Gullinbursti, das fliegende Wildschwein aus der nordischen Mythologie, transportiert seine Fahrgäste so schnell, dass nur noch ein Goldschweif zu sehen ist. Die perfekte Vorlage für ein Artcar, angelehnt an das Art Project Yggdrasil; der Lebensbaum aus der nordischen Mythologie, welcher ebenfalls am diesjährigen Afrika Burn in Tankwa Town zu bewundern war.

Letztes Jahr hatten ein paar Schweizer mit dem Art Project „Lighthouse“ das Burn in der Karoo Wüste in Südafrika merklich durchgerüttelt. Viele langjährige Burner schwärmen noch heute vom verzaubernden Ambiente und vor allem von der einzigartigen Musik beim Lighthouse. Es war wie gegeben, dass diese Geschichte in irgendeiner Art eine Fortsetzung finden musste. Die Idee Gullinbursti war geboren und wurde zum Leben erweckt.

Gulli beim Aufbau
Gulli beim Aufbau

Ein Artcar zu planen und ihn dann weit weg von der Heimat umzusetzen ist ein ziemliches Projekt, das viel abverlangt und viel Motivation und Hände braucht. Mit grossem Elan wurden im Vorfeld von der Schweiz aus alle Vorbereitungen getroffen, so dass das Projekt in nur einer Woche vor dem Burn in Kapstadt realisiert werden konnte. Während dieser Woche galt, was nicht passt, wird passend gemacht und improvisieren sollte man ohnehin können, wenn man sich auf das Abenteuer Wüste einlässt.

Gulli in der Nacht Foto: Dreas
Gulli in der Nacht Foto: Dreas

Nach einer doch eher anstrengenden Geburt Gullinburstis, flog dieser aber bald über die Karoo Wüste und genoss die bewundernden Blicke. Das Scheinwerferlicht teilte Gullinborsti aber nur zu gerne mit den anderen vielzählig vorhandenen Artcars und Artworks, die sich in der Wüste tummelten und die Leute verzauberten. In der Nacht wurde die Wüste zu einem bunten Lichtermeer voller Frohlocken und Tanz. Freitagnacht hatte Gullinbursti dann seinen magischen Moment, ein Moment auf den er und ganz viele andere gewartet hatten. Er hatte ein Rendez-Vous mit der fest installierten Eule und spielte ihr die ganze Nacht Musik aus seinen Turbosound Boxen vor. Luke Redford (Set unten hörbar) gelang es mit einem wunderbar verspielten und gleichzeitig mitreissendem Set ganz nach seiner Manier die Leute in den Bann des Wildschweins zu ziehen und es fanden sich bald mehrere hundert Tänzer und Tänzerinnen ein. Die ganze Nacht und bis weit nach Sonnenaufgang wurde weitergetanzt mit Wide Awake, Ode Radio, David Mears, Alex Leeu & Thor Rixon. Ausserdem spielten unter ganz vielen anderen Story of Tides und Marc Feldmann (Set unten hörbar), beide auch beim Bau involviert, oft auf dem fliegenden Wagen von Gullinbursti.

Gullinbursti and Owl Foto: Marc
Gullinbursti and Owl Foto: Marc

Das relativ überschaubare Afrika Burn hat definitiv seinen Charme und das Wetter ist viel weniger hart, als jenes in der Wüste Nevadas beim Burning Man, der Mutter aller Burns. Doch bringt auch die Wüste Karoo gewisse Tücken und Herausforderungen mit sich und manch einer stösst zeitweise an seine persönlichen Grenzen. Wer schon einmal an einem Burn war, weiss jedoch, dass genau diese Art von Grenzerfahrungen das Erlebnis am Ende so unvergesslich macht. Ein Erlebnis, welches sich Menschen aus der ganzen Welt nicht entgehen lassen wollen. Verschiedene Quellen berichten von 60% – 80% Anteil an Gästen von Übersee. Krass, wie viele sich diesen Aufwand machen und solch eine lange Reise auf sich nehmen. Südafrika an sich ist jedoch definitiv eine Reise wert ist und viele verlängern die Burn-Woche. Einige Einheimische sehen in dieser Veränderung nicht nur Positives, da das Afrika Burn dadurch seinen lokalen Charakter von früher verloren hat. „Radical Inclusion“, ein Leitprinzip jedes Burns, bedeutet jedoch, dass jeder und jede willkommen geheissen wird und die vielen „Überseeler“ das Treffen ja nicht minder interessant machen, sagen viele. Kritisiert wird auch die Entwicklung des Afrika Burns in Richtung Bigstage Event mit überwiegend „Hauptsache-vorwärts-Techno“ und Trance. Gleichzeitig werden die vielen Kunstinstallationen immer nebensächlicher. „Involvement“, ein weiteres Leitprinzip, ist also von zukünftigen Burnern definitiv mehr gefragt. Ähnliches Feedback gab es beim letztjährigen Burning Man in Nevada.

Alles ist vergänglich, alles kommt zu einem Ende und so durfte dann am Montagmorgen auch Gullinbursti mit dem „Hauptbahnhof“ zusammen als einer der letzten Burns brennen. Möge er in vielen Köpfen hängen bleiben und immer noch ein Lächeln auf viele Lippen zaubern.

Gulli wird auf den Hauptbahnhof geflogen Foto: Dreas
Gulli wird auf den Hauptbahnhof geflogen Foto: Dreas

Am 20. Mai kommen wir nochmals zusammen, tanzen uns die letzten Staubresten weg und huldigen unser fliegendes Wildschwein an der Gullinbursti Decompression im Klaus. Diese Veranstaltung soll auch dazu beitragen, dass der grosse finanzielle Aufwand sich ein bisschen ausgleicht und dieser nicht auf den involvierten Personen sitzen bleibt. Grossen herzlichen Dank an dieser Stelle ans Klaus und ebenfalls ans Kauz, welches das Projekt sehr grosszügig unterstützt hat. Und natürlich gilt grössten Dank an allen Personen, die in irgendeiner Weise dem „Gulli“ das Fliegen lernten. Kommt mit uns feiern am 20. Mai, es wird „dusty“.

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Hauptbahnhof Burn Foto: Alain
Hauptbahnhof Burn Foto: Alain




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