Der UBWG Podcast geht in die nächste Runde. Unser heutiger Gast: Nicola Noir! Eine Woche nach dem Release seines Debütalbums «Frères» dürfen wir nun ein Mix des Zürcher Musikers in unserem hauseigenen Podcast präsentieren. Dazu trafen wir den 26-jährigen Produzenten zum grossen Interview.

Nicola Noir war vor gut einer Woche im Sender, wo auch der zweistündige Mitschnitt seines Sets entstand, den wir nun exklusiv und als Podcast Nr. 121 präsentieren dürfen. Zurücklehnen und geniessen!

Nicola Noir auf Facebook
Nicola Noir auf Soundcloud
Nicola Noir’s «Frères» auf Beatport



Hallo Nicola und willkommen in unserem hauseigenen Podcast. Beginnen wir mit einer Grundsatzfrage: als was siehst du dich eher, als Produzent oder als DJ?

Nicola Noir: Im Club, eher DJ. Im Studio, eher Produzent. Was mir mehr Spass macht? Das Produzieren, etwas von Null auf zu kreieren, kreativ zu arbeiten, ohne Grenzen zu kennen. Sobald andere Leute im Spiel sind, wie Clubbetreiber, Host, lauschende Gäste usw. sind dir automatisch wieder Grenzen gesetzt. Dazu kommt, dass du als DJ musikalisch eingeschränkt bist. Du hast deine Records (Platten, USB, CDs) dabei und kannst die irgendwie zusammen mixen und das wars. Als ob du 100 verschiedene Bücher dabei hättest und aus jedem 10 Seiten vorliest. Als Produzent hast du die Möglichkeit dein eigenes Buch zu schreiben – und vorzutragen.

Du giltst als ein Künstler, der nur sehr schwer in Schubladen gesteckt werden kann. Wie würdest Du deinen Stil beschreiben?

Nicola Noir: Ich denke, ich kann beides in einem Satz beantworten. Vielleicht bin ich ein schwer in Schubladen zu steckender Künstler, weil ich mich um meinen Stil nie Gedanken gemacht habe und somit mich nie nur auf ein Genre beschränkt habe. Ich probiere jedes Mal wieder was Neues aus, sonst würde ich ja einfach an Ort und Stelle stehen bleiben. Es war mir auch schon immer schnurz egal, ob meine Tracks clubtauglich sind, Club-Hits werden oder nicht. Hauptsache es löst etwas im Zuhörer aus. Wichtig ist mir, dass meine Hörer immer wieder überrascht und ab und zu bisschen vor den Kopf gestossen werden.


Du hast deine Records dabei und kannst die irgendwie zusammen mixen und das wars. Als ob du 100 verschiedene Bücher dabei hättest und aus jedem 10 Seiten vorliest.


Dass Du deine Hörer immer wieder überraschst, hast du mit deinem erst gerade veröffentlichten Album «Frères» gezeigt. Was willst Du mit deinem ersten Longplayer erreichen und weshalb «Frères»?

Nicola Noir: Erreichen? Nichts weiter als geile Mukke zu verbreiten und dem einen oder anderen einen nices Gefühl zu vermitteln, wenn er zuhause sitzt oder mit dem Tram zur Arbeit fährt. Man sagt ja immer, es mache mehr Freude jemanden zu beschenken als selbst beschenkt zu werden, oder? Nur habe ich selbst noch ein riesen Spass während ich das Geschenk produziere 🙂 Alle Beteiligten gewinnen, das sollte Musik erreichen.

«Frères» heisst das Album, weil mich so ziemlich alle meine blood -und mind- brothers  unterstützt haben in meinen letzten Jahren des Musizierens. Ich arbeite immer noch mit dem PC von Päge, Atom Munding schiebt mir hin und wieder wie bei „Spider trash“ krass geile Kompositionen rüber, mein Bruder Simeon und sein Kumpel Antonio haben das crazy Artwork für mich gemacht, usw. Nur so konnte überhaupt ein Album entstehen.


Nicola Noir
Nicola Noir am Montreux Jazz Festival 2018 (Bild: Nicola Noir)

Und wie ist dein Erstling entstanden?

Nicola Noir: Der Erstling kann man sagen, ist Wolves. Den habe ich vor 6 Jahren angefangen, aber nie fertig gemacht. Der ist dann 5 Jahre auf der externen HD herumgelegen und in Vergessenheit geraten. Vor einem Jahr dann hab ich ihn fertig gemacht und als Free Download veröffentlicht. Vor einigen Monaten hab ich dann noch ‘ne Album Version re-produziert, weil ich den track auf die LP packen wollte. Insgesamt war ich eineinhalb Jahre mit dem Album beschäftigt. Aber der kleine Beginn geht bis 6 Jahre zurück.

Gibt es einen Lieblingstrack?

Nicola Noir: Das kann ich nicht sagen, jedes Stück hat gewisse Feelings von mir drin. Ich kann ungefähr sagen, mit welchen Track ich mit Mixdown, Arrangement und Dramaturgie am meisten zufrieden bin. Verrat ich euch aber nicht, hehe.

Schade! Welche Instrumente spielst Du? Und hast du eine musikalische Ausbildung genossen?

Nicola Noir: Ich hatte als Junge mal Gitarrenunterricht, aber das ist schon ziemlich lange her. Den Rest habe ich mir mit der Zeit selbst beigebracht. Ich werde mich schon bald bei verschiedenen musikalischen Studiengängen bewerben und die Musikalische Ausbildung nachholen.

Wie bist Du zur elektronischen Musik gekommen?

Nicola Noir: Das war als wir mit 19 Jahren, shit schon 7 Jahre her (lacht), angefangen haben nicht genehmigte Outdoor Partys zu veranstalten. Wir waren die, die an der Kibag Tiefenbrunnen oft für Radau gesorgt haben und die Goldküsten Bewohner nicht mehr schlafen liessen. Viele die früher dabei waren und aufgelegt haben, sogar auch produktiv tätig waren, sind irgendwann aus dem Ganzen herausgewachsen. Ich hingegen bin einfach immer bisschen drangeblieben. so kam eins nach dem andern.


[..] weil wir dazumal wussten, wenn wir schräge Vögel zusammenarbeiten, dann wird’s ‘ne ziemlich chaotisch schräge, schiefe Sache.


Wie zum Beispiel euer Label Schieff Musik. Wie ist dieses entstanden und was verbindet eure Gruppe miteinander?

Nicola Noir: Ouh, wir nannten unser Label am Anfang D.U.C (Down Under Corbusier), weil das so ein Insider war zwischen mir und meinem Cousin Micha, mit dem ich früher oft musizierte. Micha ist dann irgendwann immer mehr ins Filmgeschäft reingerutscht und kurz darauf kam mein guter Kumpel Paqo dazu und wir gründeten aus D.U.C das Schieff Musiklabel. Jacques Obsone und Nebukat Nezar meine alten Kumpels waren sowieso immer dabei, egal wie wir uns nannten und irgendwann vor einem Jahr hat auch mein Onkel Atom Mundig seinen ersten Release bei uns veröffentlichen dürfen. Schieff Musik nennen wir uns, weil wir dazumal wussten, wenn wir schräge Vögel zusammenarbeiten, dann wird’s ‘ne ziemlich chaotisch schräge, schiefe Sache. Also besser mal schon im Namen kundgeben was, wir für eine Truppe sind.

Und was hat es mit den Stachelhäutern auf sich?

Nicola Noir: Wir dachten uns, dann doch lieber ein Informationstext über Seegurken, als ein selbstdarstellerischer Text darüber, was für ein professionelles, cooles und erfolgreiches Musiklabel man ist. Die Musik spricht für sich selbst.

Wird es in naher Zukunft von dir und/oder Schieff Musik zu hören geben? Die letzte EP auf Schieff wurde ja erst vor kurzem veröffentlicht.

Nicola Noir: Ja klar, alle Remixes vom Album kommen demnächst heraus. Darunter sind Produktionen von Dave Echo, Nico Sun, Alma & Mater, Pigmaliao und Paco. Atom Munding ist in seiner Höhle auch schon wieder ordentlich am Gas geben, daraus wird bald wieder eine Single oder EP entstehen. Von mir wird bald mal noch ein Remix für Rapossa released. Also wir bleiben definitiv dran.

Vielen Dank Nicola Noir!


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