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Noch immer ist die Frauenquote in beinahe sämtlichen Bereichen der Clubszene beängstigend gering. Ein Gespräch in der Kauz-Garage hat letzte Woche einen Einblick gegeben, was verschiedene aktive Personen des lokalen Nachtlebens darüber denken.

Es ist kurz nach halb neun, in der Garage vom Kauz riecht es stark nach Käse, da hat soeben ein familiäres Raclette stattgefunden. Die Tische werden hochgeklappt und die bereitstehenden Festbänke füllen sich immer mehr mit interessierten Personen. Bald ist die Garage voll und das Gespräch beginnt.

Auf dem kleinen Podest finden sich folgende Personen ein: Anissa Radványi (Amygdala, F96), Nicola Kazimir (Les Points, Mikro), Mandy Chong (Les Belles De Nuit), Oli Jordan (Klaus) und Manon Maeder (ManonMania, Hive). Lea vom F96-Kollektiv moderiert die ganze Angelegenheit.

Bei einem Punkt sind sich alle Teilnehmer*innen unbestritten einig und zwar, dass die Beteiligung von weiblichen und sich als weiblich definierenden Personen in der Clubszene zu gering ist. Doch die Gründe dafür sehen die Panel-Teilnehmer an verschiedenen Orten. Im Hive beispielsweise ist «Fuchs Küsst Hase» die einzige von Frauen veranstaltete Party überhaupt. Laut Manon Maeder, welcher bei der genannten Party als Veranstalterin fungiert, bräuchten Frauen mehr Mut, sich selbst aktiv in der Partyveranstaltung zu probieren und etwas zu wagen.


Die Gäste in einer gefüllten Kauz Garage


Auch der Kapitalismus und die binäre Denkart werden als Probleme aufgedeckt. Frauen können sich oft mit Männern (als DJs, aber genauso als Veranstalter) identifizieren, umgekehrt ist es aber kaum der Fall. Einerseits solle hier laut Nicola Kazimir ein Umdenken stattfinden, was aber natürlich nicht vom einen auf den nächsten Tag passieren kann. Trotzdem soll man aber die Dinge selbst in die Hand nehmen und eigene «Spaces» schaffen, anstatt auf das Umdenken anderer zu setzen, welches man ohnehin leider nie gänzlich voraussehen kann.

Genau die Motivation, eigenes zu schaffen und zu kreieren, ist auch von Clubseite aus das Problem. So erhält das Klaus beispielsweise über 80% von allen Partyanfragen von Männern. Dabei gehe es den Partybesuchern aber nicht darum, wer die Party veranstaltet, sondern wie Sound und Leistung zusammenpassen. Das können Frauen, was logischerweise absolut ausser Frage steht, mindestens genauso gut.

Was aber auch kein Sinn mache, sind absolut reine Frauenpartys, nur um der Quote entgegenzuwirken. Die musikalische Linie gehe dadurch oft verloren. Nicht(!) weil es sich um Frauen handelt, sondern weil so DJs nur wegen ihrer Person, und nicht wegen ihrer Musik gebucht werden. Diese Diskussion ist aus Sicht von gewissen Panelteilnehmern etwas nervig. Frauen würden nicht weniger im Nachtleben miteinbezogen werden, weil sie Frauen sind, sondern weil sie sich zu wenig zeigen und aktiv mitgestalten würden.

Letztendlich befinden wir uns in einer Phase, in welcher diese Diskussion gerade einen neuen Höhepunkt erreicht. Erst wenn sich dieser Hype gelegt hat, kann man ein Fazit ziehen und sehen, welche Fortschritte dadurch wirklich erreicht wurden. Das Nachtleben resp. die Clubs, welche seit jeher für Toleranz und Gleichberechtigung einstehen, können dabei eine entscheidende Pionierarbeit für die gesamte Gesellschaft verrichten. Schliesslich geht die ganze Debatte über Geschlechterrollen und das Geschlecht selbst weit über das Nachtleben hinaus.

Nach dem Talk in der Garage findet ein Stock weiter unten im Kauz eine von F96 programmiere Nacht statt. Es spielen ausgeglichen Frauen und Männer, die Stimmung ist locker und alle haben Spass. Letztendlich ist es doch genau das, worum es geht.


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Fotos: Zur Verfügung gestellt

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