Eigentlich berichten wir ja nur über die Schweiz und ihre feinen Begebenheiten. Die aktuellen Ereignisse rund um die Fabric Schliessung lassen uns aber dennoch nicht ganz kalt. Deshalb kurz der Reihe nach: Am 7. September beschloss das Islington Council dem Ur-Club aus London die Lizenz zu entziehen. Dies aufgrund dessen, dass am 10. August zwei 18-jährige Jungs ihr Leben aufgrund eines Drogenexzesses im Fabric verloren. Das Fabric war in den Jahren 2012 bis 2014 bereits Bühne für vier solcher tragischer Vorfälle. Damals wurde die Lizenz nur unter strikten Auflagen (u.a. Drogenhunden und ID Scans, dies wurde im Dezember 2015 wieder abgeschafft) erneuert. Der Vorfall im vergangenen August war für die Behörden dann einer zu viel: Sie schlossen die 2’500 Gäste-fassende Institution – trotz der Unterstützung von Bürgermeister Sadiq Khan und 150’000 Unterschriften unter der Pro-Fabric Petition.


*** UPDATE ***

Am Montag, 21. November 2016, verkündete der Londoner Club, dass er seine Lizenz zurückbekommen hat und seine Tore wieder öffnen kann.


Die zentralen Fragen bleiben jedoch: Was kann ein Club gegen solche Missbräuche überhaupt tun und wo liegen die Ursachen? ubwg.ch fragte bei Anatol Gschwind, Mitinhaber vom Hive, und Dominik Müller, Mitinhaber von der Zukunft, nach. Während eines kurzen Telefonates, zeigte Anatol als erstes seine Betroffenheit mit der Schliessung des Fabrics:

«Neben dem Berghain ist das Fabric eine der wichtigsten Institutionen im Nachtleben – weltweit! Also nach dem Hive natürlich (lacht). Wenn eine solche die Tore schliessen muss, ist das ein grosser Verlust!»

Fabric Logo mixmag

Auf die Frage, was denn ein Club dagegen unternehmen kann, wird Anatol ziemlich ausführlich:

«Ein Club hat den Gästen gegenüber eine Verantwortung und die Verpflichtung alles zu tun, damit diese in Sicherheit feiern können. Unser Personal ist darum auch stets bemüht zu helfen, wenn es einem Gast einmal nicht gut gehen sollte. An allen Theken gibts gratis Wasserdispenser, das Mineral kostet seit 10 Jahren nur CHF 3 und auf den WCs fliesst das Wasser angenehm kühl. Zu junge Leute lassen wir nicht in den Club, Gäste die schon in einem betrunkenen oder zugeballertem Zustand kommen, müssen ebenfalls draussen bleiben, da es wohl meist besser für sie selber ist. Unverantwortlich wäre von einem Club wenn am Wasserhahn nur heisses Chlorwasser rauskommt und gleichzeitig ein Mineral 10 Euro oder mehr kostet. Dies entspricht unseren Werten, den Leuten in Notsituationen zu helfen, überhaupt nicht.»

Weiter hofft Anatol, dass sich das Fabric irgendwie aus der misslichen Lage befreien kann. Der politische Druck gegen den Club sei nach den strikten Auflagen einfach zu hoch gewesen. 

Fabric London Outside
Bleiben die Türen des Fabrics für immer geschlossen?

Als Hauptgrund sieht Dominik von der Zukunft dabei die repressive Drogenpolitik in England. In seiner Mitteilung via der BCK Zürich weist er einerseits darauf hin, dass die Stadt Zürich beispielsweise via saferparty.ch grosszügig Informationen zum Drogenkonsum sowie ein anonymes Drug-Checking zur Verfügung stellt. Anderseits appelliert er an die Eigenverantwortung der Konsumenten:


«Informiert euch vor dem Konsum, seid vorsichtig und schaut auf eure Mitmenschen.»


Und diese Aussage zeigt genau auf, dass die Verantwortung eines funktionierenden Clubs bei jedem einzelnen Besucher liegt. Du entscheidest, wo du hin gehst, wen du sehen willst und was du deinem Körper gönnst oder antust – hier unterscheidet sich die Schweiz in keiner Weise von Grossbritannien.

Falls dir die Fabric, ihr 250 Angestellten und ihr Kampf gegen die Schliessung am Herzen liegt, empfehlen wir dir dich auf fabriclondon.com einzubringen.

savefabric


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