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Nach langer Abstinenz servieren wir heute endlich wieder einmal einen ofenfrischen Podcast. Aufgetischt wird dieser vom Ostschweizer Künstler Leonidas (CH). Als Aperitif kredenzen wir ein Interview mit dem Newcomer aus Mostindien – rund um seine Person und seine Beweggründe.

Das dem einen oder anderen gerade kleine Fragezeichen über dem Kopf schweben, wer denn dieser Leonidas nun sei, dürfte nicht allzu unbegründet sein. Obwohl dieser schon seit geraumer Zeit Tracks im stillen Kämmerchen produziert und ab und an hinter den Decks steht, haben Herr und Frau Raver*in bis anhin wahrscheinlich noch wenig von diesem talentierten Tunichtgut gehört. Wer aber in den vergangenen Wochen hie und da wieder mal den tonangebenden Clubs in Zürich einen Besuch abgestattet hat, kam nicht drumherum, eine seiner Singles um die Ohren geschallert bekommen zu haben. Über Stock und Stein, kam nämlich eine Handvoll seiner unveröffentlichten Perlen in die Hände des französischen Artists Traumer, welcher kurzerhand mit Leonidas zusammen eine EP auf seinem Label «gettraum» veröffentlichte. Mehr dazu, inklusive Hörprobe, im Interview.

Die Podcast-Serie auf UBWG bietet Künstler*innen eine Canvas, die nach Lust und Laune bemalt werden kann. Leonidas hat sich dieses Credo zu Herzen genommen und just seine aktuellen Beweggründe in der Musik in ein knapp einstündiges Set gepackt. Dabei herausgekommen ist ein stimmiges und genreübergreifendes Stück, welches die Hörer*innen mit Prosecco bei gemütlichen 115bpm abholt und mit 128bpm dann wieder gepfeffert nach Hause schickt.



Leonidas hat in seinem musikalischen Werdegang eine kleine Sternwanderung hingelegt: Im Gefieder durchlebter Genres in seiner Jugend ist so manches hängengeblieben. Letztendlich landete er aber dann doch auch in der elektronischen Sparte, wo wir uns alle ja bekanntlich auch ungemein wohl fühlen.

Verschiedene Genres & Sub-Genres zu kategorisieren ist ein schwieriges Unterfangen. Noch kniffliger wird es, jemandem aus anderen Ecken des Musikuniversums den genauen Unterschied in den elektronischen Genres aufzuzeigen. Der Begriff EDM wäre daher von der Grundbedeutung des Wortes (Electronic Dance Music) nicht allzu abgelegen, doch ist er der in Realität aber meilenweit entfernt davon, was wir darunter verstehen. Wie würdest du so etwas versuchen anzugehen?

Ich finde dieses ganze schubladisieren grundsätzlich schade. Ich habe mich früher auch eher mit bestimmten Genres speziell identifiziert und mich dabei immer wieder erwischt, eben jene gezielter abzuklappern. Mit dieser Einstellung können einem neue Entdeckungen und erfrischenden Inputs eher mal untergehen. Dies bezieht sich aber eher auf unsere vielfältigen und breitgefächerten Sub-Genres. Den Versuch, den Spagat von EDM zur House/Techno-Szene zu machen, ist auch mit den längsten Model-Beinen der Welt nicht machbar. EDM ist vollgestopft mit ewig langen Breaks. Es fühlt sich an, als wäre der einzige geforderte DJ-Skill möglichst «krasse» Build-Ups zu machen – und die Crowd nur auf eben diese wartet. Wohingegen die feineren Sphären der „anderen“ elektronischen Musik sich in dem repetitiven, fast schon hypnoseartigen Aufbau eines Sets zu helfen wissen. Eine flüssige, geschichtenerzählende Entwicklung, wo einzelne Elemente und Ebenen viel besser wahrgenommen werden können.

EDM ist vollgestopft mit ewig langen Breaks. Es fühlt sich an, als wäre der einzige geforderte DJ-Skill möglichst krasse Build-Ups zu machen – und die Crowd nur eben auf eben diese wartet.

Leonidas

Auch die subkulturelle elektronische Musik ist im Vergleich zum EDM längst salonfähig geworden und wird auffallend oft auch in Clubs angeboten, die eigentlich nicht zwingend aus dieser Kultur entstanden sind. Findest du folglich den Begriff «subkulturell» für diesen Sound eigentlich noch angebracht?

Nein, ich denke nicht. Der neue Underground in der Schweiz dürfte eher solche Sachen wie IBM oder Drum-n-Bass sein. Vor allem Letzterer – so glaube ich – könnte sich in den nächsten 10 Jahren als neuer Taktgeber in den Clubs festigen. Aber nur die Zukunft wird das zeigen können. Fest steht, dass der Wandel der Musik und der Geschmäcker unabdingbar ist. Er hat nie stagniert und wird es auch nie.

Wie stehst du dazu, dass die DJ’s immer öfter im Mittelpunkt eines Events oder einer Clubnacht stehen?

Wo früher aus einem versteckten Kabäuschen im Club ein DJ noch still seine Platten für das Publikum gemischt hat, wird er oder sie heute als «tanzrichtungsanweisender» Kompass fast schon aufs Podium gehoben. Der DJ dient in diesem Sinne eben als Show-Element und somit hat der Sound seine Stellung in manchen Fällen im Vergleich zu den alten Disco-Zeiten ein wenig verloren. Es hat sich verändert, was mir persönlich nicht so zusagt und sich auch nicht mehr mit meiner Liebe zur Musik vereinbaren lässt. Persönlichkeiten stehen im Vordergrund und das verändert das Produzieren sowie auch das Präsentieren von Musik. Diese Entwicklung ist eine Tatsache, welche man nicht verneinen kann und welche in der heutigen Zeit auch ihren rechtmässigen Platz erhält. Dieses Spiel muss aber nicht jede*r mitspielen.

Wo früher aus einem versteckten Kabäuschen im Club ein DJ noch still seine Platten für das Publikum gemischt hat, wird er oder sie heute als tanzrichtungsanweisender Kompass fast schon aufs Podium gehoben.

Leonidas
Das doch nicht allzu stille Kämmerchen von Leonidas. Foto: zvg. Robin Sindelar

Vinyl als Wiedergabemedium hatte einen regelrechten Aufschwung, gefühlt gar eine Wiedergeburt erlebt in den letzten Jahren. Glaubst du, dass sich dieser Standard in den Clubs in den kommenden Jahren wieder etablieren wird?

Ich glaube nicht. Wir leben in einer Welt, wo es immer einfacher und niederschwelliger wird, selber Sounds zu produzieren. Die eigenen Stücke aber auf Vinyl pressen zu lassen dauert zurzeit noch zu lange, um sie vorher in den Clubs mal ausprobieren zu können. Ob die Technologie da uns noch mehr unter die Arme greifen wird, sehen wir dann noch. Grundsätzlich aber finde ich das «collecten» des Vinyls eine schöne Gegenbewegung zu den ganzen Streaming-Plattformen. So kommt das «Diggen» wieder mehr in den Vordergrund, wobei man sich auch gerne mehr Zeit dafür nimmt.

Welche Online-Plattformen benutzt du den gerne noch, um Sound zu «diggen»?

Da gibt es eine grosse Bandbreite. Ich bin oft auf Pitchfork oder XLR8R unterwegs, einfach um neue Artists kennenzulernen. Bandcamp steht natürlich hoch im Kurs, weil die Künstler*innen da auch fair entlöhnt werden.

Kommen wir nun zu deiner EP, die mit Traumer zusammen auf seinem Label «gettraum» kürzlich veröffentlicht wurde. Die EP war in der Sparte Minimal auf Platz 1 auf decks.de und innert Kürze ausverkauft. Wie fühlt sich das an, von null auf hundert gleich in den Charts zu landen?

Natürlich ist das sehr erfreulich! Ich beobachte das Ganze aber aus einer gewissen Distanz, da es doch schon eine Weile her ist, als diese Nummer entstanden ist. Als letztendlich klar wurde, dass sie veröffentlicht wird wird, bin ich auf den gängigen Kanälen hochgefahren (Bandcamp, Spotify und Co.) und habe gleich noch eine Handvoll Produktionen aus dieser Zeit zur Verfügung gestellt. Ungefähr 10 Stück, mit Namen: A Toolbox 2015-18. Ich denke aber nicht, dass von mir in nächster Zeit wiederholt mit einer solchen Art von Musik zu rechnen ist. Es hat sich vieles geändert und ich möchte mich dem Neuen (und auch den alten, wiederkommenden Vibes) gegenüber nicht verschliessen. Wie ich vorhin schon betont habe, ist der Wandel unabdingbar und auch etwas Gutes. Zurzeit steht beispielsweise Country Musik bei mir sehr hoch im Kurs!


Leonidas’s Track «Taff» auf «gettraum»

Wir danken Leo für den kleinen Schwatz und das wirklich gelungene Set.

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Bilder zur Verfügung gestellt von: Kevin Roth


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