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Studio GDS: Haubi Songs LIVE

ab 21:00Donnerstag, 29. September @ 21:00 - 2:00

Line-Up: Haubi Songs (live)


Haubi Songs – 100 Siite Heartbreak

Müsste ich eine grundschweizerische Eigenart mit lediglich einem Wort beschreiben, so wäre es wohl „Chnuschti“. Dieses onomatopoetische Meisterwerk eines Worts bringt die heimische Ungelenkigkeit bestens auf den Punkt. Denn seien wir ehrlich, sobald wir in die Tiefen der Gefühlswelt eintauchen, bewegen wir uns so elegant und agil wie Rheumapatient*innen einer Tagesklinik.
Besserung ist unterwegs:

Doch war Musik mit schweizerdeutschen Texten vor ein paar Jahren noch Peach Weber und ein paar wenigen Ausnahmeerscheinungen vorbehalten, hat sich in den letzten Jahren glücklicherweise viel getan in diesem Gebiet. Klar, gab es da immer die Berner Schule und allen voran Stiller Has, welche den Blues, die Abgründe und die Garstigkeit unserer Wohlstandsverwahrlosung besangen, doch waren es aus meiner Sicht vor allem Ostschweizer Bands, welche die Demokratisierung dieser Sprache im Popzirkus vorantrieben. Es scheint ein bisschen so, als ob dieser sperrige Dialekt, welcher unisono als Auswuchs allen Übels angesehen wurde, sich bestens zu eignen schien, für Songwriting fernab von Enzian und Heimatkitsch. Was diesen Künstler*innen jedoch fast ausnahmslos allen zugrunde liegt, ist die kühle Beobachtungsgabe und der damit verbundene, ungeschönte, fast schon analytische Blick auf die grossen und kleinen Themen des Alltags. Dies widerspiegelt sich dann zumeist in Songs, welche mal zynisch, mal lustig, mal ausserordentlich grotesk daherkommen. Ich finde das ja fantastisch. Ganz viele Leute finden das fantastisch. Doch handfeste Gefühle bleiben dabei leider meistens auf der Strecke.
Meister des (under)statements:

Auch der Luzerner Haubi Songs inszenierte diese Kunst auf ganzen drei Alben. Das Debut „Orange“ widmete sich dabei voll und ganz der Hassliebe zur Heimatstadt Luzern. Die beiden Folgealben beleuchteten die Ambivalenz des modernen Menschen. Irgendwo zwischen Fernweh und Fernbeziehung, Alltagsfluchten und Flugangst. Alles gekonnt in liebevoller DIY-Ästhetik und mit bissigem Wortwitz verpackt. Und dann folgte „100 Siite Heartbreak“.

Inmitten der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden, kollektiven Depression, releaste Haubi sein schonungslos ehrliches Gefühlsmanifest. Wer nun aber ein verklärtes, in pathetischer Bildsprache vor sich hin mäanderndes Werk erwartet, liegt vollkommen falsch. Haubi zeigt auch hier sein Talent zur akkuraten Auffassungsgabe und lyrischer Wortgewandtheit. Nur richtet sich der Fokus für einmal nicht auf seine Umwelt, sondern vielmehr zeichnet er ein erbarmungslos ehrliches Bild seines Innenlebens. Dabei ist er sich des Wahnwitzes dieses Unterfangens völlig bewusst und so heisst es bereits im Opening-Track „Wo isch das Jahr hi? Niemert wott es Depro-Album während ener Pandemie“. Gemacht hat er es trotzdem und genau hier liegt meiner Meinung nach die Stärke des Albums: Es dient dem Selbstzweck, eckt an und ist sich dessen völlig bewusst. In einer Zeit, in der jeder noch so unbekannte Independent Artist die Möglichkeiten hat, die Hörgewohnheiten seiner Fans bis ins kleinste Detail nachzuvollziehen und dementsprechend zu bedienen, hat Haubi Songs ein Album geschrieben, welches frei von extrinsischen Faktoren vor allem für eins steht: Sich selbst.

Seit 2014 sendet Studio GDS jeden Donnerstag Livemusik über den Äther. In unserem Sender kann man dabei in intimster Wohnzimmeratmosphäre Brandneues aber auch Altbewährtes entdecken. Die Bandbreite reicht vom skandinavischen Singer/Songwriter Ensemble über die Jazzband mit Hiphopfeature bis hin zur Embracher Elektronik-Orgie. Nach den Konzerten übernehmen jeweils die GDS-Resident-DJs rund um Chrigi G. us Z. die Decks.

Details

Datum:
Donnerstag, 29. September
Zeit:
21:00 - 2:00
Eventskategorie:
Webseite:
https://gds.fm/

Standort

Sender
Kurzgasse 4
Zürich, 8004 Schweiz
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Webseite:
http://gds.fm/sender