Zu Besuch im Studio bei Roland Vollenweider – Episode 4


Where the magic happens: In unserer Serie «Zu Besuch im Studio» machen wir uns auf in die Klangtüftler:innen-Stuben von Schweizer Artists. In Episode 4 besuchen wir den Zürcher Produzenten Roland Vollenweider, der unter anderem mit Projekten wie «us&sparkles» und «v0ll» die Musiklandschaft bereichert. Der Künstler hat uns die Türen zu seinem Studio geöffnet und uns Einblick in seine künstlerische Arbeit gewährt.

Um dem künstlerische Schaffen von Roland Vollenweider gerecht zu werden, bräuchten wir schon etwas mehr als diesen Beitrag. So lassen wir seine Musik für sich sprechen, denn diese fängt des Künstlers umfangreiches Tun am ehesten ein. Erst kürzlich veröffentlichte Vollenweider Damn Rich Vol. 6 mit seinem Projekt us & sparkles. Eine vielschichtige EP, die einen charmanten, nostalgischen Klangteppich ausrollt und wie auch die Vorgänger-Werke mit Präzision punktet. us & sparkles ist nur eines der vielseitigen Projekte aus dem Hause Vollenweider. Es wurde vor mehr als 10 Jahren gegründet und feierte dazumal mit der Veröffentlichung der EP Damn Rich Vol. 1 von Roland Vollenweider und Philipp Cron Premiere. Es folgten über die Jahre weitere spannende Releases, unter anderem erschien im letzten Jahr das dritte Full Lenght-Album mit dem Titel When the Bird Kicks In, das in Kollaboration mit Simon Boss entstanden ist – wir haben darüber berichtet.

Nebst us & sparkles, das den Fokus auf den ruhigeren Klangwelten hält, bereichert Vollenweider die Musikwelt auch mit seinem Techno-Moniker v0ll. Hier treffen brachialere Strukturen auf zeitgenössische Elemente – Sounds, welche, wie es Vollenweider so schön sagt, eine authentische Vision der Rave-Kultur einfangen würden. Ein ebenso beachtlicher Teil des Künstlers Studioarbeit ist zudem die Unterstützung von Artists in den Bereichen Production, Mixing, und Mastering.

Roland Vollenweider hat uns Einblick in sein Studio gewährt (Bild via Dylan James Moore)

Roland Vollenweiders vielseitiges Interesse ist nicht nur in seiner Musik spürbar, sondern zeigt sich auch beim Anblick seines Studios. Wir besuchen ihn an einem schwülen Sommerabend im Zürcher Kreis 11 und sind sichtlich erfreut, dass sich die Studio-Räumlichkeiten im 2. Untergeschoss befinden. Hier hat sich der Künstler wahrhaftig eine Oase geschaffen. In beeindruckender und minutiöser Ordnung reihen sich eine Vielzahl an Instrumenten, von denen manch Tüftler:in nur so träumen mag. Über all die Jahre hat Vollenweider in diesem Raum spannendes Gear aus aller Welt vereint, das sich perfekt in seinen Workflow einzugliedern scheint.

Doch Vollenweider selbst bezeichnet sich nicht als Sammler. Im Gespräch wird schnell klar, dass es ihm nicht um den Besitz eines Instruments geht. Vielmehr versuche er stets, seine Arbeit so zu gestalten, dass er all seine Gerätschaften hie und da in seine Musik integrieren könne. Dazu gehöre aber auch, dass man sich ab und an von einem Instrument trennen könne. Roland Vollenweider ist auf charmante Weise pragmatisch in seinem Tun und scheint mit dieser Betrachtungsweise den Treiber für seine Kreativität gefunden zu haben. So erklärt er uns, dass auch die Inspiration für seine Arbeit jeweils aus dem Momentum heraus entstehe. Er arbeite mit dem, was gerade da sei. So seien viele seiner Arbeiten auch ausserhalb des Studios entstanden. Dieser Umstand macht seine Musik wohl so einzigartig, den sie bedient sich der beispiellosen Kraft des Jetzt.

Mit viel Liebe zum Detail hat sich Roland Vollenweider eine Oase geschaffen (Bilder via Aline Fürer)

Zwischen Patchkabel, Keyboard-Stands und Modular Racks, befindet sich Rolands Workstation, die das Herzstück seines Studios bildet. Ein angefangenes Ableton-Projekt taucht auf dem Screen auf, als sich der Bildschirmschoner für einen kurzen Moment verabschiedet. Vollenweider schmunzelt, als er einen Blick darauf wirft – er erzählt nostalgisch von seinen Anfängen in der Musik. Dazumal hätte er mit der Ableton Live Lite 3-Version gearbeitet, das sei Anfang der 00er-Jahre gewesen. Er erinnert sich zugleich an seine erste Gitarre, die er mit 16 Jahren in den Händen hielt. Kurz darauf folgte dann die Inbetriebnahme eines M-Audio Interfaces. Nach und nach tauchte Roland Vollenweider immer tiefer in die Musik ein, es folgten Jahre, in denen er unter verschiedenen Moniker Musik machte, gar veröffentlichte und in denen er auch mit Live-Sets auf der Bühne stand.

Roland Vollenweiders Weg zur Musik ist eine Entdeckungsreise, auf der er sich noch heute befindet. Den Zugang zur elektronischen Musik habe er, anders als es oft in Werdegängen zu lesen ist, aber nie wirklich über das Clubbing gefunden, erklärt uns der Künstler. Vielmehr hätte die Musik alleine immer als Inspiration und Referenz für seine Aktivitäten ausgereicht – so seien bereits in jungem Alter Drum’n’Bass, Rock oder Techno wichtige Wegbereiterinnen gewesen.

Wenn es um Bookings oder die Teilnahme am Nachtleben geht, spricht Roland mit Gelassenheit über seinen ruhigeren Kalender. Er weiss, dass es heute nebst dem Musikmachen noch viele weitere Kanäle zu pflegen braucht – und diese Zeit, so erklärt er mit einem zufriedenen Lächeln, investiere er lieber in das Musikmachen.

Text & Interview: Aline Fürer (Redaktionsleiterin/Chefredakteurin)


Studio-Steckbrief Roland Vollenweider

Wer: Roland Vollenweider alias us & sparkles / alias v0ll
Wo: Zürich
Genre(s): Electronica, Hip-Hop, Rock, Reggae uvm.
Software: Ableton, Studio One
Lieblings-Gear: ARP 2600
Labels: Radicalis

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Quellen: Roland Vollenweider, Aline Fürer (Beitragsbild / Bilder im Beitrag), Dylan James Moore (Poträtbilder im Bilder Beitrag)