Sascha Hodler, vielerorts besser bekannt als Jon Donson, ist ein Urgestein der Berner DJ-Szene. Der heute 36 jährige Produzent und DJ, der seit über zehn Jahren die Schweizer Clubs unsicher macht und über Veröffentlichungen auf Labels wie Sirion RecordsLucid Flow, Clap your Hands, Fenou, Deep Department & Tip Tap Records verfügt, lebte und arbeitete die letzten 20 Jahre in Burgdorf und zieht Anfang November 2016 für neuen, kreativen Input in eine WG in der Berner Lorraine. Seinen Traumberuf als Sound-Engineer in einem kleinen, kreativen Team bei den Bluebox Tonstudios ergatterte er sich via einen alten Bandkollegen, der seinen Facebook-Aufruf für einen neue Beschäftigung im Musikbereich sah. Sascha Hodler gibt in Burgdorf seine Wohnung sowie sein Studio als Lieblingsorte an und ist gerne auf der grünen Schützenmatt Burgdorfs unterwegs. In Bern ist das Tredicipercento seine Lieblingsbeiz, deren Besitzer über die Jahre zu guten Bekannten geworden sind. Kulturell steht der Dachstock resp. die gesamte Einrichtung der Reitschule, der Schmelztiegel für Kultur in Bern, weit oben auf der Liste seiner Favoriten. Dort trinkt er gerne auch mal nur ein Bierchen, obwohl er seine rare Freizeit meistens mit Musikmachen in irgendeinem Bunker verbringt. Auch spannend findet Sascha Hodler die Dampfzentrale und ihre laufende Entwicklung, obwohl er nur selten den Weg runter ins Marzili findet. Als stark prägend und legendär beschreibt er die Zeiten der Formbar. Im Sommer gibt es für jeden Berner nur einen Place to be der (zurecht) genannt wird: die wunderbare Aare!

Sascha Hodler ist weiter Co-Gründer des wohl bekanntesten Berner Labels für elektronische Musik, der Elektrostubete. Eine Crew, die Anfang Oktober die magische Grenze von zehn Jahren überschritten hat und dies mit der alljährlichen, grossen Sause im Dachstock und der Rössli Bar feierte (UBWG berichtete).

An der eben erwähnten Veranstaltung waren wir auf Einladung der Elektrostubete live vor Ort und haben einen Review über den Event geschrieben (den findest du hier). Wir trafen Sascha Hodler, das Aushängeschild des Labels, einige Tage danach zum persönlichen Interview. Nebst seiner Person im Allgemeinen und einem Rückblick auf eine Dekade Elektrostubete, interessierten uns vor allem seine diversen, neuen Projekte wie „Jørg“ und „Moby Disc„, von denen die Öffentlichkeit bislang wenig mitgekriegt hat.

Sascha Hodler im Interview über Jørg, Moby Disc, Jon Donson & Elektrostubete

Das Interview mit Sascha Hodler fand am 14. Oktober 2016 um 11.00 Uhr im Restaurant Sous le Pont der Reitschule Bern. Fotos Sascha Hodler: Mahalia Aura Haberthür

Bild Sascha Hodler

UBWG: Hey Sascha, schön das du hier bist! Es ist Freitag, 11 Uhr vormittags. Um die Uhrzeit hab‘ ich dich wohl noch nie angetroffen, ausser vielleicht an einer Afterhour. Wie geht es dir; du siehst auf jeden Fall fit aus?

Sascha Hodler: Hallo Dino, vielen Dank für die Einladung. Seh‘ ich fit aus? Ich fühl‘ mich ehrlich gesagt ziemlich müde, zum Glück haben wir Kaffee.

Die Elektrostubete, die du gemeinsam mit Lukas Süess gegründet hast, feierte letztes Wochenende ihr 10-jähriges Bestehen. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank für die Einladung und Kompliment zur der tollen und ausverkauften Feier! Du standest zu meinem Erstaunen für einmal nicht auf dem Line-Up. Hatte das einen bestimmten Grund?

Ja, das ist in der Tat eine Ausnahme und soweit ich weiss, das erste oder zweite Mal an einem Stubete-Geburtstag. Wir standen vor der Frage, ob ich ein weiteres Set spielen soll oder ob wir einen Slot mehr für einen anderen Act, den wir mögen, frei haben. Wir beschlossen den Slot freizugeben, nicht zuletzt weil ich schon einige Sets im Dachstock spielen durfte und ich diese Plattform gerne jemandem anderem überlassen wollte.

Wie fühlt man sich als „Statist“ an der eigenen Feier? War es eher befreiend und du konntest dich mehr dem Feiern hingeben oder war es genauso anstrengend?

Es fühlt sich nicht gross anders an, es bleibt ja dein Event und wenn du nicht auflegst, darfst du umso mehr Hände schütteln und hast Zeit für für ausschweifende Backstage-Gespräche. Gefeiert habe ich aber nicht wirklich mehr als sonst, ich hab‘ mich erst in der Afterhour ein wenig gehen lassen. Vorher musste ich mich um die Artist-Care kümmern; du weisst ja wie das ist (lacht).

Auf UBWG wird zeitgleich mit diesem Interview ein Review über euren Event veröffentlicht. Mich würde interessieren, wie du den Event aus deiner persönlichen Sicht erlebt hast?

Es war wie in einem „Film“. Ausverkauft, tolle Leute, gute Stimmung! Wenn ich vom Backstage kurz runter auf den zweiten Floor wollte, traf ich auf 20 Personen – nicht einfach Bekanntschaften, sondern wirklich gute Freunde und Leute, die ich schon sehr lange kenne. Ein „riesiger Film“ beschreibt es am besten. Ich war und bin begeistert, nicht zuletzt auch stolz, wie wir es geschafft haben Jahr für Jahr rund 1000 Gäste mit unserer Musik in die Reitschule zu locken. Musikalisch war es solide mit einigen Highlights, wobei mich der Sound der Headliner an unseren Festen auch schon mehr überzeugte.

Dachstock, Elektrostubete


«Rückblickend verdanken wir den
Jungs der Formbar einfach
fast alles…»


Die Ära Elektrostubete dauert nun bereits zehn Jahre an, doch auf eurer Facebook-Page ist der „About“-Tab noch immer „Under Construction“. Kannst du mir etwas über die Entstehung der Elektrostubete und euren Weg von Burgdorf nach Bern erzählen?

Gerne. Das mit der Entstehung ist eigentlich ziemlich einfach. Mangels an Angeboten an Tanzmusik in und um Burgdorf wollten wir einen Event veranstalten. Im Alpina Burgdorf konnte man dies tun und auch gleich das Rahmenprogramm mitgestalten. So entstand unser erstes Fest, an dem ich auch Lukas Süess begegnete. Aufgrund des Erfolgs riefen wir dann die Elektrostubete ins Leben und beschlossen weiterzumachen.

Den Sprung auf Bern verdanken wir ganz klar den Jungs der Formbar; wir waren selbst Stammgäste im legendären Lokal. Eines Tages waren wir so frech und fragten Fausto (Anm. d. Red. Mitgründer Formbar, & Kapitel) für ein Datum in der Formbar. Dieser sagte zu und ebnete uns so ziemlich schnell den Weg von Burgdorf nach Bern. Für uns war das ein absolutes Highlight, wir hätten uns nichts Besseres vorstellen können! Unsere Events waren dann glücklicherweise von Anfang an erfolgreich und führten mit einer Portion Glück (Danke Diego!) dazu, dass wir bereits unseren zweiten Labelgeburtstag im Dachstock feiern durften. Von da an ist unserer Werdegang dann eigentlich bekannt; diverse kleine Veranstaltungen und Festchen sowie die die jährlichen „Geburtstage“ im Dachstock. Rückblickend verdanken wir den Jungs der Formbar einfach fast alles, sie waren wie unsere „Göttis“. An dieser Stelle einen ganz herzlichen Dank und viel Liebe an die ganze Formbar/Kapitel-Crew – ohne euch wäre das nicht möglich gewesen!

Zehn Jahre sind eine sehr lange Zeit, hast du einen „besten Stubete-Moment“ und gibt es eine lustige „Backstage-Story“, die man veröffentlichen darf?

An unserem dritten Label-Geburtstag hatten wir Boris Brejcha live gebucht, straighter Techno. Heute überhaupt nicht mehr meine Musik. Doch dieser Moment war überwältigend. Schon beim Erzählen bekomme ich noch heute eine Gänsehaut. Boris spielte das Outro, ein sehr melodiöser Tune. Der ganze Dachstock hatte die Hände oben und das Putzlicht wurde eingeschaltet. Diesen Vibe werde ich nie vergessen, das war einfach „mäx“! Es gibt davon Videos auf Youtube.

Backstage-Geschichten gibt es viele, aber du weisst ja wie das ist (lacht). Für mich war einer der grossen Momente jener, als Jens Bond nach unserem zweiten Geburtstag im Dachstock in der Formbar ein 5-stündiges Back-to-Back-Set mit unserem Little Lu zum Besten gab. Im Anschluss daran war er dermassen parat, dass er meinte (mittlerweile war Nachmittag) den Franziskus von Format:B (seriös im Hotel schlafend) aus dem Bett klingeln zu müssen. Wir wissen nur noch, dass Franz geweckt wurde, Jens aber trotzdem ohne ihn zurückkam und wohl eine nicht gerade freundliche Predigt vom Franz erhalten hatte. Das war ziemlich lustig und ist mir geblieben.

Kommen wir zu einer Frage, die mir schon lange auf der Zunge brennt. Ist es ein Gerücht oder eine Tatsache…

Also schwanger bin ich nicht! (lacht)!

…dass, das die letzte Party der Elektrostubete – zumindest im Rahmen dieser grossen Geburtstagsfeiern – war?

Definitiv. Wir haben beschlossen, dass wir uns mit der Elektrostubete aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Wir haben viel erreicht und, wie wir hören, auch viel bewegt. Wir durften die lokale Clubszene mitprägen in den letzten zehn Jahren. Das macht uns stolz und glücklich. Wir haben sicherlich auch viele Junge ins Verderben geritten, die nun richtige Raver sind, natürlich ohne uns je dafür verantwortlich zu fühlen (lacht). Es ist an der Zeit, etwas Neuem Platz zu machen und so eventuell auch jüngeren Personen eine Möglichkeit zu geben. Lukas und ich sind musikalisch auch immer wie mehr auf einer anderen Schiene und viele Stubete-Jungs sind mittlerweile Familienväter – somit lag der Entscheid nahe.


«Nach zehn Jahren kannst du
die Türen hinter dir schliessen
und einfach gehen.»


Das mag nun für viele Fans ein grosser Schock sein! Soweit ich weiss, wurde das von euch gar nicht kommuniziert?

Das ist so und war uns auch wichtig. Es wäre überhaupt nicht unsere Art, sich jetzt nochmal ein letztes Mal feiern zu lassen. Wir haben unsere Events aus Freude gemacht und sind stolz und dankbar über den Erfolg. Doch es läge uns fern, uns jetzt noch ein letztes Mal wie Helden feiern zu lassen und überall tränende Emoticons auf den sozialen Medien zu verursachen. Ich habe das in den vergangenen Jahren bei einigen DJs gesehen und finde es selbstgefällig, das Spotlight am Karrieende nochmals so auf sich zu richten. Die Elektrostubete tritt im stillen ab, nach zehn Jahren kannst du die Türen hinter dir schliessen und einfach gehen… Besonders nach einer letzten wunderbaren, ausverkauften Party.

Du sagtest eben, dass sich die Stubete aus der Öffentlichkeit zurückzieht. Wie sieht es im „Privaten“ aus, gibt es noch Lichtblicke?

Wir haben als Label nie eine grosse Anzahl Events veranstaltet und werden das für die Öffentlichkeit nicht mehr tun. Etwas wie unsere „Mobile Disco“ in Burgdorf könnte es indes aber schon noch hie und da im kleinen, privaten Rahmen geben. Als Kollektiv bleiben wir sicher für immer bestehen. Wer weiss, eventuell gibt es in einem weiteren Jahrzehnt auch eine Ü40-Stubete-Memberparty (lacht).


«Dreksler & Haerle ist ein guter
Peak-Time Live-Act, ein echter
„Arschschutti“-Liveact!»


Was bedeutet das Ende der Stubete-Ära für dein Live-Projekt mit Lukas Süess „Dreksler & Haerle“, mit dem ihr bereits in diversen Clubs unterwegs wart und auch ein paar spannende Releases veröffentlicht habt?

Dreksler & Haerle wird sicherlich weiterbestehen, das ist eine Herzensangelegenheit, auch unabhängig von der Freundschaft zwischen Lukas und mir. Es ist ein spannendes Projekt, wir gehen dabei beide viele Kompromisse ein und trotzdem funktioniert es gut. Es ist eine Chance für mich, Musik zu spielen und zu produzieren, die ich sonst nicht machen würde – ohne dies negativ zu werten. Er kommt mehr aus der Techno/Progressive-Schiene; ich eher vom Minimal, „Klacker-Klicker-Klacker“. Das gibt eine geile Mischung! Wir modeln gerade das Live-Set um und haben eigentlich schon bald ein Neues bereit, dass wir dann auch gerne präsentieren. Wir hatten ja rasch erstaunlich tolle Bookings in Zürich und auch an Festivals erhalten und sind es dann etwas ruhiger angegangen. Ich glaube, Dreksler & Haerle ist ein guter Peak-Time Live-Act, ein „Arschschutti-Liveact“ eben (lacht). Übrigens ist da ein Release bei unseren Freunden von Sirion in der Pipeline; aber das kann noch ein Weilchen dauern.

Elektrostubete

Das sind doch schon einmal gute Neuigkeiten. Verlassen wir langsam das Themenfeld Elektrostubete und sprechen wir über dich. Da besteht wohl auch gleich Aufklärungsbedarf. Ich lese vermehrt den Namen Jørg (Moby Disc) anstelle von Jon Donson (Elektrostubete). Was hat es damit auf sich? Ersetzt Jørg Jon Donson?

Es ist schwierig so etwas zu ersetzen. Das ist irgendwie nicht möglich. Es ist eine neue Dekade, die angerissen wird. Jon Donson war behaftet und wurde in eine Schublade gedrückt. Wir schrieben uns damals auf die Fahne „Pumpi-Sound und Löli-Zügs“, doch Pumpi-Sound spielte ich schon seit Längerem nicht mehr. Schon zügig und „chlepfig“, aber ich habe mich soundtechnisch verändert. Auch von den Ansprüchen her: Was macht eine Party zu einer guten Party? Mit der Stubete wurden wir zu schnell populär und kommerziell, obwohl wir das nicht wollten. In den letzten Jahren war die Stubete quasi für jeden neuen Raver das erste Label, das sie mit elektronischer Musik versorgte. Um nicht zu weit abzuschweifen und es kurz zu machen: Es war soweit, dass Leute an Partys auf mich zukamen und meinten „He! Wo ist der Pumpi-Säschu?“ Das nervte mich tierisch! Musikalisch, also als DJ wie auch releasetechnisch, war Jon Donson sehr behaftet, nicht negativ, aber es war alles sehr eingeengt und ich sah keinen Ausweg mehr ausser der Namensänderung.

Das heisst also du begräbst Jon Donson gemeinsam mit der Ära der Elektrostubete nach zehn Jahren?

Es waren etwa acht Jahre, ich war anfänglich noch mit dem Pseudonym „Subwalker“ unterwegs, wofür ich mich schäme und noch bis heute von einigen Freunden – Namen nenn‘ ich keine – aufgezogen werde. Ein echt doofer Name, den auch keine Sau versteht im Club (lacht). Hinsichtlich Jon Donson ist das so; ich lasse das auslaufen. In der Frieda sowie im Hive (beides im Oktober) werde ich noch als Jon Donson auftreten, alles Neue läuft aber unter Jørg. Bis Ende Jahr werde ich das blöde aka-Ding machen, das ich mein Leben lang bescheuert fand und es noch immer tue, doch es ist wohl nötig bevor Jon Donson endgültig stirbt. Man darf hier sicherlich erwähnen, dass es ein sehr schwieriger Schritt für mich war und ich mir das Ganze sehr lange überlegt habe. Schliesslich kam alles ganz schnell und ich habe diesen Entscheid gefällt, der natürlich auch einen wirtschaftlichen Aspekt hat. Mit Jon Donson habe ich mir über die Jahre eine gute Gage erarbeitet, diese zu halten und auch entsprechende Bookings zu generieren ist nicht einfach als „neuer“ Act.

Wie sieht’s mit deinem Liveset aus? Als Jon Donson gab es eine legendäre Premiere von Jon Donson live, die mir noch heute präsent ist. Da hattest du auch noch die Bassgitarre auf der Bühne. Wird Jørg auch live spielen?

Garantiert. Wieder ein Live-Set zu machen steht ganz weit oben auf meiner Pendenzenliste. Für dieses wird Jørg dann allenfalls als Jorg Juno kommuniziert, ein Pseudonym, das ich aktuell für die Moby Disc Radio-Sendungen auf Radio Bollwerk verwende. Ich habe mein Studiosetup und meine Produktionsweise umgestellt und mir mehr Geräte zugelegt. Das hat einen ziemlich starken Einfluss auf meine Musik. Mein Ziel ist es, bis im Frühling ein 90-minütiges Live-Set bereit zu haben; ich muss mir einfach einen Ruck geben. Das neue Live wird anders konzipiert als mit Jon Donson mit viel mehr Möglichkeit zur Improvisation, allenfalls auch wieder mit einem Instrument und Live-Samples. Kurz: Musik im Moment machen. Fast so wie der grosse Mastra.


«Moby Disc steht für die ewige Suche
nach DEM fettesten Tune ever!»


Kommen wir auf dein neues Projekt zu sprechen: Moby Disc. Ich habe bereits zwei Events online gesehen. Zum einen Moby Disc Radio, zum anderen die Moby Disc Klubnacht mit PLO Man aus Berlin. Beides im Kapitel Bollwerk resp. auf Radio Bollwerk. Erzähl‘ doch etwas mehr über Moby Discs Entstehung, die Motivation und Ziele.

Die Motivation kam sicherlich daher, dass ich unbedingt etwas mit dem jungen, talentierten Adrian Bergmann machen wollte. Ich finde, er sticht beim guten Nachwuchs, den wir in Bern haben, heraus. Adi und ich besuchten gemeinsam die SAE in Zürich. Ich lernte ihn, salopp gesagt, als klassisches Einzelkind aus einem guten Quartier im Berner Emmental kennen. Bald lernte ich ihn aber sehr schätzen. Um das gleich vorneweg zu nehmen: Es ist wunderbar zu sehen, wie 14 Jahre Unterschied in der Musik keine Rolle spielen, sofern man die gleiche Leidenschaft teilt. Rasch musizierten wir das erste Mal zusammen: Adi, ich und Samuel Hug (Adva).  So entstand unser Projekt „MOFO-Soundsystem“. Beim gemeinsamen Jammen sah ich noch mehr von Adis Talent und fasste den definitiven Entschluss, etwas mit ihm auf die Beine stellen zu wollen. Das Ende der Stubete-Ära und gleichzeitig der Umbau und die Neuorientierung des Kapitels kamen uns da gelegen und wir bekamen rasch die Möglichkeit, unser neues Projekt dort vorzustellen.

Moby Disc generell würde ich wie folgt beschreiben: Moby Disc steht für die ewige Suche nach dem fettesten Tune ever – immer wenn du den Tune deines Lebens gefunden hast und dir darüber sicher bist, kommt ein paar Wochen oder Monate später ein neuer. Dafür steht Moby Disc. An unseren Events geht es uns nicht um kommerziellen oder schnellen Erfolg, wir wollen einen Vibe kreieren, den es zu bewahren lohnt. Diesen konservieren und spezielle Momente mit einzigartiger, qualitativer Musik schaffen. Fernab von Charts und Beatport. Wir wollen eine eigene, kleine Familie aufbauen und uns Zeit dafür nehmen. Nebst unseren Events im Kapitel, sind kleine, familiäre und auch private Events auf Einladung der Weg, den wir gehen wollen.

Moby Disc soll aber nicht nur als weiteres Eventlabel dienen, sondern Musik veröffentlichen. Besonders ich war es schon immer leid, den ganzen Aufwand zu betreiben, um seine Musik veröffentlichen zu können. Mit Moby Disc wollen wir in erster Linie unsere eigenen Produktionen veröffentlichen und ein Gefäss haben, das uns erlaubt unsere sowie von uns gefeierte Musik zu pushen. Ziel ist es hier sicherlich auf zwei bis vier Vinyl-Releases im nächsten Jahr zu veröffentlichen. Wir erkennen unglaubliches Potential in unserem Umfeld in Bern: Alteingesessene Talente wie Mastra oder der ganze „Bons Vivants“-Haufen um Till oder der junge Kasma – auch im DJ-Bereich mit den „Deins&Meins“-Jungs um Adva, Noé Weigl & Havannes ist das Talent breit gesät und erkannt. Wir möchten mit unserem Label nicht zuletzt die Möglichkeit haben, solche Künstler zu fördern und ihnen eine Plattform zu bieten.

Adrian Bergmann und Rafael Kasma

Im heimischen Gefilden herrscht also viel Potential; Namen wurden genannt. Hinsichtlich der (internationalen) Gäste, an eurer „Moby Disc“-Klubnacht darf man sich auf welche Namen freuen?

Das können wir so genau noch nicht sagen. Wichtig ist uns, dass wir bei der Act-Auswahl besonders bleiben und einladen, was uns gefällt. Adi ist viel am Diggen; er hat auch einfach die Zeit dazu (lacht). Ich mach‘ das auch gerne, doch muss mich immer zwischen Diggen und Studio entscheiden, wobei Letzteres meist gewinnt. Adi liefert hier gute Inputs und ich habe auch ein paar Namen im Kopf, die ich gerne dem Kapitel-Volk vorstellen möchte. Was sich generell sagen lässt: unsere Gäste werden nicht gehypt und überbucht sein. „Qualität mit Soul. For Underground by Underground“ um auf die schnelle ein Motto zu definieren.

Wie sieht die Abgrenzung von der Klubnacht zu eurem Moby Disc Radio aus, das ihr zweimonatlich auf Radio Bollwerk ausstrahlt?

Die Abgrenzung ist grundsätzlich einfach. Auch beim Radio bleiben wir unseren Prinzipien treu. Heisst aber auch: wir machen richtiges Radio mit eigenen Live-Samples, Gesprächen und Schalk – das was bisher auf Radio Bollwerk weniger Platz gefunden hat. Konkret möchten wir einige Rubriken aufstellen und regelmässig bedienen. „Szenengossip“ oder „News aus der elektronischen Welt“ könnten solche Rubriken sein, zu denen es immer etwas zu berichten gibt. Es wird schwierig die Balance zu halten, doch wir freuen uns enorm, sind aber auch etwas nervös! Musikalisch werden wir Musik spielen, die uns bewegt, berührt, im Moment fasziniert – dabei wird sicherlich auch ab und an einmal irgendein genrefremder Oldie seine Musik zum Besten gegeben. Am Ende der Sendung wird aber gleichwohl die Musik ins Zentrum gerückt, so dass es aus unseren eigenen Reihen oder von einem geladenen Gast noch genügend Zeit für ein zweistündiges DJ-Set gibt.

So wie ich euch kenne, wird sicherlich eine gehörige Portion Improvisation dabei sein?

Garantiert und unbedingt! Das ist mir sehr wichtig. Und um den Kreis zu schliessen; die Improvisation war es, die bei Jon Donson wie auch der Elektrostubete nicht mehr möglich war und Ausschlag für diese Änderungen gab.


«Ich wünsche mir oft, dass die Woche zehn Tage
und diese jeweils 30 Stunden haben.»


Unser Gespräch zeigt, dass da sehr viel Spannendes und Neues rund um deine Person am Laufen ist. Bleibt da noch Zeit für anderes? Möchtest du noch anderes machen, das auf der Strecke bleibt?

In der Tat! Ich wünschte mir oft die Woche hätte zehn Tage und jeder dieser 30 Stunden. Einen Film vertonen, Sounds für einen Film oder Ähnliches machen und an einem Klanginstallationsprojekt mitwirken – alles Dinge, die ich liebend gerne machen würde. Geplant ist nichts, gewollt ist viel und spruchreif noch weniger. Ich musiziere regelmässig mit Mastra, wer weiss was da entsteht. Ein weiteres Projekt, das mir und den Beteiligten sehr am Herzen liegt ist MOFO, unser Impro-Live-Jam Trio bestehend aus Adi und meiner Wenigkeit sowie unserem guten Freund Sämi (Adva). Dieses durften wir schon im Club d’Essai in der Dampfzentrale Bern aufführen, haben jetzt aber eine weitere Hürde da Sämi nun in Zürich wohnt. Nichtsdestotrotz ist uns allen das Projekt sehr wichtig; der Vibe sowie die bisherige Rezeption stimmt und somit ist klar, dass es hier bald weitergeht. An dieser Stelle sei noch gesagt: Wir sind auf der Suche nach einem besseren Namen; falls jemand von eurer Leserschaft Vorschläge hat: sie sind willkommen! (lacht)

Kommen wir zur vorletzten Frage; was erwartet uns von Moby Disc nebst dem angekündigten Event im Kapitel mit PLO Man und eurer ersten Radiosendung?

Wir werden es sicherlich geniessen bis Januar für den nächsten Event Zeit zu haben. Diese werden wir nutzen und unsere Fühler ausstrecken. Im Sommer ist allenfalls eine kleine Feier draussen fällig. Auf Radio Bollwerk sind wir währenddessen alle zwei Monate unterwegs. Hauptsächlich geht es mit Moby Disc aber darum, in den nächsten acht Monaten eine eigene Scheibe auf dem Label zu veröffentlichen; mit Tracks von Adi und mir, allenfalls auch etwas von den Mofos oder einem weiteren Berner Act. Das mit den acht Monaten darfst du gerne so schreiben, dann setzten wir uns etwas unter Druck. (lacht)

Zum Abschluss würde ich gerne noch erfahren, welches deine liebsten, eigenen Releases sind. Kannst du uns da einige nennen und allenfalls noch ein paar Worte dazusagen?

Sehr gerne. Zum einen gibt es da die Ferus EP, die auf Lucidflow erschien. Den Cube finde ich einen der besten Tunes, den ich bisweilen gemacht habe. Meine „housigste“ Scheibe, die mir aber dennoch gut gefällt, war die Source of Love EP auf Sirion Records. Zu guter Letzt liebe ich die Out of Nowhere -Scheibe, die ich gemeinsam mit Mastra machen durfte; ebenfalls auf Sirion Records. Ich habe oft Angst, dass ich nie mehr so einen geilen Track machen werde, wie damals gemeinsam mit ihm!

 


Wer gerne noch etwas mehr über Sascha Hodler und die im Interview erwähnten Künstler erfahren möchte, findet nachstehend eine ausführliche Liste weiterführender Links zu den entsprechenden Personen, Labels und Themen.

Sascha Holder im Web:

Jørg aka Jon Donson (Facebook)
Jørg aka Jon Donson (Soundcloud)
Jørg aka Jon Donson (Beatport)

Moby Disc | Moby Disc Radio (Google)

Dreksler & Haerle (Facebook)
Dreksler & Haerle (Soundcloud)
Dreksler & Haerle (Beatport)

Interview 8. Jahre Elektrostubete (UBWG, 2014)
Release Review Dreksler & Haerle (UBWG, 2013)
UBWG-Podcast 004 by Jon Donson (UBWG, 2012)

Weiterführende Links:

Elektrostubete (Web)
Sirion Records (Web)
Bons Vivants (Web)
Deins & Meins (Soundcloud)

Adrian Bergmann (Soundcloud)
Samuel Hug – Adva (Soundcloud)
Noé Weigl (Soundcloud)
Rafael Kasma (Soundcloud)

 


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