ich habe ziemlich viel Naivität in die Dynamik reingebracht, was ein guter Nährboden für unseren kreativen Output war.
Marc: Profitiert haben wir definitiv beide davon. Während ich anfangs noch den grössten Teil der (technischen) Produktion übernahm, holte Dominik mit jeder Session auf.
Alles ist sehr organisch gewachsen, manchmal inspiriert von Dominiks Fragen und Inputs, zusammen mit meinem Versuch, sie zu beantworten.
Marc Feldmann über die Zusammenarbeit mit Dominik André für «White Series #4»

Welche Geschichte erzählt «White Series #4», was prägt den Sound dieser Veröffentlichung?
Marc: Wie erwähnt sind die Tracks recht organisch entstanden, der gemeinsame Nenner ist so auch unsere kleine Reise durch drei verschiedene Stationen – Audrey Danza hat mit ihrem Remix noch eine vierte perfekt ergänzt. Das haben wir mit dem Thema «A journey through…» bei den Tracknamen und auch in der visuellen Gestaltung, die Dominik gemacht hat, aufgenommen. Prägend waren – wenig überraschend – unsere jeweiligen musikalischen Hintergründe. Bei mir drücken immer mal wieder die 2000er-Trance-Einflüsse und die Freude an auch mal etwas trockenen Produktionen, wie dies etwa bei «Trinidad» der Fall ist, durch.
Dominik: Es war ziemlich schnell klar, dass wir etwas machen wollen, das uns Spass bereitet und das wir im Club auflegen wollen. Alle drei Stücke sind nicht mit der Absicht entstanden, dass sie einerseits jemand ausserhalb des Studios hört und andererseits auf Platte erscheinen. Es war wirklich einfach “zwei Freunde haben Spass im Studio”, und ich glaube, das hört man auch.
Für dich, Dominik, ist es das erste Release, an dem du nicht nur als Labelinhaber mitwirkst, sondern auch als Produzent. Magst du uns etwas mehr darüber erzählen?
Dominik: Es ist sicher eine spezielle Situation, die insbesondere auch einiges an Reflexion mit sich brachte. Offensichtlich bin ich voreingenommen bei Musik, an deren Produktion ich beteiligt war. Deshalb musste ich versuchen, das im Kopf zu trennen – meine Rolle als Labelbetreiber und die Rolle als Produzent. Der Labelboss in mir war da zeitweise schon kritisch und hat hinterfragt, was da auf dem Label veröffentlicht werden soll. Letztlich war er aber überzeugt, was auch mit sehr positivem Feedback von vielen Personen aus allen Ecken der Musikwelt zu tun hatte. Dass ich hier etwas schizophren in der dritten Person von mir selbst spreche, unterstreicht vielleicht auch ein wenig, wie diese Auseinandersetzung ablief.


Vinyl ist für euch nach wie vor ein wichtiges Medium – warum ist das so? Und wie gelingt es euch, die analoge Leidenschaft mit digitaler Präsenz zu verbinden?
Dominik: Mit Vinyl verbinde ich Beständigkeit, Gewissenhaftigkeit und Qualität – Eigenschaften, die mir in Bezug auf Musik wichtig sind. Deshalb finde ich oft über das Medium Vinyl Zugang zu Musik. Etwas salopp gesagt: Man presst nicht einfach etwas auf eine Platte, nur weil man gerade Lust hat. Der Prozess ist zu aufwändig und teuer. Man überlegt sich zweimal, ob ein Musikstück wirklich die nötige Qualität hat, bevor man es beginnt. Ich würde deshalb die These wagen: In einer digitalen Welt braucht es mehr Analoges, weil es sicherstellt, dass die Qualität einen gewissen Standard erfüllt. An unserer EP haben, nachdem Marc und ich mit dem, was wir produziert haben, zufrieden waren, auch noch Marcel Schneider und Isabel Schröer mitgearbeitet. Ersterer hat mit dem Mixdown unsere Tracks nochmals auf ein ganz neues Niveau gehoben, und Isabel hat beim Mastering den perfekten Feinschliff gegeben. Ohne die beiden – und später auch ohne all die Leute im Presswerk – wäre die Platte nie so gut geworden, wie sie jetzt ist. Das Medium zwingt uns dazu, gewissenhaft zu arbeiten, und dadurch erreicht auch unsere Musik die Qualität, die wir uns wünschen.
Mit Vinyl verbinde ich Beständigkeit, Gewissenhaftigkeit und Qualität – Eigenschaften, die mir in Bezug auf Musik wichtig sind.
Dominik André über das Medium Vinyl
Im Interview für UBWG Aline Fürer (Redaktionsleiterin/Chefredakteurin UBWG)
Studio-Steckbrief Marc Feldmann & Dominik André
Wer: Marc Feldmann & Dominik André
Wo: Zürich
Genre(s): Electronica
Software: Ableton und diverse Plugins
Lieblings-Gear: aktuell gerade der Arturia Minifreak und THYME von Bastl
Labels: Subject To Restrictions Discs
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Quellen: Marc Feldmann, Dominik Rogenmoser alias Dominik André, Nevesthika Muralitharan (Bilder im Beitrag), Subject To Restrictions Discs (STRD)


