Mit dem Debüt-Album «The Ending Was A Typical Part», das im April 2025 auf dem Zürcher Label Subject To Restrictions Discs erschien, haben Xueyan Chen und Nicolas Balmer alias Gūsū eine faszinierende Klangwelt geschaffen, die zwischen Tradition und Moderne pendelt. Die Musik des Duos ist atmosphärisch, experimentell und thematisiert die transkulturelle Zusammenarbeit auf beeindruckende Art und Weise. Am 31. August 2025 treten Gūsū im Rahmen des «Les Digitales Festival» im Zürcher Schindlergut Park auf und spielen Stücke aus ihrem Debüt-Werk. Wir haben uns im Hinblick auf die Show mit den beiden Artists im Interview über ihr künstlerisches Schaffen unterhalten.
Im April dieses Jahres veröffentlichte das Duo Gūsū, ein transkulturelles Musikprojekt, das Debüt-Album The Ending Was A Typical Part auf dem Zürcher Label Subject To Restrictions Discs (STRD): Langsam gespielter Ambient-Folk, der die Grenze zwischen synthetisch und organisch gekonnt verschwimmen lässt. Das Album verbindet die Tradition des Guzheng-Spiels mit den Klängen elektronischer Instrumente und lässt so unterschiedliche und zugleich harmonische Welten aufeinanderprallen.
Die Zusammenarbeit von Xueyan Chen und Nicolas Balmer alias Gūsū vereint Chens Guzheng-Spiel, ein Instrument, das tief mit der chinesischen Geschichte verbunden ist, und Balmers modularen Synthesizer-Sound, der sich durch tiefe Bässe und vielschichtige Texturen auszeichnet. Mit der Verschmelzung dieser organischen und elektronischen Klänge schaffen die beiden tiefgreifende musikalische Erzählungen, die sich mit Identität, Entwurzelung und Einheit auseinandersetzen. Was einst als spontane Improvisation begann, als sich die beiden Artists 2022 bei einem Auftritt kennenlernten, hat sich zu einer beständigen Zusammenarbeit entwickelt.
Wir haben uns anlässlich des anstehenden Auftritts von Gūsū im Rahmen des Les Digitales Festival vom Sonntag, 31. August 2025, mit dem Duo im Interview unterhalten. Ein Gespräch über den Klangdialog, das Pendel zwischen Tradition und Experiment und die transkulturelle Zusammenarbeit.
Xueyan und Nicolas, werfen wir einen Blick auf Euer Debüt-Album «The Ending Was A Typical Part» – ein äusserst spannendes Werk, das im April 2025 erschien und auf allen Ebenen beeindruckt. Vorweg: Was verbirgt sich hinter dem Namen des Albums?
Xueyan Chen: It took us quite some time to find the right name. One night, as we were listening through the tracks again, a single line popped up. It came from one track recorded two years ago, but carried a resonance beyond that moment. For us, the album is like an ongoing, quiet dialogue between two voices: about the many shades of emotion, about closeness and loss, and about how it is not the ending that matters most, but the pauses, the reflections we gather along the way. So comes the title.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem von Dominik André und Nive geführten Label Subject To Restrictions Discs , bzw. was hat Euch dazu bewegt, gerade auf diesem Label zu veröffentlichen?
Nicolas Balmer: Wir arbeiten auch bei anderen Projekten mit Nive und Dominik von Subject To Restrictions Discs zusammen und das Verständnis für eine gewisse Soundästhetik und Vision passt zusammen. Ein Ambient-Album zu veröffentlichen ist immer auch ein Wagnis seitens des Labels. Aber wir konnten von Anfang an auf vollen Support zählen.
«The Ending Was A Typical Part» ist für uns ein fortwährender, stiller Dialog zwischen zwei Stimmen.
Xueyan Chen über die Namensgebung des Albums
Euer künstlerisches Schaffen thematisiert mitunter Identität, Entwurzelung und Einheit – wie beeinflussen Eure kulturellen Hintergründe Eure Herangehensweise an die Musik und wie fliessen diese Themen in die klangliche Praxis ein?
Xueyan Chen: From when I started playing Guzheng until I went to boarding school and had to stop, I always played in a Guzheng ensemble – and the training reflected that. It was common to go to classes with 12 Guzheng players all performing the same piece together. Of course, these classes were much cheaper than solo ones. I liked this community effort. What comes with the comfort of community is also the pressure of achieving a unity of sound and expression. It is perhaps better described as a social background instead of culture.
Xueyan, Du interpretierst die Guzheng auf Deine ganz eigene Art und Weise – wie hat sich Dein Zugang zu diesem traditionellen Instrument über die Jahre verändert? Und Nicolas, wie gehst Du darauf klanglich ein?
Xueyan Chen: I noticed a fine line between training and a tendency toward an ableist way of performing. Secondly, since a large portion of our live sets are improvised, it’s nothing like the classical training one typically goes through. So now, playing is more about staying focused on my ear, rather than on the movement of my fingers.
Nicolas Balmer: Für mich ist die Auseinandersetzung mit der Tonalität des Instruments etwas sehr Transzendentales. Der Klang des Instruments versetzt mich immer in eine Art Trance, die mich beruhigt. Die Aufnahme des Instruments durch einen Modular Synthesizer gibt dem Instrument einen zusätzlichen Layer, der das Instrument klanglich sehr schön ergänzt.

Ihr werdet am «Les Digitales Festival» Ende August 2025 auftreten, das genreübergreifende und experimentelle Klänge ins Zentrum rückt. Auf was dürfen sich die Besucher:innen Eures Konzerts im Schindlergut Park freuen – improvisiert ihr live, oder orientiert sich Eure Performance am Album?
Nicolas Balmer: Ich glaube, es wird einen Einblick ins Album geben, aber der Auftritt wird auch schon neue Werke beinhalten. Unsere Performances sind immer beides, Improvisation aber auch Anlehnung an gewisse Melodien und Abfolgen, die uns immer wieder begleiten. Wir freuen uns jedenfalls sehr.
Im Interview für UBWG: Aline Fürer
Über das Les Digitales Festival
In 9 Schweizer Städte bringt Les Digitales 2025 elektronische Musik mitten ins urbane Grün. Über 60 nationale und internationale Acts – von etablierten Namen bis hin zu spannenden Newcomer:innen – bringen elektronische Musik in entspannter Atmosphäre auf die Bühne. Daneben gibt’s kulinarische Leckerbissen und kühle Drinks. Alle Austragungsorte und weitere Infos zum Festival findest Du hier.
Quellen: Dominik André für Subjet To Restrictions Discs (STRD), Gūsū (Xueyan Chen & Nicolas Balmer), alle Bilder im Beitrag von Oscar Pohl (Photo) & Christian Knöpfel (Editor), Les Digitales Festival


