Der Fachhandel steht seit Jahren unter Druck. Onlinehandel und verändertes Konsumverhalten haben insbesondere spezialisierte Geschäfte im Bereich Audio, Synthesizer und Studio-Equipment stark verändert. Gleichzeitig zeichnet sich ein Gegentrend ab: Viele Musiker:innen und Produzent:innen suchen wieder gezielt Orte, an denen sie Geräte ausprobieren, vergleichen und sich persönlich beraten lassen können. Wir haben mit Florian Joss vom Berner StudioSounds-Store gesprochen – einem Fachgeschäft, das seit vielen Jahren besteht und sich im Wandel des Marktes erfolgreich behauptet.
Was früher oft über den klassischen Fachhandel lief – Beratung, Vergleich und Kaufentscheidungen im Laden – hat sich in den letzten Jahren zunehmend ins Digitale verlagert. Produkte werden online recherchiert, Preise sekundenschnell verglichen und Reviews und Foren ersetzen vielerorts den Erstkontakt mit dem Gerät im Store. So weit, so bekannt.
Von diesen Entwicklungen verschont geblieben sind auch Fachgeschäfte im Pro-Audio- und Synthesizer-Bereich nicht. Dabei zeigt sich unter anderem, dass Kund:innen oft bereits sehr gut informiert in den Store kommen – oder den physischen Laden gar nicht mehr als notwendigen Zwischenschritt im Kaufprozess sehen. Auch Florian Joss, Geschäftsführer der StudioSounds AG, einem Fachhandel für Synthesizer sowie Studio- und DJ-Equipment, ist mit seinem Geschäft in der Berner Innenstadt von diesen Veränderungen betroffen. Doch statt Frust setzt er auf eine klare Neuausrichtung: Dem klassischen Verkauf wird weniger Gewicht gegeben, während individuelle Beratung und kuratierte Setups stärker in den Fokus rücken. So soll der Laden zunehmend zu einem Ort werden, an dem Entscheidungen nicht nur getroffen, sondern auch erlebt und ausprobiert werden.


Wir haben Florian Joss in Bern getroffen und wollten von ihm wissen, weshalb Beständigkeit in einem sich wandelnden Markt dennoch möglich ist. Denn je komplexer die Systeme werden – von modularen Synthesizern über Studio-Monitoring bis hin zu Wireless-Audio-Setups – desto wichtiger wird die Frage, wie etwas wirklich klingt, funktioniert und zusammenspielt. Genau hier entsteht weiterhin ein klarer Bedarf an Raum, Erfahrung und Beratung.
Florian, der Fachhandel steht unter Druck. Was ist aus deiner Sicht heute die grösste Herausforderung?
Florian Joss: Für uns stehen vor allem zwei Faktoren im Vordergrund: die sofortige Verfügbarkeit und attraktive Preise. Kund:innen erwarten heute, dass Produkte möglichst schnell verfügbar sind – idealerweise zum gleichen Preis wie im Onlinehandel. Als Fachgeschäft können wir jedoch weder die enorme Angebotsbreite des Internets noch dessen Preisniveau vollständig abbilden. Insbesondere mit einem Standort in der Berner Innenstadt stossen wir hier an natürliche Grenzen. Deshalb setzen wir bewusst auf unsere Stärken: persönlichen Service, fundiertes Know-how und kompetente Beratung.
Warum lohnt sich der Besuch im Fachgeschäft heute trotzdem noch?
Florian Joss: Im Fachgeschäft besteht die Möglichkeit, sich mit Profis auszutauschen, Produkte anzufassen und auszuprobieren. Ebenso zentral ist, dass nach dem Kauf weiterhin jemand zur Verfügung steht, der bei Fragen oder Problemen unterstützt. Diese Aspekte werden häufig unterschätzt, zeigen sich aber oft erst nach einem Fehlkauf im Onlinehandel. Gerade dann wird deutlich, wie wertvoll Erklärungen, Einordnungen und praktische Demonstrationen sein können. Viele Kund:innen, die zunächst online einkaufen und uns später zum ersten Mal besuchen, sind überrascht, wie bereichernd der persönliche Austausch sein kann. Sie schätzen es, gemeinsam zu prüfen, ob das gewählte Equipment wirklich zu den eigenen Anforderungen passt – sei es im Hinblick auf Arbeitsweise, Sound oder andere individuelle Kriterien.


Welche Bereiche gewinnen im Sortiment aktuell an Bedeutung?
Florian Joss: Besonders relevant sind jene Bereiche, die online nur schwer oder gar nicht sinnvoll recherchier- oder abbildbar sind. Dazu gehören etwa individuell angepasste In-Ear-Ohrhörer, die sich online nicht fertigen lassen. Ebenso komplexe Systeme mit Wireless-Audio oder Setups, bei denen verschiedene Geräte miteinander verbunden, verkabelt und programmiert werden müssen. Auch im gesamten Sound-Bereich – etwa bei Kopfhörern, Monitoren oder Mikrofonen – spielt das persönliche Erleben eine zentrale Rolle. Solche Produkte wirklich auszuprobieren, statt sich nur auf Online-Reviews oder YouTube-Videos zu verlassen, ist ein fundamental anderes und deutlich aussagekräftigeres Erlebnis.
Welche Rolle spielt Community für euch?
Florian Joss: Ohne macht es schlicht und einfach keinen Spass – das erleben wir praktisch jeden Tag. Deshalb führen wir regelmässig rund zehn Workshops und Stammtische pro Jahr durch, die nicht nur viel Freude bereiten, sondern auch dazu beitragen, dass echte Freundschaften entstehen. Für uns ist dieser Community-Aspekt absolut essenziell, und genau so wird er auch von den Teilnehmer:innen geschätzt. Das gemeinsame Zeigen, Ausprobieren und Besprechen von Gear und Musik ist für alle Beteiligten ein echter Mehrwert und bringt die Community weiter. Nach über 20 Jahren ist es besonders schön zu sehen, wie sehr dieses Miteinander gewachsen ist und weiterhin wertgeschätzt wird.
Ohne Community macht unsere Arbeit schlicht und einfach keinen Spass – der Community-Aspekt ist absolut essenziell, das gemeinsame Zeigen, Ausprobieren und Besprechen von Gear und Musik ist ein echter Mehrwert.
Florian Joss, Geschäftsführer StudioSounds Bern
Wohin entwickelt sich StudioSounds langfristig und welche Strategie wird dabei verfolgt?
Florian Joss: Ich würde sagen, dass der gesamte Mix aus all diesen genannten Punkten sowohl unsere Vision als auch unsere Strategie widerspiegelt – und genau das ist es, was uns ausmacht. So wäre beispielsweise unsere Zukunft ohne Community deutlich herausfordernder, weshalb wir diesen Aspekt aktiv pflegen und stärken. Ein weiterer zentraler Pfeiler ist unser Service und Know-how, das ein klares Alleinstellungsmerkmal darstellt. Ich selbst bin seit fast 30 Jahren in diesem Bereich tätig und kenne viele Entwicklungen praktisch seit der ersten Version. Diese Erfahrung fliesst direkt in unseren Support und Service ein, wo ich versuche, im Rahmen meiner Möglichkeiten stets das Bestmögliche für unsere Kundschaft zu erreichen. Gleichzeitig sind wir teilweise auch von externen Faktoren abhängig, die sich nicht immer in unserem Sinne entwickeln. Wo immer möglich, versuchen wir jedoch, solche Herausforderungen abzufedern und alles in unserer Kraft Stehende zu tun.
Welchen Rat würdest du jungen Musiker:innen geben, die ihr erstes Studio bauen?
Florian Joss: Know your gear! Kauft kein unnötig überteuertes Equipment, das mehr verspricht als es hält. Investiert stattdessen in sinnvolle Ausrüstung, lasst euch beraten und nehmt euch die Zeit, die Geräte und Software wirklich zu verstehen und sicher zu bedienen. Und dann: macht Musik damit! Perfekte Techniker:innen fallen nicht vom Himmel. Und es bringt wenig, sich bereits mit dem Mastering zu beschäftigen, wenn noch kein guter Song entstanden ist. Konzentriert euch darauf, Musik zu machen – Schritt für Schritt weiterzugehen – und entwickelt euch dabei kontinuierlich. Wir unterstützen euch dabei gerne.
Im Interview für UBWG: Die Redaktion
Über Studiosounds
StudioSounds in Bern ist seit rund 20 Jahren eine etablierte Anlaufstelle für Musiker:innen, Tontechniker:innen und Kreativschaffende. Das Fachgeschäft verbindet persönliche Beratung mit hoher Fachkompetenz und versteht sich als Treffpunkt für die lokale Musik- und Kulturszene.
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Quellen: StudioSounds AG Bern


