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Seit zwei Monaten wird in Clubs gefeiert. Mit anfänglichen Missgeschicken und Nachbesserungen, aber letzten Endes transparent und kontrolliert. Nach diesen zwei Monaten kommuniziert das BAG, Hauptursache für nachvollziehbare Ansteckungen seien Familie, Ausland, Arbeitsplatz und Einkaufen. Nicht die Clubs. Einen Tag später liefert dasselbe BAG Zahlen ans SRF, wonach Clubs rund 40% dieser Ansteckungen ausmachen. Was muss während dieser zwei Monate oder innerhalb dieses einen Tages schiefgegangen sein, wenn das eine oder das andere stimmen soll? Und was stimmt denn nun?

Am Donnerstag verkündete Pascal Strupler, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit folgendes: «Die meisten Ansteckungen, über deren Ursache wir Bescheid wissen, finden gemäss einer Studie aus dem Kanton Bern in der Familie, im Ausland, am Arbeitsplatz oder beim Einkaufen statt.»

Am Folgetag veröffentlichte das SRF in einem Artikel Zahlen des BAG, wonach 68.4% der rückverfolgbaren Ansteckungen in Club/Disco sowie Bar/Restaurant stattgefunden haben. Gemäss später folgendem Bericht in der Tagesschau basieren diese Zahlen auf den Erhebungen der testenden Ärzte. Einen Tag zuvor wurde aber keine dieser Begegnungsstätten als zentraler Infektionsort genannt.

Wie kann es sein, dass sich die Datenlage, auf derer Basis eine Pressekonferenz abgehalten, Empfehlungen ausgesprochen und Entscheidungen getroffen werden, innerhalb nur eines Tages derart signifikant ändert? Immerhin stammt sie in beiden Fällen vom Bundesamt für Gesundheit.

Viele Fragen bleiben unbeantwortet

Ich behaupte weder die Richtigkeit des einen, noch des anderen Bildes, das an der Pressekonferenz am Donnerstag bzw. im Artikel am Freitag gezeichnet wurde. Ich möchte jedoch verstehen, wie es zu diesen völlig unterschiedlichen Bildern der Lage gekommen ist und welches letzten Endes in welcher Weise zutreffend ist. Wenn sich tatsächlich 303 Personen in Clubs angesteckt haben: Weshalb erfährt die Bevölkerung erst jetzt von diesem Trend? Und weshalb – so scheint es – wusste selbst das BAG am Tag zuvor nichts davon, obwohl es just an jenem Tag eine Pressekonferenz zu diesem Thema abhielt? Was lief die letzten Monate falsch? Hält man sich an die Medienberichte, gab es maximal 30-40 Personen, die sich in Clubs angesteckt haben. Wie wurden daraus 303 Personen? Ist das tatsächlich so oder wurden hier Fehler gemacht? In der Kommunikation? Beim Kategorisieren oder Subsumieren der Daten? Beim Interpretieren der Daten? Irgendwo anders auf dem Weg von der Infektion der Person bis zur Interpretation dieser und anderer Infektionen durch BAG und Medien?

Wenn an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zwei derart unterschiedliche Bilder einer Sachlage gegeben werden, wirft das Fragen auf. Fragen, auf die es Antworten braucht. Diese Antworten ist man einer Branche schuldig, über deren Schicksal nun übers Wochenende in den Köpfen der Bevölkerung und Regierungen gerichtet wird. Basierend auf zwei völlig unterschiedlichen Bildern, die das BAG hier gezeichnet hat. Mag sein, dass die Clubs tatsächlich die Treiber der Infektionen sind und weitere flankierende Massnahmen nötig sind. Mag aber auch sein, dass dies nicht der Fall ist und die Kantone mit dem Contact Tracing ausreichend dafür sorgen, dass die Infektionen in den Clubs unter Kontrolle bleiben. Wie auch immer sich die tatsächliche Lage darstellt und wie auch immer darauf basierend entschieden wird: Es muss transparent und nachvollziehbar sein. Aktuell ist das pure Gegenteil der Fall.

Nachtrag

Zwei Tage nachdem die Zahlen-Sau durch die Medienlandschaft getrieben wurde, hat das BAG grobe Fehler bei der Datenzuordnung eingeräumt. Nicht 303 Personen haben sich in Clubs angesteckt, sondern lediglich 15. Offen bleibt die Frage, weshalb keine einzige Zeitung diese seltsamen Zahlen hinterfragt hat, anstatt die Zahlen unreflektiert zu übernehmen.

 


 

Über den Autor

Darrien (Siedepunkt)

Darrien ist seit über 20 Jahren als Techno-Evangelist, DJ und Veranstalter im Zürcher Nachtleben unterwegs. Vielen ist er aber auch bekannt durch seinen lautstarken und tatkräftigen Einsatz für gesellschaftspolitische Themen in Social Media und darüber hinaus. In der neue geschaffenen Kategorie Siedepunkt kommentiert er das aktuelle Weltgeschehen mit Bezug aufs Nachtleben und darüber hinaus.


 

Titelbild: pexels.de

 

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