Für Mix Nummer 125 in unserem hauseigenen Podcast vertrauen wir heute auf die Künste von Andy Katz. Dazu stand der in Zürich wohnhafte Veranstalter und DJ im Interview Rede und Antwort.

Vor gut einem Monat fand im Exil die dritte Edition von «Choke» statt. Hinter dem vielversprechenden Konzept, Newcomern selbst als musikalische Nachtagenten fungieren zu lassen, steht Andreas «Andy» Varlemann. Der gebürtige Deutsche ist der starke Mann hinter der ebenfalls im Exil stattfindenden «INDIE ROCK» Party und der berüchtigten Mad Katz im Hive. Nicht zuletzt wegen Menschen wie Andy, gehört Zürich zu den elektronischen Hotspots Europas.

Grund genug, um den Mann hinter der Kulisse etwas besser kennenzulernen. Am Ende gibt’s noch ein tollen Mix from the man himself!



Hallo Andy! Vielen Dank, dass wir dir ein paar Fragen stellen dürfen. Als allererstes, bist du zufrieden mit der letzten «Choke» im Exil?

Andy: Danke euch für die Anfrage! Es war ja erst die dritte Ausgabe der Choke und ich bin super zufrieden, wie es bisher läuft. Als Veranstalter freut es mich immer besonders, wenn das gesamte Line-Up so gut zusammen harmoniert. Vor allem wenn man, wie wir, ein paar verschiedene Stile miteinander vermischt.

Mit Choke hast du nun eine weitere Partyreihe am Start. Aller guten Dinge sind Drei, oder wie?

Hehe 🙂 Na ja, ich habe und hatte noch mehr Partys, aber ich bin niemand, der sich da jeweils gerne gross in den Vordergrund drängt. Ich bin eigentlich lieber hinter den Kulissen aktiv, daher hat es auch relativ lange gedauert, bis ich dann irgendwann mal angefangen habe aufzulegen. Das Ganze ist vielleicht auch ein Prozess in mir selbst gewesen. Mittlerweile liebe ich das Auflegen! Im elektronischen Bereich veranstalte ich die Mad Katz und Choke. Ausserdem programmiere ich zusammen mit Stipe zum grössten Teil das Samstagsprogramm im Exil, was auch den Standort der Choke erklärt. Dazu veranstalte ich unter anderem die «INDIE ROCK» Party und spiele dort auch immer all night long.



Generell ist Musik eine grosse Passion von mir. Ich finde es super spannend, eine Nacht so umzusetzen, wie ich es mir jeweils selber im Kopf vorstelle. Wie es aussieht kann ich davon wohl auch nicht genug bekommen. Die Idee der Choke ist es eine Techno Party nach meiner Philosophie auch für jüngere Leute zu machen. Die Party ist ab 18 und wir versuchen den Eintrittspreis so niedrig wie möglich zu halten. Natürlich freuen wir uns auch über ältere Gäste, welche die Musik mögen. Musikalisch setzen wir auf aufstrebende Acts, jedoch kann gerne auch mal ein alter Hase dabei sein. Schlagwörter für den Vibe, den wir uns vorstellen sind vielleicht: Rave, Ektase und Offenheit.

Wie bist du eigentlich dazu gekommen, selbst Partys zu schmeissen?

Das ist eine lange Geschichte, aber ich fange mal vorne an. Ich war früher in Deutschland immer auf Partys in Düsseldorf und Dortmund von einem Freund namens Heiner (Riot School). Er hat zu der Zeit die krassesten Partys geschmissen und war auch selbst ein sehr guter Dj. Ich bin dann 2009 nach Zürich gezogen und habe irgendwann Rainer Etzweiler getroffen. Ich habe ihm Mixtapes von Heiner geschickt und er fand den Sound toll, worauf er ins Exil an seine Discodust Party gebucht wurde. Die Party und sein Set waren super, aber Heiner hatte keinen Namen in der Schweiz, was weitere Bookings sehr schwer machte. Wir waren aber überzeugt von unserem Sound, den es so in Zürich wenig gab, so dass wir uns überlegt hatten, selbst was auf die Beine zu stellen. Wir sind dann irgendwie im Thai Thai Club gelandet und haben im Sommer 2011 die Mad Katz Party dort gegründet. Damals waren es Heiner, Benni, Kevin (alles DJs aus Deutschland) und ich. Bei unserer ersten Party im Thai Thai Club lief dann so ziemlich alles schief, was schieflaufen konnte, aber irgendwie hat es sich trotzdem richtig angefühlt. Nach drei Partys im Thai Thai sind wir dann ins professionellere Exil gezogen, wo dann alles seinen Lauf nahm. Die Distanz von Heiner nach Zürich in Kombination mit seiner Selbstständigkeit haben dann irgendwann dazu geführt, dass ich der alleinige Veranstalter von Mad Katz wurde. Die anderen beiden Jungs haben dann leider auch irgendwann aufgehört aufzulegen. Aber die Zeit mit ihnen war ein Traum.


«Bei unserer ersten Party im Thai Thai Club lief dann so ziemlich alles schief, was schieflaufen konnte.»


Und nun machst du das ganz allein oder hast du noch helfende Elfen?

Im Exil lässt mir Stipe (Geschäftsleitung Exil) eigentlich ziemlich viele Freiheiten, worüber ich sehr dankbar bin. Wir besprechen aber jede Party im Voraus zusammen. Seit zwei Jahren sind bei der Mad Katz im Hive Marc Klein (Marcism) & Emanuel George (Emu) mit dabei. Wir sind auch privat super Freunde, die über alles reden können. Wir haben alle einen etwas anderen Musikgeschmack und auch verschiedene Freundeskreise, was der Party sehr gut tut. Beim Hive selbst hilft mir Marc Feldmann sehr beim Booking Ablauf.

Was war bisher die prägendste Party oder besser gesagt die Beste?

Eine bestimmte herauszuwählen, fällt mir schwer. Generell freue ich mich, wenn der Vibe gut ist und ich merke, dass die Leute einfach ihre Freizeit bei uns geniessen können. Zu Exil Zeiten waren es die beiden Mad Katz Parties mit DJ EZ. Da stand damals gefühlt die halbe DJ-Szene aus Zürich neben dem DJ Pult und ist durchgedreht. Auch unsere erste Party im Exil 2012 mit Feadz & TWR72 war richtungsweisend. Hätte die Party nicht so toll funktioniert, wäre bei mir wohl einiges anders gelaufen in den letzten sieben Jahren. Im Hive waren dann die Partys mit Answer Code Request & Antigone, sowie mit Anetha & Fiedel richtungsweisend für uns. Obwohl wir es vorher schon öfters mit Techno probiert hatten, waren dies die ersten beiden Partys, wo wir dann auch super Besucherzahlen mit Techno Acts hatten und wir zum Glück unten weiter voll auf Techno setzen konnten.

Du kommst ursprünglich aus Duisburg, bist aber oft in Berlin unterwegs. Holst du dir dort Inspirationen für deine Veranstaltungen, die du hierzulande organisierst?

Eigentlich nehme ich mir immer vor weniger nach Berlin zu fliegen, aber zum Feiern ist es meiner Meinung nach immer noch die beste Stadt. Vor allem das Berghain und die Griessmühle gefallen mir vom Vibe und den Bookings sehr. Also ja, ich hole mir definitiv Inspirationen bei den Besuchen. Wenn ich dann doch mal in anderen Städten im Nachtleben unterwegs bin, gibt es selten Partys bezwieungsweise Clubs, die mich ähnlich packen.

Welche Personen haben dich auf deinem Weg zum Veranstalter und DJ am meisten geprägt?

Da gibt es eigentlich drei Personen, die mir spontan einfallen. Als alles anfing, war es sicher Heiner. Er hat mich an den Booking-Ablauf herangeführt und beigebracht, was zum Veranstalten alles dazu gehört. Auch seine „yolo“ Einstellung was Partys angeht, habe ich mir ein bisschen abgeschaut. Das heisst auch mal etwas verrückteres miteinander zu kombinieren. Verschiedene Szenen zusammen zu bringen. Irgendwann bin ich dann auf Chris Gasser, dem ehemaligen Booker vom Hive, getroffen. Er hat mir ein paar super Werte vermittelt und er hat früh auf mich gesetzt, wofür ich ihm heute sehr dankbar bin. Ohne ihn wäre ich wohl nie im Hive gelandet. Ausserdem mag ich seinen speziellen Humor irgendwie sehr. Leider hat er sich ja aus der Szene nach vielen tollen Jahren zurückgezogen. Oscar C hat mir damals das Auflegen beigebracht und wir hatten zusammen das House Projekt Mad Katz DJ-Team. Technisch ist er einer der besten DJs, den ich kenne. Wir hatten eine super Zeit zusammen, aber leider haben wir uns musikalisch irgendwann ziemlich auseinandergelebt, so dass wir getrennte Wege gegangen sind. Ich bin ihm aber immer dankbar für die Geduld die er mit mir hatte 😉 Dann gibt es noch Daniel Szakats und Rainer Etzweiler die mir von Anfang an geholfen haben im Zürcher Nachtleben anzukommen. Die Exil- und Hive-Crew sowie natürlich alle, die jemals bei der Mad Katz dabei waren.


«Eigentlich nehme ich mir immer vor weniger nach Berlin zu fliegen, aber zum Feiern ist es meiner Meinung nach immer noch die beste Stadt.»


Wie sieht’s eigentlich mit dem Auflegen aus. Sieht man dich oft hinter den Decks?

Letztes Jahr hatte ich 65 Gigs, wovon mehr als die Hälfte Indie Gigs waren. Wie bereits erwähnt, veranstalte ich auch die „INDIE ROCK“ Party, wo ich jeweils auch die ganze Nacht auflege. Die Musik macht mir wahnsinnig Spass. Die Szene ist komplett anders und eine super Abwechslung zum Techno. Aber ja ich liebe es auch House und Techno zu spielen und freue mich über jedes Booking.

Mit Choke willst du vor allem Newcomern eine Chance geben. Was sind momentan deine drei Geheimtipps?

Locals:

  • Cryptic – ein Live-Trio, welches ich jedes Mal grandios finde. Mit „Regula“ haben sie auch ein tolles Kollektiv.
  • 2mpc – wohl der DJ in Zürich, der am ehesten meinem eigenen Musikgeschmack ähnelt.
  • Near End – er war früher als msbhv unterwegs und hat jetzt ein Solo-Projekt. Hart und Raw.

Die letzten beiden sind übrigens auch beim Hæresis Kollektiv mit denen wir (Mad Katz) im März zusammen eine Party im Hive schmeissen.

International:

  • Inhalt der Nacht – unser nächster Gast an der Choke im Exil am 6. April 2019.
  • Allgemein die Szene in Kopenhagen rund um Courtesy finde ich spannend. Eigentlich alle DJs die auf der Kulør EP released haben.
  • 999999999 – kein wirklicher Geheimtipp mehr, aber noch nicht so lange in der Szene. Am 26. April dann an der Mad Katz im Hive

Vielen lieben Dank an Andy!


Titelbild / Bilder: zur Verfügung gestellt von Andy Katz


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