Mannequins zieren die Schaufenster vom Paradeplatz bis an den Stauffacher und zeigen uns, wie der Hase in Sachen Trends gerade läuft. Kippt man ein «e» dazu, bleibt man noch immer tief in Zürich verankert, landet aber vielmehr an der Langstrasse und beim Zürcher DJ-Duo Mannequine. Claudio und Ruben haben da so ziemlich alles bespielt, was in einen hervorragenden DJ-CV gehört. Zudem haben sie mit ihren Releases auf dem Londoner Label Continental Records für Furore gesorgt.

Nun steht Ruben (nebenbei Leiter Carhartt Stores Zürich) uns Red und Antwort zu sechs Jahren Mannequine, ihrem kommenden Album und warum er Jerry Bouthier gerne ehelichen möchte. Und fast noch wichtiger: Sie haben den UBWG-Podcast Nummer 114 eingespielt.


Ruben Claudio snackin Mannequine langstrasse


Ciao Ruben, du und Claudio sind seit Jahren als DJ und Produzenten Duo unterwegs. Was bei den meisten ziemlich abgedroschen klingt, stimmt bei euch, wie die Faust aufs Auge. Claudio ist vornehmlich Produzent und du öfters als DJ unterwegs. Ich habe sogar eure Tracks zuerst gekannt und erst danach erfahren, dass ihr auch auflegt. Wie habt ihr euch gefunden und wie entstand Mannequine?

Du triffst es ziemlich genau: bei uns harmoniert es irgendwie einfach gut. Eigentlich so gut, dass wir seit fünf Jahren sogar zusammenwohnen. Auch wenn wir komplett verschieden sind und nicht immer gleicher Meinung, haben wir über die Jahre gelernt uns zu respektieren und zu schätzen. Das geht ziemlich gut auf, da jeder seine Stärken kennt. Wie du gesagt hast, bin ich öfter als DJ unterwegs und Claudio schaut, dass unsere Songs «das gewisse Etwas» haben. Mittlerweile verändert sich diese Konstellation aber immer mehr in Richtung Multitasking. So habe ich zum Beispiel vor einem halben Jahr zwei eigene Songs released und Claudio ist des Öfteren auch solo als DJ unterwegs.

Ist lustig, dass du die Story als unbekannte DJs erwähnst. Dies passiert sogar in meinem Freundeskreis: Zum Beispiel gehe ich jeden Montag zum Fussball und habe da einen Mitspieler, der von Spotify unseren Song «Bombay Night Story» empfohlen bekam. Er schickte es dann in den Mannschaftschat und ein Mitspieler machte ihn darauf aufmerksam, dass wir schon lange zusammen kicken. Der hat dann ganz überrascht aus der Wäsche gekuckt!

Mannequine entstand auf einer Autofahrt von Davos nach Zürich vor circa sechs Jahren. Wir hörten Radio und haben uns gefragt, wieso wir eigentlich nicht selber Musik machen. Immerhin war ich da schon als DJ in Klubs unterwegs und Claudio hatte für diverse Leute schon erfolgreich Hip-Hop Beats produziert. Auch wussten wir ziemlich schnell, wie wir heissen sollten und in welche Richtung wir gehen würden. Zwei Monate später hatten wir schon eine Chart-Platzierung auf Hype Machine und unsere eigene Party im EXIL. Das war crazy…


Jerry Bouthier Mannequine
Claudio und Ruben a.k.a. Mannequine und Continental Records Boss Jerry Bouthier

Ich nenne kurz drei Namen, hinter welchen je eine grosse Mannequine Story steckt – erzählt uns diese doch kurz. Aber zu erst bitte ein Fuck, Marry, Kill! Und los: Jerry Bouthier, Iouri Podladtchikov und Andy Warhol.

(Lacht) Fuck: Iouri aufgrund seines Fames. Marry: Jerry wegen seiner Persönlichkeit und Kill: Andy – der ist schon tot. Da hast du 3 gute Persönlichkeiten ausgewählt. Sie haben auf jeden Fall sehr viel gemeinsam, das kann ich dir sagen. Aber Spass bei Seite. Iouri kenne ich seit 20 Jahren. Wir gingen damals zusammen in die Primarschule in Zürich Seebach. Ich habe ihn immer unterstützt und er mich genauso. So kommt es, dass er selber natürlich ein enormer Mannequine Fan ist. Was viele nicht wissen: er hat vor vier Jahren die Lyrics zu unserem Lieblings-Mannequine-Song geschrieben. Wir haben den Song mit einer Sängerin aufgenommen, hatten aber noch nicht das nötige Elan, um ihn fertig zu stellen. Wir haben aber ein Album auf nächstes Jahr geplant und wer weiss, vielleicht kommt er dort drauf.

Jerry Bouthier ist eine der spannendsten Persönlichkeiten, die wir kennen. Wir haben ihn damals an unsere Party im EXIL eingeladen und er nahm uns sofort under his wings. Es folgten Remixes für sein Label, die eigene EP und wir durften sogar eine Continental Records Nacht in London halten. Er ist ein schräger Vogel, der ausschliesslich für die Musik, die Mode und die Kunst lebt. Zurzeit steht bei seinem Duo JBAG ebenfalls ein Album an und wenn er nicht im Studio ist oder sein Label betreibt, tourt er für die Marke Maison Kitsuné um die Welt.


Mannequine Zürich


Andy Warhol hat eigentlich nichts mit uns zu tun – vielmehr sein Hund. Archie The Dog gab unserer Party im Zürcher Gonzo den Namen. Diese findet alle vier Monate statt und hat ausschliesslich Disco in all seinen Formen im Fokus. Es ist toll für uns zu sehen, dass diese Musik auf hohe Akzeptanz stösst. Im doch eher musikalisch düsteren Zürich, ist das ein schöner Kontrast.

Ihr seid ebenfalls zig mal im Hive, der Zukunft und auch im Ausland gebucht worden, eure Video Premieren (produziert von Hillton) wurde exklusiv auf Vice veröffentlicht und eure Tracks haben über 600’000 Plays auf Spotify. Und das alles ohne eurer Musik untreu zu werden – obwohl in vielen Clubs, wie von dir gerade erwähnt, zurzeit ein viel härterer, dunklerer musikalischen Wind weht. Wie habt ihr dies erreicht?

Die Zeiten haben sich definitiv geändert und es ist für uns auch nicht immer einfach unsere Musik durchzubringen. Doch wichtig ist auf jeden Fall, dass man sich treu bleibt und sein Ding durchzieht. Tönt jetzt etwas klischeehaft, ist aber so. Die Musik ist ständig in Bewegung und wir spüren, dass der Wind wieder in unsere Richtung weht. Es gab jetzt über die letzten Jahre sehr viele Raves, sehr viele Technopartys und im Moment herrscht dafür Hochkonjunktur. Dementsprechend gibt es auch viel mehr DJs als noch vor ein paar Jahren und es ist schwierig sie zu unterscheiden. Da hat man es auf jeden Fall leichter, wenn mann nicht in jedes Boot steigt. Wir warten einfach ab bis der Sturm vorbei ist und der Wind wieder in unsere Richtung weht. Langfristig gesehen ist das wahrscheinlich der Schlüssel zum Erfolg und der Grund wieso unsere Tracks eine halbe Million Plays haben (lacht).

Wenn wir schon die ganze Zeit davon sprechen, müssen wir den überspitzten Sommertrack auch mal zeigen:


Sogar in diesem mit Klischees gefüllten Video, sieht man viele Details und eine Perfektion in Schnitt und Aufnahme. Mannequine zeichnet sich auch damit aus, der Ästhetik immer einen enorm hohen Wert zuzuschreiben. Eure Pressebilder wurden beispielsweise nicht selten analog geschossen. Ihr wart schon an Fashionshows. Ich wage mal zu behaupten ihr würdet ein Showcase bei Anna Wintour und der Vogue einem Pacha Set bei Solomun vorziehen, oder?

Ja, klar! Die Frage beantwortet sich fast von selbst. Es ist eher unwahrscheinlich dass Anna Wintour weiss, wer Solomun ist. Die zwei spielen in einer ganz unterschiedlichen Liga. Sogar Solomun würde lieber bei Anna spielen als bei ihm im Pacha. Uns ist die Ästhetik schon wichtig. Aber auch weil heutzutage einfach ein Übermass an Informationen da ist. Wenn man nicht auf solche stilistischen Details achtet, läuft man Gefahr sich nicht von anderen Künstlern differenzieren zu können und das ist in der ohnehin schon übersättigten Musikbranche sehr schwer. Das mit den Fashionshows kam dann eher per Zufall. Sicher durch Jerry Bouthier und sein Engagement bei Vivienne Westwood, aber auch durch das Schweizer Modelabel Akris, das uns schon einige Male nach Paris einlud, um ihre Show zu spielen.

Von wo kommt dieses Auge für Stil?

Stil ist eigentlich relativ und liegt im Auge des Betrachters. Was wir haben ist einfach Liebe zum Detail. Wieso ein Pressefoto mit dem Handy aufnehmen vor einer weissen Wand, wenn man es auch irgendwo in den im Ausgang mit einer Point & Shoot und schräger Kulisse schiessen kann. Dieser Gedanke überträgt sich eigentlich auf das gesamte Mannequine Projekt. Wir sind unkonventionell und das ist gut so. Alles andere wäre vielleicht langweilig.


Mannequine point and shoot


Ist eure Musik für euch auch ein Ausdruck dieses Detail verliebten Stils?

Auf jeden Fall, weil wir dahinterstehen müssen. Wir könnten niemals etwas machen, was wir beide nicht gut finden. Deshalb werden unsere Produktionen immer einen Ausdruck von Stil sein. Ob sie dann auch zeitgenössisch sind, das können wir nicht sagen. Es gibt sicher Leute, die unsere Musik nicht mögen und sie für stillos halten. Aber die wird es immer geben, egal was wir machen.

Wie geht es mit Mannequine weiter? Ihr habt nebenbei beide Vollzeit-Jobs.

Das Album haben wir ja schon angedeutet. Wir sind momentan dabei, das Set-Up am zusammenstellen. Es soll auf jeden Fall einheitlich klingen, weshalb wir mit möglichst wenig Plugins arbeiten wollen – je analoger, desto besser. Es kostet aber auf jeden Fall Zeit und Geld sich für die richtigen Instrumente zu entscheiden. Zuerst gehen wir aber im Februar noch auf Asien Reise – als Inspiration für das Album.


Ruben Claudio Mannequine


Bevor ihr die Schweiz kurzzeitig verlässt, noch eine Frage zu eurer Heimat Zürich: Welchen Platz in Zürich würdet ihr gerne einmal beschallen und welches sind eure Lieblingsplätze?

Wir haben schon ziemlich alles beschallt, das es gibt (grinst). Aber das nächste Level, wäre es mal am Zürich Open Air zu spielen. Wir haben dieses Jahr dort das The XX Konzert gesehen und es hat uns extrem inspiriert. 

Es ist schwierig zu sagen, wo es uns am besten gefällt. Es gibt definitiv eine Menge davon. Aber die Langstrasse ist unersetzlich. Dort treffen wir alle unsere Freunde und da sind auch gleich unsere Lieblings Klubs Zukunft, Longstreet und das Gonzo. Wir laden euch gerne mal auf eine Stadtführung ein… 

Solange die Drinks inklusive sind, habt ihr uns – danke dir!


Hier als das Sommer-Flashback im Form des Mannequien Podcasts:

Tracklist

01. Changes (James Blake Harmonimix) – Mala
02. Lungomare – Lust for Youth
03. Planet – Four Tet
04. The Life Aquatic – Moon Boots
05. Somagwanza – Auntie Flo
06. Shinzo No Tobira – Mariah
07. Afrique – Dalholt & Langkilde
08. Water Flow – Klyne
09. Kappe Tre – Bjorn Torske & Prins Thomas
10. Kerala – Bonobo
11. Slow D’s – Lully
12. Vale – Bicep
13. Take It In (Osborne Remix) – Hot Chip
14. Freestyle – 070


Mannequine findet ihr auf Facebook, Spotify oder Soundcloud.

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