Where the magic happens: In unserer Serie «Zu Besuch im Studio» machen wir uns auf in die Klangtüftler:innen-Stuben von Schweizer Artists, Labels und Kollektiven. In Episode 5 besuchen wir die Lessing13-Crew, die unter anderem mit ihrem Streaming-Projekt und spannenden Off-Location-Events seit geraumer Zeit auf sich aufmerksam macht. Das Kollektiv hat uns die Türen zum beliebten «Container» geöffnet und uns Einblick in das kulturelle Schaffen gewährt.
Zürichs Szene lebt – und ihr Herz schlägt nicht nur in den Clubs, an Festivals und Daytimern, sondern auch abseits der gängigen Pfade: In verrauchten Kellern, auf improvisierten Tanzflächen und in vergessenen Industriehallen. Und genau an jenen unkonventionellen Orten ist das umtriebige Lessing13-Kollektiv (kurz L13) aktiv. Der Zusammenschluss hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur mit spannenden Off-Location-Events einen Namen gemacht, sondern auch mit dem gleichnamigen Streaming-Projekt. In regelmässigen Abständen sendet die Crew seit nun bald zwei Jahren spannende Sets aus dem «Container» auf der Glattparkbrache in Opfikon. Der Space ist zugleich auch Homebase von Lessing13.
Kaum ein Kollektiv schafft den Spagat zwischen analoger und digitaler Welt so gekonnt wie Lessing13. Die Events, die regelmässig abseits der klassischen Clubrouten stattfinden – so von der Manegg über das Basislager hin zum Atelier Rumpelkiste – ergänzen das digitale Streaming-Projekt gekonnt – oder umgekehrt. Lessing13 hat sich mit seinem kulturellen Schaffen voll und ganz der Vielfalt verschrieben. Wer einen Blick auf das Tun des Kollektivs wirft, versteht schnell: Hier geht es nicht um Trends oder Mainstream-Eskapismus, sondern um Leidenschaft, Präzision und die gemeinsame Liebe zur Musik. Roh, pulsierend und stets ein bisschen geheim.
Wir haben uns mit den Macher:innen auf der Glattparkbrache zum Interview getroffen und sind gemeinsam ins Lessing13-Universum eingetaucht. Ein Gespräch über schwindende Kulturplätze, Off-Locations und die Ambition, Generationen zusammenzubringen. Das Kollektiv lädt übrigens am 6. Dezember 2025 zur Hellraum-Nacht in die Manegg – mehr dazu am Ende dieses Beitrags.




Hinter dem Namen Lessing13 steckt ziemlich viel Geschichte – möchtet ihr etwas mehr über euer Dasein erzählen und darüber, woher Lessing13 kommt und was euch heute definiert?
Der Name Lessing13 hat seinen Ursprung, wie es die Meisten richtig vermuten, an derZürcher Lessingstrasse 13. Dort hat das Projekt seine Anfänge genommen. Die Strasse, oder besser gesagt das dort beheimatete Studio, das wir damals nutzen konnten, war während der Corona-Zeit unser Zufluchtsort. Ein Ort, der uns während der Absenz des Nachtlebens über Wasser gehalten hat. Irgendwann kam die Idee auf, die kleinen Partys, die wir früher geschmissen haben, zu vergrössern und nach draussen zu verlagern. Das war dann auch der Start von Lessing13 als Eventlabel. An unseren Partys trifft Jung auf Alt. Wir bei Lessing13 haben teilweise einen Altersunterschied von 10 Jahren – in der Folge können dies bei einer Lessing13-Party beim Publikum auch schnell mal 30 Jahre oder mehr sein. Wir verbinden die Szenen, schaffen eine Verbindung von früher zu heute und bringen Generationen zusammen.
Heute seid ihr sowohl Eventlabel als auch Streaming-Format – wie entstand die Idee des Streamings als Ergänzung zu den Events?
Video-Formate wie HÖR oder themuddshow haben uns von Anfang an fasziniert und in Zürich gab es ein solches Format noch nicht – zugleich gibt es in der Schweiz so viele begabte Künstler:innen, die es verdient haben, gehört zu werden. Und das wollten wir zeigen. Die Streams ersetzen natürlich niemals ein Club-Erlebnis, zeigen aber eine intimere Seite von DJs und ihrem Handwerk. Deshalb bringen wir nun seit bald zwei Jahren in unserem YouTube-Stream lokale und internationale Artists aus der elektronischen Musikszene zusammen. Der Stream ist sehr clean gehalten und wir wollen die Track-Auswahl und die Mixing Skills in den Fokus stellen – das, was wir selbst an der Kunstform so schätzen.
Streams ersetzen niemals ein Club-Erlebnis, sie zeigen aber eine intimere Seite von DJs und ihrem Handwerk.
Das Lessing13-Kollektiv über die Faszination des Streamings



Eure Events finden primär in Off-Spaces statt – was reizt auch daran und woran erkennt ihr, dass ein Raum für euch funktioniert? Welche Rolle spielt dabei die urbane Transformation der Stadt (also Gentrifizierung, Zwischennutzung, Verdrängung)?
Indoor-Partys waren während der Corona-Zeit nur schwer umsetzbar, darum haben wir unseren Fokus zuerst auf Outdoor-Partys gesetzt. Unseren ersten grösseren Event veranstalteten wir im Basislager in Zürich Altstetten. Ein Ort mit Underground-Backyard-Charakter. Nach der ersten Outdoor-Party haben wir schnell festgestellt, dass uns das Off-Location-Format gefällt. An einem Ort etwas Neues zu schaffen, ist an Off-Locations logischerweise einfacher möglich als in Clubs – kommt aber auch mit dem entsprechenden Commitment. In unserem Umfeld hören wir immer mal wieder, dass wir es uns gerne nicht leicht machen. Und ja, es ist gut möglich, dass dieser positive Drang an unseren Partys spürbar wird. Nichtsdestotrotz sind Off-Location-Events immer schwieriger durchzuführen. Der Platz in der Stadt wird kleiner, begrenzter und die lärmempfindlichen Ohren nehmen zu. Auch einen Ort für ein Studio zu finden, wird mühsamer und teurer. Wir sind ja mittlerweile mit dem Container auf der Glattparkbrache zu Hause – also auch nicht mehr so zentral wie wir es einst an der Lessingstrasse 13 waren. Und auch dieser Platz wird geräumt und die Suche geht aufs Neue los. Wir kennen diese Misere von vielen Musikfreund:innen in der Szene.
Lessing13 hat sich eine starke und loyale Community aufgebaut und scheint die unterschiedlichsten Zweige der lokalen Szene miteinander zu verbinden. Wie pflegt ihr diesen Zusammenhalt und wie gelingt euch diese Connection?
Lessing13 connects the young & old electronic music scene of Zurich – dies beschreibt unsere Community und die Verbindung zu den verschiedenen Szenen und Nischen perfekt. Einige von uns haben ganz knapp noch die Zeiten der Dachkantine, des Rohstofflagers oder des Spunks miterlebt und geniessen schon seit vielen Jahren die legendären Festivals wie Schatzalp oder Lethargy. Aber auch jüngere Orte wie die Zentralwäscherei prägen uns. Wir versuchen, an unseren Partys und in unseren Streams ältere und jüngere Artists, die die Szene prägen, zusammenzubringen. Das hilft uns auch, den Zusammenhalt und das Verbinden dieser Szenen weiter zu stärken.



Wo steht Lessing13 in 5 Jahren, welche Projekte und Events stehen an und wie soll sich das Streaming (Stichwort KI, visuelle Kunst) weiterentwickeln?
Lessing13 wird in 5 Jahren auf dem YouTube-Stream nebst vielen lokalen Artists auch zahlreiche internationale Grössen vor der Linse haben – why not Richie Hawtin oder Ricardo Villalobos (lachen)? Träumen darf man ja! Lessing13-Events werden weiterhin geprägt sein von zeitlosen Sounds und nischigen Klängen – drop-geladene Peaktime-Musik wird es bei uns nach wie vor nicht geben – das Ganze natürlich auf einem bestmöglichen Soundsystem. Unser Publikum verändert sich in 5 Jahren wohl auch, wir hoffen aber, dass das ältere Publikum noch lange will (und auch kann) und dass das jüngere Publikum irgendwann auch mal so viel Ausdauer hat (lachen).
Text & Interview: Aline Fürer (Redaktionsleiterin/Chefredakteurin UBWG)
Im Interview für Lessing13: Ben Wiggers, Dimitris Wiggers, Morris Müller, Simon Küng
Facts & Figures Lessing13*
Anzahl YouTube-Streams: 59
Total Views YouTube: 73’192
Total Watch Hours YouTube: 5851
Subscribers YouTube (gerundet): 2370
Best viewer base out of Switzerland: Ecuador
*Stand der Zahlen-Exporte (November 2025)
Lessing13 auf YouTube – hier kannst du dir alle Streams in voller Länge anhören
Lessing13 Website I Lessing13 auf Instagram I Lessing13 auf Soundcloud
Quellen: Lessing13


